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Landkreis Dillingen

04.05.2020

Bei der HSG endet eine Ära

Er hat in den vergangenen Jahren den Handball bei der HSG Lauingen-Wittislingen maßgeblich mitgeprägt: der scheidenden Herren-Trainer Thomas Joekel (Mitte).
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Er hat in den vergangenen Jahren den Handball bei der HSG Lauingen-Wittislingen maßgeblich mitgeprägt: der scheidenden Herren-Trainer Thomas Joekel (Mitte).
Bild: Aumiller

Plus Handball: Während zwei Landkreis-Mannschaften vom vorzeitigen Saisonende profitieren, stellen sich andere Teams bereits für die neue Spielzeit, die im September beginnen soll, neu auf.

Wegen der Corona-Pandemie hatten auch die Handballer Anfang März die Hallen verlassen müssen – der Sportbetrieb war staatlich verboten worden, Spielbetrieb und Training mussten ausgesetzt werden. Der Bayerische-Handballverband (BHV) erklärte die unterbrochene Saison 2019/20 drauf hin recht schnell als beendet. Nun stehen auch die offiziellen Abschlusstabellen fest. „Um maximale Transparenz walten zu lassen“, so der BHV, kam bei der Berechnung eine Quotientenregelung zur Anwendung. Die Meister steifen auf. Die Teams auf den Abstiegsplätzen haben Glück im Unglück: Niemand muss diesmal den Weg hinab in die tiefere Spielklasse antreten. „Eine Lösung im Sinne des Sports“, urteilt der Verband in einer Pressemitteilung und gratuliert allen Meistern zu ihrem Erfolg.

Gundelfingen bleibt drin

Während sich für viele Teams – etwa die Damen (BOL) und Herren ( Bezirksliga) des TSV Wertingen – durch den vorzeitigen Saisonabbruch keine gravieren Auswirkungen ergeben, Stichwort „Mittelplätze“, profitieren zwei Mannschaften auf dem Landkreis auch davon. Wie bereits berichtet ist dies das höchstklassige Landkreis-Team, die Herren des TV Gundelfingen. Die Gärtnerstädter schlossen zwar die Landesliga Süd als Schlusslicht ab, dürfen aber in der kommenden Saison erneut dort auflaufen. Und in der Frauen-Bezirksklasse kommt die HSG Lauingen-Wittislingen auf den gleichen Quotienten wie Schwabmünchen III (jeweils 25), hat aber den besseren direkten Vergleich und ist damit neuer Meister.

Die abschließende Berechnung der unvollständigen Tabellen erfolgte so: Erstes Kriterium war die Quotientenregel (Anzahl der Punkte geteilt durch die Zahl der ausgetragenen Spiele). Bei Gleichheit folgen der direkte Vergleich (Hin- und Rückspiel), die Tordifferenz (Quotienten), die geworfenen Tore (Quotienten) und schließlich der unvollständige direkte Vergleich (es reicht, wenn nur Hin- oder Rückspiel ausgetragen wurden). Im Jugendbereich gilt: Führt die Berechnung des Quotienten zum gleichen Ergebnis, so teilen sich die Mannschaften den Platz bzw. die Meisterschaft.

Nicht nur die Handballer hoffen, nach der Sommerpause wieder einen möglichst uneingeschränkten Spielbetrieb aufnehmen zu können, Saisonstart 2020/21 wäre im September. Bis dahin kann sich hinter den Kulissen der einzelnen Vereine jetzt viel tun. Und es tut sich auch bereits etwas. Etwa bei der HSG Lauingen-Wittislingen, wo die „Joekel-Ära“ hat Ende geht. Was Heiner Brand für die deutsche Handball-Nationalmannschaft war und Alfred Gislason für den THW Kiel, das ist Thomas Joekel für die HSG Lauingen-Wittislingen: eine Trainerlegende.

