Newsticker
FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae: "Konzeptlose Öffnungen werden vor Gericht kaum Bestand haben"
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. „Momo“ ist im Waldkindergarten zuhause

Augsburg

03.01.2019

„Momo“ ist im Waldkindergarten zuhause

Michael Endes „Momo“ inspirierte Konrad Geldhauser zu seinem Kunstwerk auf vier Rädern.
2 Bilder
Michael Endes „Momo“ inspirierte Konrad Geldhauser zu seinem Kunstwerk auf vier Rädern.

Der Künstler Konrad Geldhauser hat einen Bauwagen nach Motiven von Michael Endes berühmter Romanfigur gestaltet. Wie es zu der Zusammenarbeit mit der Einrichtung in Haunstetten kam.

Wer den Feldweg zwischen dem Klinikum Augsburg Süd und dem Wald beim Wasserschutzgebiet in Haunstetten entlang spaziert, traut seinen Augen kaum. Surreal wie eine Geschichte von Michael Ende mutet der Anblick an: ein Bauwagen aus Holz, so liebevoll mit Motiven aus dem Roman „Momo“ verziert, dass man sich wie in eine märchenhaften Szene aus dem Buch katapultiert fühlt. Wer genauer hinschaut, erkennt neben der Hauptfigur Momo im handgeschnitzten Halbrelief auch Details wie die Schildkröte Kassiopeia, den Besen des Straßenkehrers Beppo und die zeitfressenden grauen Männer nebst ihren Melonenhüten und Aktentaschen. Noch faszinierender als auf erwachsene Passanten dürfte dieser künstlerische Bauwagen auf die Zielgruppe wirken, für die er gebaut wurde: die Kinder des Waldkindergartens „Fuchsbau“.

Was heute als Kunstwerk auf Rädern am Waldrand steht, begann ganz pragmatisch: Einer der beiden Bauwagen des Kindergartens war in die Jahre gekommen und musste ersetzt werden. Christa Rupp, Gründerin des Fuchsbaus, wollte hierfür keine Massenware, sondern ein eigens gebautes Unikat, welches die Werte des Kindergartens spiegeln sollte. Auf der Suche nach einem kleinen Betrieb, der ökologisch und regional arbeitet, wurde sie auf Konrad Geldhauser aufmerksam. Der gelernte Tischler aus Friedberg arbeitet seit über 20 Jahren als freischaffender Künstler. Sein Steckenpferd: individuelle hölzerne Gebrauchskunst für private und gewerbliche Projekte. Diese entstehen im Atelier in Merching. In einem Gewerbegebiet, denn „da stört es niemanden wenn man nachtaktiv ist“, so Geldhauser. Nicht mal, wenn man am Wochenende kunstfertig mit der Motorsäge dröhnt und Holzbearbeitungsmaschinen nonstop rumoren. Die Werke des Holz-Fans stehen in Augsburg (beispielsweise die handgeschnitzten Theken im Barfly) ebenso wie in Rosenheim und in Madrid. Und jetzt eben auch vor dem Wald in Haunstetten.

Je öfter man Momo liest, umso mehr Details entdeckt man

Konrad Geldhauser wollte vor Baubeginn von der Kindergarten-Leiterin wissen: „Welches Kinderbuch drückt deine Arbeit aus?“ Christa Rupp musste nicht lange nachdenken: Michael Endes „Momo“. Deshalb las „Konni“ Geldhauser im ersten Schritt das Buch, dessen Geschichte er bisher nur aus der Verfilmung kannte. „Je öfter man es liest, desto mehr Details entdeckt man“, erzählt er. Besonders gefiel ihm der Aspekt, dass Momo eine gute Zuhörerin sei. „In unserer heutigen schnelllebigen Zeit könnten das nur noch die wenigsten“, findet Geldhauser.

Drei Monate lang arbeitete er in Sechs-Tage-Wochen an dem Projekt. Basis war ein Holzständerbau aus Fichte, dazu kam Holzwolldämmung an Wänden, Decken und Boden sowie eine Verschalung aus Lärche. Dass am Ende statt eines Bauwagens in Einzelanfertigung gleich ein begehbares Kunstobjekt mit bildhauerischen Elementen entstehen würde, war am Anfang weder der Auftraggeberin noch dem Künstler selbst klar. „Die Geschichte inspirierte mich“, erklärt Geldhauser. Das Ergebnis begeistert die Kinder ebenso wie die Leiterin des Fuchsbaus: „Konni hat den Grundgedanken auf den Punkt gebracht“, sagt Rupp. „Die Kinder betreten den Raum und die äußere Zeit bleibt stehen, während das Kind in der eigenen inneren Zeit bleibt.“ Das komplett ökologische Konzept des Waldkindergartens zeige sich auch konsequent in dem Wagen.

Bauwagen sind Materialort für die Kinder

Die Idee der Waldkindergärten entstand in den 50er Jahren in Skandinavien und kam über Norddeutschland in den Neunziger Jahren auch in den Süden. Größtes Unterscheidungsmerkmal gegenüber einem klassischen Kindergarten ist die Verbundenheit mit der Natur. Das bedeutet auch: Die Bauwagen sind nicht die „Klassenzimmer“ der Kinder, sondern in erster Linie Materialort. Den größten Teil des Tages verbringen die Kids im Freien. Deshalb stellen sich manche Eltern die Frage, ob es den Kindern im Winter nicht kalt wird. „Keine Angst vor der Kälte“, erklärt Christa Rupp dann geduldig, „Kleidung und Bewegung“ sind die Lösung. Über mangelnde Nachfrage muss sich die Leiterin des Fuchsbaus ohnehin nicht beklagen. Ganz im Gegenteil: „Wir haben eine lange Warteliste“, verrät Rupp. Den Fuchsbau gründete sie als sie für ihre damals zweijährige Tochter vergeblich nach einem Waldkindergarten in Augsburg suchte. Eine gute Nachricht für Eltern, denen es ähnlich geht: „Durch den größeren Bauwagen können wir uns um fünf zusätzliche Plätze erweitern“, erklärt Christa Rupp. Die Liebe zur Natur und die Interaktion damit fördert die kindliche Entwicklung, ist die Leiterin des Fuchsbaus überzeugt. „Kinder, die einen Waldkindergarten besuchen, fallen später in der Schule positiv auf“, so Rupp. „Sie haben eine extrem hohe Konzentrationsfähigkeit, können gut und aktiv mitarbeiten, ruhig sitzen und gut zuhören“, sagt Christa Rupp. Ganz wie Momo.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren