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Prozess in Augsburg

27.06.2017

Mord aus Eifersucht? 32-Jähriger gibt Verbrechen an Freundin zu

Der Angeklagte wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.
Bild: Peter Fastl

Ein wegen Mordes angeklagter Mann hat vor dem Landgericht Augsburg gestanden, seine Freundin gefoltert und erschlagen zu haben. War es krankhafte Eifersucht?

Der Angeklagte sagt, seine Freundin sei eine Prostituierte gewesen, süchtig nach Sex. Er ist noch immer überzeugt davon, dass sie ihn mit anderen Männern betrogen hat. Piotr S., 32, hat seine Freundin deshalb umgebracht. Er hat sie gefoltert und zu Tode geprügelt. Während er Marlena P., 33, schlug, so erzählte er es den Mordermittlern der Kripo, habe er sie wiederholt nach dem Namen ihres Liebhabers gefragt. Doch sie sagte den Namen nicht. Vor Gericht wird klar: Sie konnte gar keinen Namen nennen. Denn nach allem, was den Ermittlern bekannt ist, hatte die Frau gar keine Affäre.

War der Angeklagte "krankhaft eifersüchtig"?

Eine Freundin des Opfers sagt am Dienstag als Zeugin vor dem Ausburger Landgericht: "Sie war ihm treu, sie hat ihn über alles geliebt." Die Freundin sagt auch, Piotr S. sei "krankhaft eifersüchtig" gewesen. Der Angeklagte und das spätere Opfer lernen sich im vorigen Jahr über das Internet kennen. Sie stammen beide aus Polen. In Deutschland arbeiten sie dann zeitweise bei derselben Leiharbeitsfirma aus Bobingen. Piotr S. sagt, er sei in der Qualitätssicherung eines Fleischwarenherstellers im Kreis Landsberg eingesetzt gewesen. Beide wohnen in einer verwahrlosten Arbeiterunterkunft in Großaitingen. Hier erleidet Marlena P. am Nachmittag des 25. Oktober auch das tödliche Martyrium. Piotr S. rasiert ihr, zur Strafe für die vermeintliche Untreue, teils die Kopfhaare und schlägt sie massiv – unter anderem in den Genitalbereich und gegen den Kopf.

Erst rund drei Stunden später bringt Piotr S. seine Freundin in die Wertachklinik in Bobingen. Er legt die leblose Frau auf eine Trage, die vor einem Rettungswagen steht. Unter dem Vorwand, eine Zigarette rauchen zu wollen, verschwindet er. Das Personal der Klinik ist entsetzt. Marlena P. sieht aus wie ein Folteropfer. Ihr Gesicht ist stark angeschwollen, der Körper an vielen Stellen von Schlägen gezeichnet. Die Mediziner stellen fest, dass bei der schwer verletzten Frau bereits der Hirntod eingetreten ist. Sie können ihr Leben nicht mehr retten.

Noch in der Mordnacht kommt die Polizei Piotr S. auf die Spur

Maschinen halten den Körper von Marlena P. noch zwei Tage am Leben, dann werden die Geräte abgeschaltet. Piotr S. sitzt zu der Zeit schon unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Die Polizei kommt ihm noch in derselben Nacht auf die Spur und nimmt ihn in der Unterkunft in Großaitingen fest. Vor Gericht gibt Piotr S. zu, dass er seine Freundin verprügelt hat. Er sagt aber: "Ich habe nicht gewollt, dass sie stirbt". Der Angeklagte behauptet, das Opfer habe nach der Tat noch gelebt. Sie hätten zusammen geduscht und seine Freundin habe sogar noch Sex mit ihm gewollt. Er habe aber abgelehnt. Dann habe sie sich hingelegt, weil sie müde gewesen sei. Er sei es gewesen, der darauf gedrängt habe, ins Krankenhaus zu fahren, weil sie plötzlich aus Mund und Nase geblutet habe. Im Auto, auf der Fahrt in die Klinik, habe sie das Bewusstsein verloren. Die Ermittler nehmen ihm das aber nicht ab. Der Rechtsmediziner vertritt nach Informationen unserer Zeitung ebenfalls die Ansicht, dass das Opfer höchstwahrscheinlich direkt nach der Attacke bewusstlos war.

Der Angeklagte gibt an, dass er vor der Inhaftierung täglich Drogen nahm – Amphetamin, Chrystal, Marihuana. Deshalb erinnere er sich an alles nicht mehr genau. Rund zwei Wochen vor der Tat flog er auch aus der Arbeiterunterkunft, weil er im Drogenrausch einen Kollegen geschlagen haben soll. Er glaubte, der Mann habe eine Affäre mit seiner Freundin. Piotr S. und Marlena P. kamen vorübergehend bei einer Bekannten im selben Ort unter.

Schon zwei Tage vor der Tat soll der Angeklagte ausgerastet sein

Zwei Tage vor der Tat hat Piotr S. die Kleidung seiner Freundin zerrissen und ihr Handy zerstört. Eine Freundin des Opfers hat einige Sachen aufbewahrt.
Bild: Jörg Heinzle

Nun sitzt Piotr S. in Sträflingskleidung im Schwurgerichtsaal. Sein Gesichtsausdruck wirkt emotionslos. Teils macht er bei seiner Aussage auch einen verwirrten Eindruck. Er erzählt, dass er mit seinem Handy heimlich ein Gespräch aufgenommen habe, bei dem seine Freundin einer Bekannten von ihrer Affäre berichtete. Die Kripo hat nach der Verhaftung des Mannes sein Handy ausgewertet und eine Aufnahme gefunden – allerdings ist darauf außer Rauschen nichts zu hören. Wegen dieser Aufnahme soll er zwei Tage vor der Tat so ausgerastet sein, dass er auf seine Freundin losging, ihre Kleidung zerriss und ihr Handy zerstörte. Wegen des Streits rückte sogar die Polizei an.

Weitere Zeugen bestätigen, dass Piotr S. getrieben war von Eifersucht. Eine Kollegin von Marlena P. sagt, der Angeklagte habe sie sogar bei der Arbeit angerufen und ihr vorgeworfen, sie "treibe sich mit anderen Jungs herum". Es geht deshalb in dem mehrtägigen Mordprozess auch um die Frage, ob Piotr S. wegen einer wahnhaften Eifersucht vermindert schuldfähig sein könnte. Sein Verteidiger Klaus Rödl fragt immer wieder in diese Richtung nach. Sollte das Gericht ihn am Ende aber doch für schuldfähig halten und wegen Mordes verurteilen, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

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