Handball

07.08.2014

Alles aus Liebe

Seine große Liebe gilt dem Handball. Aber auch seiner Frau. Durch sie ist der 234-fache ehemalige Nationalspieler Holger Winselmann nach Gersthofen gekommen. Künftig trainiert der Wm-Bronzemedaillengewinner den Bezirksoberligisten TSV Gersthofen.
Bild: Oliver Reiser

Warum der 234-fache Ex-Nationalspieler Holger Winselmann in der kommenden Saison den Bezirksoberligisten TSV Gersthofen trainiert

Völlig erschöpft liegen die Handballspieler des TSV Gersthofen am Boden. Obwohl sie völlig ausgepowert sind, haben sie noch die Kraft, ihrem Trainer zu applaudieren. Wen wundert’s? Seit wenigen Wochen leitet eine Handball-Ikone die Übungseinheiten: Holger Winselmann, 234-facher Nationalspieler für die ehemalige DDR und die Bundesrepublik, ist ein Schwergewicht in der Szene.

Zwei Olympische Spiele, mehrere Welt- und Europameisterschaften hat der nur 1,73 Meter große Linkshänder gespielt. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn war er unter anderem als Lehrreferent im Handball-Verband Niedersachsen, sowie als Trainer des TSV Friedberg, des Oranienburger HC und des HC Elbflorenz-Dresden tätig. „Wenn man so einen renommierten Mann bekommen kann, dann muss man zugreifen“, freut sich Samir Babovic, der Abteilungsleiter des TSV Gersthofen, über den gelungen Coup. Der schien nach einer ersten Kontaktaufnahme über die Spieler- und Trainerbörse des Bayerischen Handball-Verbandes zunächst zu scheitern. So verpflichtete Babovic den Binswanger Thomas Mahn, dem er schließlich wieder absagte.

Wenn ein Trainer vom Kaliber eines Holger Winselmann, der sein gesamtes Handball-Leben mit Profis verbracht hat, einen schwäbischen Bezirksoberligisten trainiert, das ist ungefähr so, als wenn man von einem Mercedes auf einen Trabbi umsteigt. „Ganz so schlimm ist es nicht“, lacht der 50-Jährige. Er hat mit der Mannschaft ein Probetraining gemacht. „Dabei habe ich gesehen, dass es schon etwas mit Handball zu tun hat, was die Jungs machen. Außerdem hat auch die Arbeit an der Basis ihren Reiz.“

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Der eigentliche Grund für sein Engagement beim TSV Gersthofen ist seine Frau, die seit 20 Jahren in Gersthofen wohnt. In seiner Friedberger Zeit hat er sie kennen- und lieben gelernt, über Jahre hinweg führten sie eine Fernbeziehung. „Damit ist jetzt Schluss“, sagt Winselmann, der ebenfalls bereits seit neun Jahren seinen Hauptwohnsitz in der Lechstadt hat. Da es seiner Frau zurzeit gesundheitlich nicht gut geht, ist er ganz zu ihr gezogen. „Das geht vor. Deshalb wollte ich etwas in der näheren Umgebung machen“, sagt der 50-Jährige, der dafür sogar in Kauf genommen hat, momentan arbeitslos zu sein.

Klassenerhalt am grünen Tisch, Torjäger zum TSV Göggingen

Holger Winselmann liebt seine Frau und er liebt den Handballsport. Deshalb nimmt er auch trotz anderweitiger Angebote die Herausforderung beim TSV Gersthofen an. Ein schwieriges Unterfangen. Nach der abgelaufenen Saison sind die Schwarz-Gelben nur am grünen Tisch dem Abstieg in die Bezirksliga entronnen, weil der TV Lauingen auf den Aufstieg verzichtet hat. Zudem ist der überragende Torjäger Paul Thiel, der im Schnitt zehn Treffer erzielt hat, zum TSV Göggingen gewechselt. „Als er hörte, dass wir Holger Winselmann verpflichtet haben, wäre er gerne geblieben“, sagt Abteilungsleiter Samir Babovic, „aber er hatte dort eben schon zugesagt.“ Ohne Thiel dürfte der Klassenerhalt das Maß aller Dinge sein.

Holger Winselmann versprüht Optimismus: „Meine Vita und mein Trainer-A-Schein garantieren zwar noch gar nichts, aber ein einstelliger Tabellenplatz sollte es schon sein.“ Zuletzt war er mit seiner neuen Truppe bei einem Turnier in Herzogenaurach am Start. In drei Spielen gab es gegen höherklassigere Mannschaften drei Niederlagen. Doch das Gesehene stimmt den Trainer positiv. Winselmann: „Wir sind zwar Letzter geworden, haben aber gute Ansätze gezeigt.“

Am 20. September wird sich im Auftaktspiel gegen den VfL Günzburg zeigen, ob aus diesen Ansätzen mehr geworden ist.

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