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Tödlicher Unfall

14.06.2018

25 Jahre nach Lechfeld-Unglück: Ein Pilger blickt zurück

Johann Erdle ist einer der Erbauer des Bildstocks, der auf dem Foto zu sehen ist. Dort findet am 17. Juni auch der Gedenkgottesdienst zum 25. Jahrestag statt.
Bild: Carmen Janzen

Im Juni 1993 kommen vier Menschen bei einer Wallfahrt nach Andechs zwischen Langerringen und Untermeitingen ums Leben, mehr als 20 werden verletzt.

Ein betrunkener junger Mann rast mit seinem Auto in eine Wallfahrergruppe. Tragische Szenen spielen sich in jener Freitagnacht ab. Vier Menschen sterben, mehr als 20 werden verletzt. Dieser Unfall passierte vor 25 Jahren, im Juni 1993, auf der Verbindungsstraße zwischen Langerringen und Untermeitingen.

Der Autofahrer überfuhr die Hälfte der Wallfahrer

Johann Erdle aus Hiltenfingen organisiert damals die Fuß-Wallfahrt nach Andechs. „Wir wussten, dass wir durch die Nacht gehen müssen, und waren mit Warnwesten, Kellen und Beleuchtung gut abgesichert“, erzählt der heute 69 Jahre alte Mann. Dann sieht er die Scheinwerfer eines Autos und merkt, dass der Fahrer nicht ausweicht. Er schreit, um andere zu warnen. „Die Hälfte der Gruppe konnte zur Seite springen, über alle anderen ist das Auto drübergefahren. Ich sah die Leiber durch die Luft fliegen.“ Handys gab es noch nicht. Ein Wallfahrer läuft 800 Meter zurück nach Langerringen, um Hilfe zu holen. „Die Verletzten versorgten derweil die Schwerverletzten“, sagt Erdle. Ein Mann hält seine tote Ehefrau in den Armen. Ein Feuerwehrmann findet seine Ehefrau unter den Schwerverletzten.

Erdle steht unter Schock, bleibt aber körperlich unversehrt. Bis zum Schluss hilft er an der Unfallstelle. Er erlebt alles bewusst mit. In den kommenden Tagen besucht er die Verletzten in den Krankenhäusern und geht auf alle vier Beerdigungen. Doch es ist nichts mehr wie vorher. Der Unfall ist eine Zäsur. „Ich war wochenlang wie gelähmt. Ich hatte schlaflose Tage, Wochen und Monate“, sagt er. Er braucht psychologische Betreuung. Der einst so gesellige Mann gibt seine Ämter in den Vereinen auf, zieht sich zurück, organisiert zehn Jahre lang keine Wallfahrt mehr. „Ich hätte die Erinnerungen nicht verkraftet.“

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Noch immer macht die Wallfahrtgruppe ein Gedenk-Stopp am Bild-Stock

Doch er schafft es, wieder Mut zu fassen. Bereits ein Jahr nach dem Unfall erbaut er an der Unglücksstraße zusammen mit anderen einen Bildstock, der an die Opfer erinnert. Vor fünf Jahren, zum 20. Jahrestag, hat er ihn renoviert. Bis heute macht die Wallfahrtgruppe jedes Jahr einen Gedenk-Stopp am Bildstock. Dort findet auch der Gottesdienst am kommenden Sonntag zum 25. Jahrestag statt.

Sechs Jahre nach dem Unglück pilgert Erdle in die Schweiz. „Das hat mir viel Kraft gegeben.“ Der Lebensmut kehrt langsam zurück. Beten und pilgern, das hilft. Nach zehn Jahren schafft er es sogar, auf Wunsch von Pfarrer Danner, wieder die Andechs-Wallfahrt zu leiten. Seitdem wird wieder zu Fuß gepilgert. Bis dato wurde sie nur noch mit dem Bus durchgeführt. Doch die Bilder von damals, verfolgen Erdle noch immer: „Vergessen werde ich das nie. Das sind Wunden, die nicht heilen“, sagt er.

Zweieinhalb Jahre Gefängnis für den Unfallfahrer

Der Unfallfahrer wird im Dezember 1993 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. „Der junge Mann hat das damals sicher nicht mit Absicht getan. Aber es ist bitter. Er ist nach eineinhalb Jahren wegen guter Führung auf freien Fuß gekommen. Das Leid der Hinterbliebenen und Angehörigen sehe ich noch heute.“

Zum 25. Jahrestag findet am Sonntag, 17. Juni, ab 10 Uhr am Bildstock auf der Verbindungsstraße zwischen Untermeitingen und Langerringen statt.

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