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Augsburg

15.11.2019

Erneut Geldautomat gesprengt: Waren es dieselben Täter?

Wieder wurde ein Geldautomat gesprengt - diesmal in Göggingen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Diesmal ließen die "Bomber" einen Automaten in Göggingen hochgehen, am Samstag haben Täter in Haunstetten zugeschlagen. Betroffen ist jeweils die gleiche Bank.

Der Knall schreckte die Bewohner des Mietshauses in der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße im Augsburger Stadtteil Göggingen mitten in der Nacht auf. Eine Frau, die zwei Etagen über der Filiale der Commerzbank wohnt, erzählt, sie sei zum Balkon gegangen und habe die Täter noch auf der Flucht sehen können. Ein Mann sei mit einer Art Rucksack aus dem Gebäude gerannt. Ein dunkles Auto habe bereits mit laufendem Motor gewartet und sei dann in Richtung Wellenburg davongerast. „Es war sehr laut“, erzählt die Frau. „Ich dachte erst, dass es unten auf der Straße einen Unfall gegeben hat.“

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Zum zweiten Mal wird Geldautomat der Commerzbank gesprengt

Ein Unfall war es aber nicht. Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen ist in einer Augsburger Bankfiliale ein Geldautomat von Kriminellen gesprengt worden. Schon in der Nacht zum Samstag hatten Täter in einer Commerzbank-Filiale in Haunstetten eine massive Explosion ausgelöst. In der Nacht zum Donnerstag traf es wieder die Commerzbank, dieses Mal im Stadtteil Göggingen. Haben dieselbenTäter ein zweites Mal zugeschlagen? Das wäre eher ungewöhnlich, denn die „Automatenbomber“ reisen normalerweise extra für die Tat an und machen sich danach schnell wieder aus dem Staub. Dennoch geht die Kripo nun auch diesem Verdacht nach und prüft einen möglichen Zusammenhang.

Filiale in Haunstetten muss renoviert werden

In beiden Fällen haben Zeugen ein dunkles Fluchtauto gesehen. Bei der Tat in Haunstetten war es den Angaben zufolge ein dunkelgrauer bis schwarzer VW Golf der neuesten Bauart. In dem Haunstetter Fall sollen mindestens drei Täter am Werk gewesen sein, in Göggingen waren es den ersten Ermittlungen zufolge mindestens zwei Personen. In der Regel gehen die Täter so vor, dass sie eine Gasmischung in den Automaten einleiten und entzünden. In der Haunstetter Filiale muss die Detonation enorm gewesen sein. Fensterscheiben barsten, die Einrichtung wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Geldscheine flogen durch den ganzen Raum. Die Täter konnten nicht alle Scheine mitnehmen und ließen sie teilweise liegen. Trotzdem erbeuteten sie nach Angaben einer Sprecherin der Bank eine Summe im „mittleren fünfstelligen Bereich“. Der Schaden am Gebäude liegt wohl noch darüber, er wird aktuell auf rund 75.000 Euro taxiert. Die Filiale in Haunstetten muss erst renoviert werden, bevor sie wieder öffnen kann. Das wird voraussichtlich rund drei bis vier Wochen dauern.

Tatort in Haunstetten: Zwei Mal innerhalb weniger Tage haben unbekannte Täter in Augsburg Geldautomaten gesprengt.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Erste Sprengungen von Geldautomaten im Stadtgebiet Augsburg

In der Nacht zum Donnerstag in Göggingen hatten die Täter dagegen keinen Erfolg. Hier gelangten sie nicht an das im Automaten deponierte Bargeld und mussten ohne Beute fliehen. Offensichtlich war auch die Explosion nicht so stark. Das Gebäude wurde nicht größer in Mitleidenschaft gezogen. Der Geldautomat habe hier dem Angriff standgehalten, sagt die Commerzbank-Sprecherin. „Wie wir in Göggingen gesehen haben, wirken die nachgerüsteten Abwehrmaßnahmen gut.“ Deshalb lohne sich das Sprengen von Geldautomaten für die Täter immer weniger. Mit welchen Maßnahmen die Bank ihre Automaten schützt, teilt die Commerzbank aus Sicherheitsgründen nicht mit. Der Automat in Göggingen muss trotzdem ersetzt werden. Bereits an diesem Freitag kann die Filiale hier aber wohl wieder öffnen. Die beiden Sprengungen sind die ersten Fälle dieser Art im Stadtgebiet von Augsburg. „Bisher sind wir in Augsburg davor verschont geblieben“, sagt der Augsburger Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Anfang des Jahres 2018 hatte es bereits einen Fall einer Automaten-Sprengung im Gersthofer Stadtteil Batzenhofen gegeben. Generell war der Freistaat bisher kein Schwerpunkt bei dieser Form der Kriminalität.

„Bisher sind wir in Augsburg davor verschont geblieben“, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Anfang 2018 hatte es aber bereits einen Fall einer Automaten-Sprengung im Gersthofer Stadtteil Batzenhofen gegeben. Generell war der Freistaat bisher kein Schwerpunkt bei dieser Form der Kriminalität. Die Automatenknacker waren überwiegen im Nordwesten der Republik unterwegs, teils auch in Ostdeutschland. Das liegt daran, dass sich bisher Tätergruppen aus den Niederlanden und teils auch aus Polen auf dieses Gebiet spezialisiert hatten. Anscheinend mit Erfolg: Im vorigen Jahr hat die Zahl der gesprengten Geldautomaten in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. In 369 Fällen hatten Kriminelle einen Automaten in die Luft gejagt – oder es zumindest versucht. Zehn Jahr zuvor lag die Zahl solcher Taten erst bei 33.

Polizei ermittelt auf Hochtouren

Nach den beiden Taten in Augsburg ermittle die Kriminalpolizei intensiv, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Fachleute der Kripo haben an beiden Tatorten nach Spuren gesucht. Auch Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts waren vor Ort. In manchen Fällen ist es in der Vergangenheit gelungen, Täter aufgrund von DNA-Spuren zu überführen und ihnen teils auch mehrere Taten nachzuweisen. Wie es den Tätern in Augsburg gelungen ist, erfolgreich zu verschwinden, ist unklar. Die Polizei hat in der Nacht zum Donnerstag auch einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera eingesetzt – allerdings ohne Erfolg.

Vor einer Woche ist auch in Dachau bereits ein Geldautomat gesprengt worden. Die Täter konnten auch hier rechtzeitig entkommen. Ein Spaziergänger hatte später die Gasflaschen, welche die Täter benutzt haben, im Uferbereich eines Sees gefunden. Ob dieser Fall etwas mit den Augsburger Attacken auf Automaten zu tun hat, wird nun ebenfalls geprüft.

Hinweistelefon: Die Kripo Augsburg ist erreichbar unter 0821/323-3810.

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