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Nahversorgung

10.08.2020

Dorfläden: So wichtig sind die Nahversorger in der Coronakrise

Sie erlebten während des Lockdowns in der Coronakrise einen Run: Die Dorfläden möchten ihre Chance auch nach der Krise nutzen.
Bild: Ruth Ploessel (Archiv)

In der Coronakrise sind kleine Dorfläden wieder sehr beliebt. Viele der Nahversorger zeichnen sich durch regionale Produkte aus. Manche bieten noch einiges mehr.

Eier, Mehl und Milch vom Bauer nebenan. Obst, Gemüse und Fleisch - alles aus der Region und vieles sogar in Bio-Qualität. Genau das zeichnet Dorfläden aus. Neben großen Discountern und Massenproduktion bieten die Nahversorger eine willkommene Abwechslung. Doch auch eine mit Zukunft? Noch vor einigen Jahren wäre die Antwort wohl Nein gewesen. Doch mittlerweile erleben Dorfläden ihre Renaissance.

Run auf die Nahversorger: Coronavirus beeinflusst auch die Dorfläden

Der Dorfladen in Diedorf ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung. Der Laden eröffnete fast zeitgleich zum Start des Lockdowns. Das Geschäft sei gut angekommen, die Kunden kamen laut Geschäftsführerin Anja Dördelmann zahlreich. Ganz so verwunderlich sei das nicht, denn auch die großen Supermärkte verzeichneten einen Ansturm zum Beginn der Ausgangssperre. Auch die Dorfläden in Daiting (Kreis Donau-Ries) und Lützelburg (Kreis Augsburg) bestätigten eine große Nachfrage zum Beginn des Lockdowns.

Doch das Virus hatte auch negative Auswirkungen auf die Läden. Die Hygienekonzepte müssen auch dort umgesetzt werden. Der Mehraufwand stellte die kleinen Läden aber vor keine größeren Probleme. Schwieriger gestaltete sich die Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung. Diese ist sehr aufwändig für die Buchhaltung und Etikettierung. Inhaber der Dorfläden berichten, dass für sie dieser Aufwand schlichtweg zu groß ist, zumal die Senkung nur für ein halbes Jahr Bestand hat. In Diedorf wird die Senkung der Steuer deshalb nicht übernommen. Das überschüssige Geld soll am Jahresende an die Mitarbeiter ausbezahlt werden.

Die Mehrwertsteuererhöhung stellt für die Dorfläden einen erheblichen Aufwand dar.
Bild: studio v-zwoelf, stock.adobe.com

Dass der Ansturm nicht zum Dauerzustand würde, sei den Inhabern bewusst. Nachdem die Regeln immer weiter gelockert wurden, kehrte auch bei ihnen wieder der Normalzustand ein. Doch wie sieht der Normalzustand aus? Die Menschen möchten wohl wieder bewusster einkaufen. Regionale Waren und Bio-Produkte würden dabei ganz oben stehen. Auch bundesweite Recherchen haben gezeigt: Der Trend geht weg vom Discounter, hin zu kleinen Nahversorgern.

Dorfläden: Der richtige Standort ist der erste Schritt

Die Forschungsgruppe Standortentwicklung am Institut für Geographie an der Universität Augsburg hat in einer Studie verschiedene Erfolgsfaktoren herausgearbeitet, welche für kleine Nahversorger im ländlichen Raum entscheidend sind. Herauskristallisiert haben sich neben dem Standort noch der Service, das Ladenkonzept, das Angebot, die Vermarktung, sowie Kooperationen. Um langfristig auf dem Markt bestehen zu können, seien diese Aspekte enorm wichtig.

Die Studie analysierte dazu häufige Fehler, die für das Scheitern verantwortlich sein könnten. Unpassende Öffnungszeiten und der von vielen Inhabern unterschätzte Wert der Mundpropaganda sind nur zwei der häufigsten Fehlerquellen. Um diese Fehler zu vermeiden und den Erfolg zu sichern, gibt es für Inhaber zusätzlich eine Checkliste.

Multifunktionalität könnte ein Türöffner sein

Der Diedorfer Dorfladen schafft mit einem zusätzlichen Stehcafé direkt am Laden etwa einen Ort zum Verweilen - und erfüllt damit auch eine gewisse Treffpunktfunktion im Dorf. Diese beschreibt auch die Studie der Universität Augsburg als unabdingbar. Auch Dienstleistungsangebote wie Poststellen oder ein Lotto können sich positiv auf den Dorfladen und seine Kunden auswirken.

Für die Zukunft hofft Günter Lühning, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Dorfläden, dass aus den Corona-Neukunden auch Stammkunden werden: "Die Menschen müssen den Mehrwert einer intakten Nahversorgung zu schätzen wissen."

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