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Tirol

25.06.2019

Warum jetzt auch am Fernpass Fahrverbote drohen

Der Fernpass in Tirol ist gerade in der Ferienzeit und an Wochenenden eine stark befahrene Transitroute. Bei Stau weichen viele Autofahrer in umliegende Ortschaften aus. Das könnte schon bald ein Ende haben.
Bild: Martina Diemand

Plus Das Land Tirol erwägt weitere Sperrungen von Landstraßen für Urlauber. Der Fernpass selbst soll nicht betroffen sein. Dafür aber Orte in unmittelbarer Nähe.

Da standen am Wochenende mehr als 1000 Autofahrer an Autobahn-Ausfahrten rund um Innsbruck und verstanden die Welt nicht mehr. Bis ihnen freundliche, aber sehr bestimmte österreichische Polizeibeamte erklärten, dass von nun an samstags und sonntags diese oder jene Landstraße gesperrt ist – zumindest für Fernreisende, die die Autobahn zum Beispiel wegen eines Staus umfahren wollen, und zumindest bis zum 14. September. Das trifft auch viele bayerische Urlauber, entsprechend ging die Staatsregierung in München auf die Barrikaden bis hin zur Ankündigung des CSU-Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer, vor dem Europäischen Gerichtshof klagen zu wollen.

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Noch am selben Wochenende legte Tirols Landeshauptmann Günther Platter nach und drohte damit, die Fahrverbote auf die Bezirke Kufstein und Reutte auszuweiten. Noch liegt dafür keine konkrete Anordnung vor. Aber unsere Redaktion erfuhr, welches Gebiet betroffen sein könnte. Das ist insofern interessant, als von Sperrungen alle diejenigen betroffen sein würden, die durchs Allgäu über die A7 und den Grenzübergang Füssen/Reutte Richtung Italien fahren.

Gemeinden haben immer häufiger mit Ausweichverkehr zu kämpfen

Auf Anfrage unserer Redaktion sagt Bernhard Knapp, Leiter des Bereichs Verkehrsrecht in der Tiroler Landesregierung, dass über Fahrverbote auch für den Großraum Reutte und das Außerfern nachgedacht werde. Dabei gehe es aber nicht um eine teilweise Sperrung der B179, also der Fernpassstraße. Aber mehrere Gemeinden in der Nähe dieser in der Ferienzeit und an Wochenenden stark frequentierten Transitroute hätten immer häufiger mit massivem Ableitungsverkehr zu kämpfen.

Am größten sei das Problem in der Marktgemeinde Reutte mit ihren knapp 7000 Einwohnern. Aber auch Ehrwald und Biberwier sowie Lermoos seien betroffen. Teilweise komme in den betroffenen Gemeinden das öffentliche Leben zum Erliegen. Darunter leide in erster Linie die dortige Bevölkerung, sagt Knapp. Appelle an Reisende, die B179 im Falle eines Staus nicht zu verlassen, verhallten meist ungehört. Ist beispielsweise der Lermooser Tunnel auf der Fernpassroute dicht, wählen ortskundige Autofahrer die Ausweichroute über Biberwier, Ehrwald und Lermoos, die mitten durch die Ortschaften führt.

Die ins Auge gefassten „temporären Sperrungen“ seien der ausdrückliche Wunsch der betroffenen Bürgermeister, sagt Verkehrsrechtler Knapp. Es gehe nicht um Schikanen, sondern um die Anliegen der in diesen Orten wohnenden Bevölkerung. Nach Angaben Knapps prüfen derzeit Verkehrsexperten, wo und wann zeitweilige Sperrungen im Außerfern sinnvoll sein könnten. Dafür würden auch die Daten von Verkehrszählungen ausgewertet. Eine Entscheidung, ob und wann gesperrt wird, müsse nun Landeshauptmann Platter treffen.

Ein Experte sagt: Es wird Zeit, dass sich das EU-Gericht damit beschäftigt

Die Fahrverbote rund um Innsbruck werden auch am kommenden Wochenende wieder gelten. Alexander Eisenkopf hält sie „für einen klaren Verstoß gegen die Regeln des Binnenmarkts“. Eisenkopf lehrt an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen Wirtschafts- und Verkehrspolitik. Er sagt: „Es wird langsam Zeit, dass der Europäische Gerichtshof sich dem annimmt.“ Zudem warnt er Deutschland davor, mit ähnlichen Verboten wie Tirol zu reagieren: „Das wäre entgegen jeder Vernunft und jeder Idee, die wir mit Europa verbinden. Damit bringen wir uns auf eine vorsintflutliche Ebene der Auseinandersetzung.“

So umfangreich die Verkehrskonflikte zwischen Bayern und Österreich derzeit sind: In einem Punkt sind sie sich wieder nähergekommen. Die geplante dritte Grenzkontrollspur an der A8 bei Bad Reichenhall soll nun schon ab Montag gebaut werden und bis Ende Juli vollendet sein. Dort kommt es wegen der Kontrollen der deutschen Bundespolizei regelmäßig zu massiven Staus. Der Beginn der Arbeiten hatte sich verzögert, weshalb die Salzburger Landesregierung damit gedroht hatte, den Verkehr zur Entlastung eigener Kommunen über Landstraßen in Bayern umzuleiten.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.06.2019

Biberwier, Ehrwald und Lermoos, diese Orte sollten dann auch alle Wintersportler meiden. Wäre interessant wie sich dann die oesterreicher verhalten.

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26.06.2019

Die B10/B28 durch Ulm wäre so ein Beispiel. Da sollte man die A8/A7 nehmen, macht aber keiner...

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25.06.2019

Gibt es nicht auch in Bayern etliche wilde "Stau-Umgehungs-Routen" , die -dem österreichischen Beispiel folgend- gesperrt werden sollten ? Warum ist Bayern hier so zögerlich ?

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