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Polizei in Bayern

21.09.2020

Polizeischüler erzählen: Warum wollen junge Leute noch zur Polizei?

Polizist zu werden ist für viele ein Kindheitstraum. Doch sind Polizisten heute immer häufiger Gewalt ausgesetzt - aber auch der Kritik an ihrem Handeln.
Bild: Adrian Bauer (Archiv)

Plus Polizist zu werden, das ist ein Kindheitstraum. Vor der Gewalt, mit der sie als Polizisten später zu tun bekommen, haben Polizeischüler Respekt. Sie wissen aber: Das gehört dazu.

Die Arbeit der Polizei rückt mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Auf der einen Seite kam es in den vergangenen Monaten bundesweit zu Ausschreitungen, Beamte wurden angepöbelt, bespuckt und verletzt. Im Internet werden Videos von Polizisten veröffentlicht, die von Passanten und Demonstranten bei ihrer Arbeit gefilmt werden. Und ähnlich wie Feuerwehrkräfte und Sanitätern werden auch Polizeibeamte immer häufiger von Schaulustigen bei ihren Einsätzen bedrängt und gestört.

Auf der anderen Seite wird in diesen Tagen – vor allem nach der Rassismus-Debatte, die aus den USA nach Deutschland schwappte – viel diskutiert, ob auch die deutsche Polizei ein Problem mit Rechtsextremismus hat. Zuletzt wurden in Nordrhein-Westfalen 29 Beamte wegen einer Chatgruppe voller rechtsextremer Nachrichten suspendiert. Wir wollen wissen, was solche Nachrichten mit jungen Menschen machen und warum sie heute noch zur Polizei gehen. Dafür haben wir mit sechs Polizeischülern der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn gesprochen.

Franziska Stein ist 20 Jahre alt, stammt aus Augsburg und ist Polizeischülerin im ersten Ausbildungsabschnitt.
Bild: Anika Zidar

Franziska Stein, 20, aus Augsburg, erster Ausbildungsabschnitt

Schon als Kind habe ich zu Polizisten aufgeblickt und mich immer sicher gefühlt, wenn sie in der Nähe waren. Sie haben eine Vorbildfunktion, aus diesem Grund habe ich mich für die Polizeilaufbahn entschieden. In meinem Bekanntenkreis haben meinen Entschluss aber nicht alle gut gefunden, mit einer Freundin habe ich deshalb gar keinen Kontakt mehr. Ich selbst stehe noch ganz am Anfang meiner Ausbildung, deshalb trage ich auch noch keine Uniform. Jetzt lerne ich erst mal viel Theorie.

Angst habe ich keine, aber schon ein bisschen Respekt – vor allem vor der Selbstverteidigung und dem Umgang mit der Waffe. Ich bin auch schon gespannt auf die beiden Praktika, die nach dem ersten Ausbildungsabschnitt folgen. Da habe ich im Streifendienst zum ersten Mal den Kontakt zum Bürger. Dieses negative Bild, das manche Menschen von der Polizei haben, kommt meiner Meinung nach von den Videos, die im Internet verbreitet werden. Heutzutage kann man alles filmen und diese Clips so zuschneiden, dass man nur das Negative sieht. Die Leute müssten sich viel besser informieren, das könnte schon viel bringen.

Luca Thumfart, 20, kommt aus Kempten. Er ist Polizeischüler im zweiten Ausbildungsabschnitt.
Bild: Anika Zidar

Luca Thumfart, 20, aus Kempten, zweiter Ausbildungsabschnitt

Ich bin jetzt Polizeimeisteranwärter, deshalb habe ich noch keinen Stern auf meinen Schulterklappen. Polizist werden war schon immer mein Traum, schon als Kind. Ich bin damit aufgewachsen. Mein Vater ist auch Polizist und mein Vorbild.

Der Polizeiberuf ist für viele Menschen nach wie vor ein sicherer, attraktiver und abwechslungsreicher Beruf. Auch wenn ich noch am Anfang stehe, weiß ich jetzt schon, dass sich die Entscheidung gelohnt hat. Ich denke Bodycams könnten in der Zukunft auf jeden Fall helfen, umstrittene Fälle aufzuklären.

