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Neusäß

23.05.2020

Neusässer Stadträte ärgern sich wieder über die Bahn

Die Holzbedachung am Westheimer Bahnhof soll abgerissen werden. Die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses in Neusäß sind enttäuscht – nicht nur deswegen.
Bild: Marcus Merk

Plus Die Bahn will die Bahnsteige in Neusäß und Westheim verändern. Statt der Überdachung soll ein Wartehäuschen kommen, von Barrierefreiheit ist keine Spur.

Er ist eines der markantesten Punkte im Neusässer Stadtteil Westheim: Wer mit dem Zug anreist, erlebt die typische Dachkonstruktion über den Gleisen hautnah. In dunklem Holz ragt sie über die Bahnsteige, fast fühlt man sich wie in eine Geschichte von Ludwig Thoma versetzt. Das Dach sollte wohl einmal Kobelwallfahrer vor Regen und Hitze schützen und tut das auch heute noch mit Schülern und Pendlern. Nun könnte das Dach fast völlig verschwinden, plant die Bahn. Die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses in Neusäß sind enttäuscht – nicht nur deswegen.

Das Grundproblem ist bekannt: Die Bahnsteige entlang der Strecke Augsburg - Ulm entsprechen nicht alle jenem Standard, der für die Einstiegshöhen von Zügen und Triebwagen der neueren Generation geeignet sind. Teilweise sind steile Höhenunterschiede zu überwinden, bevor man in den Zug steigen kann. Das will die Bahn ändern und die Bahnsteige anpassen.

Seit Jahren tut sich nichts am Zugang zum Gleis

Stadtbaumeister Dietmar Krenz berichtete jetzt im Ausschuss über die Vorhaben der Deutschen Bahn. So sollen die Bahnsteige am Haltepunkt Neusäß eine neue Beleuchtung erhalten und um zwölf auf 38 Zentimeter angehoben werden. Das geschieht einfach dadurch, dass eine weitere Deckschicht aufgebracht wird, beschreibt Krenz. Nichts verändert werden soll an der Zugangssituation. Seit Jahren versucht die Stadt Neusäß, ihren Bahnhof barrierefrei umbauen zu lassen.

Die Schwächen des Neusässer Bahnhofs sind bekannt: Fehlende Barrierefreiheit, nah am Bahnsteig durchrauschende Schnellzüge und vieles mehr.
Bild: Foto: Marcus Merk (Archiv)

Der Zugang ist allein über eine steile Treppe möglich. Ähnlich ist die Situation in Westheim. Hier sollen die Bahnsteige auf 76 Zentimeter über Schienenoberkante angehoben werden. Dazu soll, so der Plan der Bahn, das Holzdach ab der Unterführung abgebaut werden. Auch hier soll die Zugangssituation über die Treppe zu den Gleisen zwei und drei nicht verändert werden. Zusätzlich werden die Bahnsteige in Richtung Diedorf verschoben.

Als Wetterschutz ist ein Wartehäuschen in Neusäß geplant

Als Wetterschutz plant die Bahn, so Krenz, statt des Daches ein kleines Wartehäuschen, entsprechend der Zahl der Fahrgäste pro Tag. In der folgenden Diskussion kam das ganze Unverständnis der Stadträte für das Vorgehen der Bahn zur Sprache. Seit Jahren bemüht sich die Stadt Neusäß um eine städtebauliche Sanierung des Ortsteils Westheim. Der Sanierungsbetreuer der Stadt hat betont, dass dazu auch der Erhalt der Dächer über den Bahnsteigen gehört.

Ebenso müsse der barrierefreie Zugang zu den Gleisen ein Sanierungsziel sein, berichtete Krenz. Zwar ist Gleis 1 in Westheim zugänglich, ohne dass Stufen oder andere Hindernisse überwunden werden müssen – dieses Gleis spielt jedoch im Bahnbetrieb so gut wie keine Rolle, sagte Bürgermeister Richard Greiner. „Man bekommt den Eindruck, die Bahn tue alles, um die Fahrgastzahlen zu senken“, so Inge Steinmetz-Maaz von den Freien Wählern. Ähnlich sieht das Zweiter Bürgermeister Wilhelm Kugelmann (CSU): „Wir sollten versuchen, zumindest einen barrierefreien Bahnhof in Neusäß zu bekommen.“ Bürgermeister Richard Greiner findet den Umgang des Unternehmens mit der Stadt im Allgemeinen bedenklich.

Verhandlungen über den Vorplatz laufen seit Jahren

„Das ist doch ein Unding, dass die Bahnsteige angehoben werden, damit eine gute Schritthöhe für den Einstieg in den Zug erreicht wird, und nichts dafür getan wird, um barrierefrei auf die Bahnsteige zu gelangen“, sagte er. „Wir sollen abgespeist werden und die Kardinalprobleme werden nicht angepackt.“ Was ihn zudem ärgert: Der Vorplatz vor dem Bahnhof, auf dem einmal eine Buswendeschleife entstehen soll und wo die Stadt Neusäß gerne weitere Fahrradstellplätze errichten würde, gehört immer noch nicht der Stadt. Dabei laufen die Verhandlungen der Verwaltung mit der Bahn seit Jahren.

Anfang Juni soll es nun zu einem Gesprächstermin zwischen Vertretern der Stadt und der Bahn kommen. Die Arbeiten an den Haltepunkten sind für 2022 geplant.

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Die Diskussion ist geschlossen.

24.05.2020

>> So sollen die Bahnsteige am Haltepunkt Neusäß eine neue Beleuchtung erhalten und um zwölf auf 38 Zentimeter angehoben werden. <<

>> Ähnlich ist die Situation in Westheim. Hier sollen die Bahnsteige auf 76 Zentimeter über Schienenoberkante angehoben werden. <<

???

Ich erwarte von einem Plus+ Artikel, dass diese unterschiedlichen Höhen hinterfragt werden!

>> Das Grundproblem ist bekannt: Die Bahnsteige entlang der Strecke Augsburg - Ulm entsprechen nicht alle jenem Standard, der für die Einstiegshöhen von Zügen und Triebwagen der neueren Generation geeignet sind. <<

Es gibt Triebwagen neuerer Genarationen mit 38, 55 und 76 cm Einstiegshöhe - man bekommt was man bestellt. Und man sollte auch wissen was kommt, wenn man Plus+ Artikel schreibt und nicht nur ein neuerer Generationen blabla abliefern.

Es geht in der Region Augsburg vielfach nichts voran - diese Situation in Neusäß ist wieder sehr typisch. Eine Öffentlichkeit für diese Problemen scheitert einfach an klaren Informationen!





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24.05.2020

und das alles, damit die von der BEG bestellten Züge von GoAhead mit 76 cm Einstiegshöhe in München den zweiten S-Bahnstammstrecke mit 96 cm Bahnsteighöhe einigermassen benutzen können? Die soll 2028 fertig werden und der Verkehrtsvertrag mit GoAhead läuft bis 2032. Gleichzeitig wird die Staudenbahn ausgebremst, deren Dieselfahrzeuge der BRB haben 55 cm Einstiegshöhe. Die Züge von GoAhead sollen bis Ulm, Aalen und Würzburg fahren. Damit ist das Bahnsteighöhenproblem ein Westbayerisches!
Barrierefrei geht anders!

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