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Schweres Unwetter

27.05.2009

Eine Frau ertrinkt beinahe in Mering

Unwetter Mering
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In Mering und Umgebung verwüstete im Mai Hagelschlag Felder und Gärten, Sturzbäche ergossen sich über die Straßen, Keller liefen voll. Archivbild: Weizenegger

Die schweren Unwetter haben am Dienstag zu Chaos in der Region geführt. In Mering ertrank eine Frau beinahe in ihrem Keller.

Augsburg (AZ). Die schweren Unwetter haben am Dienstag zu Überschwemmungen, Bränden und Unfällen geführt. In Mering ertrank eine Frau beinahe in ihrem Keller. Sogar einem ehemaligen Ministerpräsidenten machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Die Region, die am Dienstag am stärksten betroffen war, muss auch am Tag darauf noch am längsten mit den Folgen des starken Unwetters leben. In Kissing und Mering, wo das Unwetter wohl am heftigsten wütete, stehen immer noch zahlreiche Keller unter Wasser und müssen augepumpt werden. Insgesamt standen allein 15 Keller bis zur Decke mit Wasser voll.

In Mering ertrank eine Frau beinahe in ihrem vollgelaufenen Keller und konnte sich nur knapp retten. Ebenfalls in Mering erlitt ein älterer Mann wegen der Aufregung einen Kreislaufkollaps und musste vom Notarzt mit einem Schlauchboot aus seinem Haus abtransportiert werden.

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Auch der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber wurde zum Leidtragenden des Unwetters. Stoiber war auf dem Weg zu einer Wahlkampveranstaltung in Friedberg. Auf der A8 in Richtung Augsburg machte ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung, so dass Stoiber rund eine Stunde später als geplant in Friedberg eintraf.

"Land unter" lautete die Devise m Dienstagabend auch imFriedberger Ortsteil Bachern. Der Eisbach trat über die Ufer und zudemprasselten Hagelkörner vom Himmel mit dem Durchmesser von Euro-Münzen.

Insgesamt ist Augsburg zwar mit einem "blauen Auge davon gekommen" - dennoch sollten auch Bewohner der Stadt derzeit noch mit Vorsicht ins Freie gehen. Von Touren durch die Augsburger Wälder rät die Feuerwehr ab - lose herabhängende Baumteile oder Äste könnten Fußgängern und Fahrradfahrern gefährlich werden. Erst im Laufe des Tages dürften alle Holzteile beseitigt sein.

Wie die Augsburger Feuerwehr berichtet, gingen allein in einer halben Stunde 800 Notrufe ein, insgesamt waren es über 1000. Am Dienstagabend seien sämtliche 200 Mitglieder der Augsburger Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr alarmiert gewesen. Auch die Polizei erreichten innerhalb von zwei Stunden über 200 Notrufe in der integrierten Einsatzleitstelle. Dabei waren die Beamten auf das Unwetter eingestellt und hatten das Personal in der Leitstelle verstärkt.

In Hauzenberg (Kreis Passau) wurde am späten Abend ein 26-jähriger Quadfahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Mann war mit seiner vierrädrigen Maschine an einem Waldstück entlanggefahren, sagte ein Polizeisprecher. Er erlitt tödliche Kopfverletzungen und starb noch am Unfallort. Ein Bekannter des Mannes hatte den 26- Jährigen unter dem Baum liegend entdeckt.

In mehreren Landkreisen Bayerns stürzten Bäume um und blockierten Straßen. Außerdem knickten Strommasten um, Keller und Unterführungen liefen voll Wasser. Die Rettungskräfte rückten zu hunderten Einsätzen aus.

Auch der Bahnverkehr war betroffen. Nach Angaben eines Bahnsprechers waren einige Strecken im Allgäu und rund um München durch Bäume blockiert. Blitze beschädigten zudem teilweise Stellwerke und Signale. Aus diesem Grund komme es auch am Mittwoch noch zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen im Regional- und S- Bahnverkehr, so die Bahn.

Beim Versuch, ein Dach wieder einzudecken, fiel in Perlesreut (Landkreis Freyung-Grafenau) ein 53-jähriger Landwirt herunter und verletzte sich schwer. Im niederbayerischen Hunderdorf (Landkreis Straubing-Bogen) geriet eine ehemalige Schreinerei in Brand. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, teilte die Polizei in Straubing mit. Brandursache war vermutlich ein Blitzschlag. Der Sachschaden wird auf 250.000 Euro geschätzt.

Bei einem Brand einer landwirtschaftlichen Halle in Landau an der Isar (Landkreis Dingolfing-Landau) entstand ein Sachschaden von 100.000 Euro. In dem Gebäude waren 10 Fahrzeuge abgestellt. Menschen wurden nicht verletzt.

In München war vorübergehend der Flugverkehr lahmgelegt. Viele Flugzeuge, die landen wollten, mussten Warteschleifen drehen. 14 Flüge wurden ganz gestrichen. Nach einer knappen Stunde konnten die Maschinen gegen 19.25 Uhr wieder starten und landen.

Auf überschwemmten Fahrbahnen gerieten Autofahrer ins Rutschen. Auf den Autobahnen A 7, A 8 und A 9 rissen die Sturmböen Lkw-Anhänger um. Äste, Buschwerk und umgestürzte Bäume behinderten den Verkehr.

Hagelschicht stoppt Verkehr auf der A8

Die Autobahn A8 musste bei Odelzhausen gegen 19 Uhr wegen Überflutung komplett gesperrt werden, nur in Richtung München war noch eine Fahrspur frei. Erst mit einem Radlader konnte die bis zu 50 Zentimeter dicke Schicht von Hagelkörnern, Schlamm und Geröll beräumt werden, ein Schneepflug war daran zuvor gescheitert. Erst gegen Mitternacht löste sich der kilometerlange Stau wieder auf.

Der Wetterdienst Meteomedia meldete orkanartige Böen von bis zu 140 Stundenkilometern etwa im Bereich Landsberg am Lech. Im oberbayerischen Altenstadt im Landkreis Weilheim-Schongau wurde eine Frau schwer verletzt, als ein Ast auf ihr Auto stürzte. Im Landkreis Eichstätt fuhr ein Auto in einen entwurzelten Baum. Bei Senden im Kreis Neu-Ulm knickte die Spitze eines Maibaumes ab und fiel auf ein vorbeifahrendes Auto.

Bei Pittenhart (Landkreis Traunstein) schlug ein Blitz in das Dach eines Bauernhauses ein. Der Besitzer konnte den Brand selbst löschen. Im Kreis Altötting deckte eine Sturmböe ein zehn Quadratmeter großes Dach in Burghausen ab, außerdem wurde ein Baustellenzaun auf die Fahrbahn geweht. Eine abgerissene Telefonleitung wurde im Kreis Mühldorf gemeldet.

Im Stadtgebiet von München blieb es vergleichsweise ruhig. Die Polizei registrierte von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr nur zehn Einsätze, die Feuerwehr rückte 50 Mal aus.

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