Melanie Schmid, 30 Jahre alt, kommt aus Augsburg und ist Polizeischülerin im vierten Ausbildungsabschnitt.
Bild: Anika Zidar

Melanie Schmid, 30, aus Augsburg, im vierten Ausbildungsabschnitt

Für mich war es kein Kindheitstraum, ich wollte eigentlich Tierärztin werden. Bevor ich zur Polizei gegangen bin, habe ich zehn Jahre bei einer Krankenkasse gearbeitet. Dann habe ich aber gemerkt, dass Büroarbeit nicht meins ist. Ich will den Kontakt zu Menschen haben.

Grundsätzlich sind wir in jedem Einsatz gefordert, auch schon im Praktikum. Aber da ist natürlich alles neu und man muss viel dazulernen. Man geht aber natürlich in jeden Einsatz mit Vorsicht. Schließlich kann jederzeit etwas passieren.

 

Anna Huberle kommt aus dem Oberallgäu. Die 21-Jährige ist Polizeischülerin im vierten Ausbildungsabschnitt.
Bild: Anika Zidar

Anna Huberle, 21, aus dem Oberallgäu, im vierten Ausbildungsabschnitt

Bei mir war der Polizeiberuf auch kein Kindheitstraum, die Idee dazu hatte ich zum ersten Mal in der zehnten Klasse. Bis heute habe ich es nicht bereut. Es ist nicht so, dass ich Angst habe, in brenzlige Situationen zu kommen. Denn das gehört zu dem Beruf einfach dazu, dass man auch mal mit Gewalt zu tun hat. Man weiß einfach, dass man während der Ausbildung gut vorbereitet wird.

Es gibt natürlich auch Schattenseiten des Berufs, zum Beispiel wenn jemand verletzt wird oder wenn man mit dem Tod konfrontiert wird. Genauso gibt es schöne Einsätze, wo man den Kontakt zum Bürger hat und das Gefühl bekommt, man hat jemandem geholfen, der dankbar für die eigene Arbeit ist.

Simon Nolte aus Regensburg ist Polizeischüler im letzten Ausbildungsabschnitt. Der 22-Jährige würde künftig gern als Polizist in seiner Heimat eingesetzt werden.
Bild: Anika Zidar

 

Simon Nolte, 22, aus Regensburg, im letzten Ausbildungsabschnitt

Polizist zu werden war für mich kein Kindheitstraum, nach dem Abitur habe ich drei Semester Jura studiert. Ich kenne aber ein paar Polizisten, die von der Ausbildung geschwärmt haben – und so bin ich dazu gekommen. Es ist einfach ein krisensicherer Job und ein sehr abwechslungsreicher Beruf.

Das haben wir auch in den Praktika gesehen, da waren wir fast sechs Monate draußen im Streifendienst. Da erlebt man natürlich auch brenzlige Situationen. Aber ich war nie an dem Punkt, an dem ich meine Berufswahl infrage gestellt habe. In zwei Monaten haben wir unsere Abschlussprüfungen, im Februar werden wir dann fertig.

Laura Gallwitzer stammt aus Ansbach und ist Polizeischülerin im letzten Abschnitt. Die 24-Jährige möchte einmal gern zur Hundestaffel.
Bild: Anika Zidar

 

 

Laura Gallwitzer, 24, aus Ansbach, im letzten Ausbildungsabschnitt

Bei war es tatsächlich ein Kindheitstraum, mein Vater war schon bei der Polizei. Es ist ein vielseitiger Beruf mit vielen Möglichkeiten und Bereiche, wo man sich spezialisieren kann. Wenn ich im Fernsehen oder Internet Bilder von Kollegen sehe, die verletzt und angepöbelt werden, ist das natürlich abschreckend.

Das sollte aber kein Grund dafür sein, ein schlechtes Gefühl bei der Arbeit zu haben. Das ist nicht der Regelfall. Später würde ich gerne zur Hundestaffel gehen.

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