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Landkreis Dillingen

28.01.2021

Wer jetzt Eis im Landkreis Dillingen betritt, begibt sich in Lebensgefahr

Beide Einsatzkräfte der Wasserwacht sind mit einer Leine gesichert, als sie erkunden, wie sich das Eis verhält, wenn sie darauf unterwegs sind. Und wenn sie eingebrochen sind und sich gegenseitig helfen wollen.
Foto: Brigitte Bunk

Plus Die Schnelleinsatzgruppen aus Dillingen, Wertingen und Lauterbach üben am Auwaldsee, wie sie eingebrochene Menschen retten können. Und sie haben Ratschläge, wie solch ein Notfall verhindert wird.

Ein ruhiger Nachmittag gegen halb drei. Zwei in rote Schutzanzüge gehüllte Männer rutschen auf allen vieren auf den Auwaldsee. Ganz vorsichtig testen sie aus, ob das Eis sie trägt – bei den Treppen vor der Wasserwacht-Hütte, Richtung Seemitte. Allerdings sind die beiden keine abenteuerlustigen Freizeitsportler, sondern Einsatzkräfte.

Wasserwacht aus Dillingen, Lauterbach und Wertingen

Rund 30 Ehrenamtliche der Schnelleinsatzgruppen (SEG) der Wasserwacht aus Dillingen, Lauterbach und Wertingen sind zu dieser kurzfristig angesetzten Eisrettungsübung nach Lauingen gekommen. Da sie als „einsatzrelevantes Personal“ eingestuft sind, dürfen sie diese Übung trotz Corona durchführen, erklärt der Stellvertretende Kreisvorsitzende Markus Heigl aus Wertingen. Und weil sie beim Retten kein Risiko eingehen dürfen, gelten strikte Regeln. Nicht nur von wegen Abstand und Maske, soweit das möglich ist. „Jeder, der aufs Eis geht, ist mit einer Leine gesichert“, erklärt Heigl und zeigt auf die Personen am Ufer, die jeweils das Ende einer Leine halten. Fast wirkt Heigl enttäuscht, dass die beiden aus der Dillinger Gruppe nicht ins Eis einbrechen, sondern Werkzeug brauchen, um ein Loch in die Schicht zu schlagen.

Doch ein Stück entfernt haben die Wertinger mehr „Glück“. Kaum betreten einige das Eis, stehen sie auch schon hüfthoch drin, was nicht zu überhören ist. „Die meisten haben Nass-Anzüge an, da kriegen sie die Temperatur erst einmal voll ab“, weiß Kevin Mahn, Vorsitzender der Dillinger SEG. Doch das eingedrungene Wasser wärmt sich durch die Körpertemperatur schnell auf und bildet eine isolierende Schicht. Sie brauchen keine Angst haben auszukühlen, wie diejenigen, die trotz aller Warnungen aufs Eis gehen und einbrechen. Auch Durchtrainierte haben da keine Chance, weiß Heigl, dass die eisige Kälte dem Körper schnell die Kraft raubt. Nur wenige Minuten kann sich ein Mensch über Wasser halten.

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Wenn die Retter aufs Eis gehen
Foto: Brigitte Bunk

Noch schwieriger ist, sich aus eigener Kraft zu retten. Er führt aus: „Nachdem das Wasser aufs Eis schwappt, bildet es eine glatte Schicht und wer sich abstützen will, rutscht weg.“ Wenn überhaupt, habe nur eine Chance, wer sich flachlegt und versucht, aufs Eis zu rutschen. So verteilt sich auch das Gewicht besser. Wie schwer das trotzdem ist, merken die Rettungskräfte, die das ausprobieren. Bianca Siwi, Vorsitzende der Wertinger Wasserwacht sagt, als sie nach mehrmaligem Wiedereinbrechen am Ufer ist: „Das kostet viel Kraft.“ Von oben zu erkennen, ob das Eis trägt oder nicht, ist nicht möglich, betont Heigl und stellt klar: „Das Eis zu betreten, ist lebensgefährlich, denn man weiß nicht, wie der einzelne See oder Weiher zufriert.“ Das hängt zum Beispiel von Bäumen am Rand ab, wie der Wind hineinbläst und wie flach das Ufer ist.

Die Rettungskräfte ziehen sich gegenseitig aus dem Wasser, indem einer sich auf einem Eisschlitten liegend zum „Verunglückten“ heranschiebt, beide sind mit einer Leine gesichert, die von Kollegen am Ufer gehalten werden. Zwei andere ziehen dann den Schlitten wieder an Land.

Vorsicht vor Reflexionen

Kevin Mahn ist froh über die Möglichkeit, diese Übung stattfinden zu lassen. In den vorigen beiden Jahren waren die Seen nicht zugefroren. So konnten nun auch die jungen Einsatzkräfte austesten, was Sache ist. Doch auch für die erfahrenen Leute ist das wichtig, weiß Mahn: „Routine gibt es bei der Eisrettung nicht, weil man es so selten machen kann.“

Besonders aufpassen müssen die Taucher, erklärt Markus Heigl. Die Lauterbacher üben an diesem Nachmittag unter Wasser und sind aufgrund der Reflexionen besonders gefordert. Denn: „Von unten ist die Öffnung im Eis nicht zu sehen, deshalb sind sie mit zwei Leinen gesichert.“

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