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Prozess in Augsburg

27.11.2017

Tochter stirbt bei Unfall auf A8 - Eltern erhalten kein Schmerzensgeld

Die Unfallstelle an der Autobahn A8 nahe Dasing: Der Unfall hinterließ fast keine Spuren. Erst Stunden später fand ein Jogger den verunglückten Wagen mit der toten Fahrerin.
Bild: Jörg Heinzle (Archiv)

Eine Frau verunglückt nachts mit ihrem Wagen auf der A8. Nach ihrem Unfalltod fordern ihre Eltern Schmerzensgeld vom Freistaat. Das wurde heute vor Gericht abgelehnt.

Es gibt zwei Zeugen, die den Unfall auf der Autobahn A8 bei Dasing (Kreis Aichach-Friedberg) bemerken und schnell einen Notruf absetzen. Es ist Sonntag, der 26. Juli 2015, etwa eine Stunde nach Mitternacht. Die Autofahrer melden, dass ein Auto von der Fahrbahn verschwunden sei. Einer sagt, die Lichter das Wagens seien plötzlich weg gewesen. Die Zeugen haben sich nicht getäuscht. In jener Nacht verunglückt tatsächlich eine 24-jährige Frau. Doch sie wird von den alarmierten Polizisten und Rettungskräften nicht gefunden – und stirbt.

Mehr als zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall hat sich jetzt ein Richter des Landgerichts Augsburg mit der Frage beschäftigt, ob die Suche nach dem Unfallopfer korrekt abgelaufen ist. Die Eltern der getöteten jungen Frau sind der Ansicht, dass der Polizei damals Fehler unterlaufen sind. Sie hatten deshalb geklagt und vom Freistaat Bayern eine Entschädigung von rund 25.000 Euro gefordert. Die Klage wurde jetzt allerdings abgewiesen. Richter Christoph Kern sagte, er könne kein Fehlverhalten der beteiligten Polizisten und Retter erkennen. Der Ablauf des Unfalls sei so „atypisch“ gewesen, dass man niemandem einen Vorwurf machen könne, die Frau nicht gefunden zu haben.

Ein Jogger entdeckte das verunglückte Auto

Oder anders formuliert: Es kamen in jener Nacht eine ganze Reihe von unglücklichen Umständen zusammen, die dafür sorgten, dass die Unfallstelle erst am folgenden Tag entdeckt wurde, von einem Jogger. Das Auto, ein Audi Q 3, war ausgerechnet so von der Fahrbahn abgekommen, dass er fast keine Spuren hinterließ. Der Ablauf des Unfalls ist von einem Gutachter untersucht worden. Demnach kam das Auto an einer Stelle ohne Leitplanke rechts von der Autobahn ab. Der Wagen fuhr noch rund 200 Meter die Böschung entlang. Parallel zur Autobahn, genau zwischen der Leitplanke und dem Wildschutzzaun. Dann kommt eine Senke, weil ein Feldweg unter der A 8 hindurch führt. Dort, wo die Senke beginnt, hob das Auto ab. Es flog über den Wildschutzzaun, ohne ihn zu beschädigen, und über den Feldweg. Dann krachte der Wagen gegen die wieder ansteigende Böschung. Am anderen Tag konnte man neben der Autobahn eine Spur im platt gedrückten Gras erahnen. Doch in der Dunkelheit war das nicht zu sehen.

Warum der Wagen verunglückte, lässt sich nicht mehr klären. Die junge Frau erlitt durch den Aufprall schwere Brüche im Beckenbereich. Sie verlor viel Blut und erstickte durch das Einatmen des Blutes. Ein Rechtsmediziner hält es für möglich, dass sie noch eine Stunde am Leben war. Und dass die Verletzungen auch nicht zwingend tödlich gewesen wären, wenn man sie schnell gefunden und behandelt hätte.

Für Richter Christoph Kern stand aber schnell fest: Die beiden Streifenbeamten der Autobahnpolizei, die nach dem Notruf zur vermeintlichen Unfallstelle gerufen wurden, haben aus seiner Sicht richtig gehandelt. Sie trafen etwa dort, wo sie den Unfall vermuteten, auf ein Auto mit Anhänger. Es stand auf dem Standstreifen. Der Fahrer sagte zu den Polizisten, ihm sei wegen eines Defekts das Licht ausgegangen. Die Beamten vermuteten deshalb, den Grund für den Notruf schon entdeckt zu haben. Dennoch fuhren sie, zusammen mit einem Fahrzeug der Feuerwehr, die Strecke bis zu nächsten Ausfahrt langsam ab. Ein Beamte leuchtete währenddessen mit der Taschenlampe den Fahrbahnrand ab. Doch sie fanden nichts. Nach einer zweiten Fahrt brachen die Beamten die Suche ab.

Im Prozess ging es auch um die Frage, ob der Polizist, der einen der Notrufe in der Einsatzzentrale angenommen hat, richtig handelte, als er den Zeugen weiterfahren ließ und ihn nicht zum Warten verpflichtete. Der Richter erkennt aber auch hier keinen Fehler. „Es war davon auszugehen, dass man die Unfallstelle finden wird“, sagte Christoph Kern bei der Urteilsverkündung. Deshalb sei es richtig gewesen, den Zeugen nicht in der Dunkelheit auf dem Standstreifen warten zu lassen – und ihn damit nicht ebenfalls noch einer Gefahr auszusetzen. Auch die Augsburger Staatsanwaltschaft hatte den Fall untersucht. Die Ermittler sahen aber kein strafbares Verhalten bei den Beteiligten. 

Lesen Sie hier die Hintergründe zu dem Fall:

Tochter stirbt bei Unfall auf A8 - Eltern verklagen die Polizei 

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