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Landkreis Dillingen

16.07.2019

Warum schnelles Internet auf dem Land nicht alles ist

Der Netzausbau allein genügt nicht. Für die FDP-Bundestagsabgeordneten (von links) Thomas Sattelberger, Andrew Ullmann und Katja Hessel sind auch auf dem Land mehr Innovationen und digitale Geschäftsmodelle notwendig. Sie diskutierten auf Einladung des Kreisvorsitzenden Alois Jäger (rechts) in Dillingen.
Bild: Gusbeth

FDP-Bundestagsabgeordnete, darunter ein Ex-Telekom-Vorstand, plädieren bei einer Veranstaltung in Dillingen für Innovationen, Ideen und digitale Geschäftsmodelle.

Passender hätte der Zeitpunkt nicht sein können. Am Mittwoch erhielten die Rathauschefs von Dillingen und Lauingen jeweils fast 1,2 Millionen Euro für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in ihren Kommunen. Und auch Buttenwiesen wurde in München von Finanzminister Füracker mit fast 240.000 Euro berücksichtigt. Am Donnerstag diskutierten die drei FDP-Bundestagsabgeordneten Katja Hessel, Thomas Sattelberger und Andrew Ullmann in Dillingen zu eben jenem Thema Digitalisierung. Und doch ging es dabei um mehr.

Das Glasfasernetz sei nur die Basis

Denn selbst ein flächendeckendes hochbitratiges Glasfasernetz allein eröffnet auch dem ländlichen Raum noch keine Chancen. Es sei zwar die Basis. Aber was es brauche, um Digitalisierung auch auf dem Lande zum Leben zu erwecken, seien Innovationen und neue Geschäftsideen, so die liberalen Bundestagsabgeordneten unisono. Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger glaubt, eine dieser Innovationen bei Grünbeck in Höchstädt gefunden zu haben. Um die "Diagnostik von Wasser" sei es am Nachmittag bei einer Diskussion mit der Geschäftsführung dort gegangen. Warum sollten Bürger nicht per App die Qualität ihres Trinkwassers bei Grünbeck testen lassen können?

Durch Digitalisierung im Gesundheitswesen Bürokratie abbauen

Für Andrew Ullmann könnte durch Digitalisierung im Gesundheitswesen Bürokratie abgebaut und zum Beispiel „wiederholte Befundung“ reduziert werden. Digitale Patientenakten, eine Hausarzt-App, elektronische Impfausweise und Telemedizin könnten neue Chancen auch auf dem Land eröffnen (Lesen Sie dazu: Dillingen: Warum der Zeitdruck bei den Hausärzten zunimmt). Der Professor für Infektiologie an der Uni Würzburg hatte sich am Nachmittag über die Situation am Dillinger Krankenhaus St. Elisabeth informiert. Ihre Kritik an der "planlosen" Digitalisierungspolitik der deutschen Bundesregierung verknüpfte Katja Hessel, Mitglied im Finanzausschuss des Bundestages, mit einem Beispiel "ausgerechnet" aus Italien. Dort führten die Steuerbehörden im Januar die elektronische Rechnung ein. Durch diese elektronische Rechnung hätten die Finanzbehörden bis Mai 1,8 Milliarden Euro mehr an Steuern eingenommen als im Vorjahr. Und das bei nachlassendem Wachstum.

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"Größte Sorge" bereitet Thomas Sattelberger die Bildungspolitik. Der "Digitalpakt Schulen" komme viel zu spät, 16 Bundesländer seien sich uneins bei der Umsetzung und der Lehrerausbildung, es fehle massiv an Informatikern, Mathematikern, allen MINT-Fächern. Deshalb sei es kein Wunder, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung in der Weltrangliste nur unter ferner liefen rangiere. Die enorme Lücke an Fachkräften sei künftig nur durch "qualifizierte Zuwanderung" zu schließen. Wichtig war den wirtschaftsliberalen Abgeordneten auch die Förderung der Gründerszene. Um zum Beispiel digitale Gründer (Start-ups) aufs Land zu holen und vor allem auch dort zu halten, müssten von der Politik attraktivere Standortbedingungen geschaffen werden.

Einzelhändler im Kreis Dillingen sollen gegen Amazon bestehen können

Zwar sei der Ausbau der Infrastrukturen ein wichtiger Impuls, aber: "Das Netz an sich ist nicht wichtig", sagt Sattelberger. Was es brauche, seien Innovationen, Ideen, digitale Geschäftsmodelle, Prozessoptimierung. Der kleine Einzelhändler müsse sich Giganten wie Amazon erwehren können. Digitale Plattformen, Direktvermarktung übers Internet seien eine Chance gerade für mittelständische Unternehmen.

Auch wenn die Schlagworte "Künstliche Intelligenz" oder "Autonomes Fahren", "smart home" oder "smart cities" in den Statements der Abgeordneten eine Rolle spielten. In der anschließenden Diskussion kamen insbesondere die Themen Funklöcher, Glasfaserausbau und fehlende lückenlose Netzabdeckung zur Sprache. Die hatten Katja Hessel, Thomas Sattelberger und Andrew Ullmann bei ihrer Bahnfahrt von München nach Dillingen am eigenen Leibe erlebt. Immer wieder sei es dabei zu Abbrüchen der Mobilfunknetze gekommen. Die liberalen MdBs waren im Rahmen ihrer "Sommer-Tour" auf Einladung von FDP-Kreisvorsitzendem Alois Jäger in den Landkreis gekommen.

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