Bereits jahrelang Jugendtrainer

Doch eine Eigenschaft verbindet jede Ära, nämlich dass sie einmal zu Ende geht. Die vergangene Saison 2019/20 war die vierte und letzte für den Lauinger als Trainer der ersten Herrenmannschaft. Zuvor fungierte der ehrgeizige Übungsleiter bereits lange Jahre als Jugendtrainer und zog sich damit die aktuelle Herrenmannschaft zu einem großen Teil selbst heran. Einige der Spieler wurden über ein Jahrzehnt von Joekel betreut. Zuletzt entwickelte der in Wittislingen aufgewachsene Coach seine Schützlinge zu einer etablierten BOL-Truppe – gemeinsam mit seinen Trainerkollegen Helmut Denk und Markus Sandtner. Die vergangenen beiden Spielzeiten durfte das Gespann mit den BOL-Platzierungen fünf und sechs die Früchte der langen Arbeit ernten.

Auch Co-Trainer Helmut Denk verlässt die Mannschaft nach drei Jahren. Der durch seine lockere Art in der Mannschaft äußerst beliebte Übungsleiter ist wie auch Thomas Joekel der Ansicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Seitenlinie gekommen ist. Bei Torwarttrainer Markus Sandtner hingegen stehen vor allem berufliche Gründe einem weiteren Engagement entgegen. Der von der Mannschaft sehr geschätzte Torwarttrainer zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung des Teams in den vergangenen beiden Jahren seines Wirkens und appelliert gleichzeitig „Lasst nicht locker und bleibt vor allem zusammen“. Die Mannschaft reagierte sowohl mit Wehmut wie auch mit großer Dankbarkeit auf den Abschied ihres Trainers Thomas Joekel und seiner beiden Kollegen. Keeper Christian Rommel lobt seinen persönlichen Torwartcoach und das ganze Gespann: „So ein Trainerteam werden wir nicht mehr so schnell bekommen“. Zu diesem Zeitpunkt wusste Rommel noch nicht, dass Thomas Joekel mit dem gesamten Vorstand nach intensiven Bemühungen bereits selbst seinen Nachfolger gefunden hat.

Erneut soll ein Trio die noch immer junge Mannschaft führen. Mit dem 31-jährigen Patrick Müller wird ein ehemaliger Spieler aus der Württembergliga die Spielgemeinschaft lenken. In Laupheim und bei der HSG Langenau-Elchingen sammelte der ehemalige Mittespieler Erfahrung in höherklassigen Ligen. Vergangene Saison verschlug es ihn dann zurück SC Ichenhausen, wo er einige Jahre zuvor bereits als Co-Trainer tätig war. Der Kontakt entstand über seinen ehemaligen Mitspieler Andreas Biller, der vergangene Saison noch das Tor von Lauingen-Wittislingen hütete. „Als mir mein alter Weggefährte Andi das Projekt vorstellte, musste ich nicht lange überlegen“, so der in Vöhringen wohnhafte Müller.

Patrick Müller
Bild: HSG

Biller selbst wird der zweite neue HSG-Trainer der Spielgemeinschaft. „Wir werden versuchen, ein wenig frischen Wind in die gut eingespielte Truppe zu bekommen“, erklärt Biller seine Pläne für die kommende Saison. Verantwortlich für die Torhüter ist dann ein HSG-Rückkehrer: Erwin Linder kommt als Torwarttrainer vom TV Brenz zurück nach Bayern. Über das Handball-Urgestein aus Wittislingen freut sich Andreas Biller besonders: „Ich bin glücklich, mit Erwin einen mehr als nur erfahrenen Torwarttrainer gefunden zu haben.“

Durch den Wegfall Billers aus der Mannschaft wurde zudem eine Position im Tor vakant. Deshalb ergänzt ebenfalls ein Rückkehrer das Torwartteam um Christian Rommel. Vergangenes Jahr noch in der A-Jugend-Bundesliga beim VfL Günzburg aktiv, ist Nachwuchsmann Fabio Bruno zurück bei seinem Heimatverein. Zudem heißt die HSG einen weiteren Zugang willkommen: Nils Ahrens vom SC Ichenhausen.

„Jetzt fehlt nur noch, dass wir bald wieder auf die Platte zurückkehren können“, erinnert Andreas Biller, dass aufgrund der Situation rund um die Corona-Pandemie kein Training stattfinden kann. Gegen einen solchen übermächtigen Gegner könnte selbst ein Heiner Brand nichts ausrichten …

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