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Familienalbum
10.12.2021

"Beim sechsten Kind hieß es: Euch ist eh nicht mehr zu helfen"

Julie Stoll lebt mit Mann und Kindern in Tussenhausen.
Foto: Photohoch3

Julie Stoll und ihr Mann haben sechs Kinder. Für die 34-Jährige aus Tussenhausen sind bewusste Momente mit ihren Kindern wichtig – und auch Auszeiten, die sie für sich selbst nutzen kann.

Was bedeutet Familie heute? Was macht sie aus? Und was hält sie zusammen? Wir stellen diese Fragen denen, die sie am besten beantworten können. In unserer Serie "Familienalbum" erzählen Menschen aus der Region, wie sie leben, was ihre Familie besonders macht und auf welche Art sie den Alltag organisieren. Diesmal mit Julie Stoll. Die 34-Jährige lebt mit ihrem Mann, 37, in Tussenhausen. Gemeinsam haben sie sechs Kinder. In zwei Blogs und in den sozialen Medien zeigt Julie Stoll alias Madam Puddingsklecks, wie der Alltag einer achtköpfigen Familie aussieht.

Familie: Zu meiner Familie gehört mein Mann. Er ist 37, ich bin 34. Wir haben sechs Kinder im Alter von knapp fünf Monaten und zwölf Jahren. Drei Jungs und drei Mädels. Die Mädels sind jetzt zwölf, fast elf und fünf Monate alt. Und die Jungs sind fast neun, sechs und zwei Jahre.

Anfänge: Ich bin aus der Mindelheimer Gegend, mein Mann ist aus der Krumbacher Gegend. Wir haben uns über eine Flirtseite im Internet kennengelernt. Ich fand ihn eigentlich furchtbar arrogant und überheblich. Wir haben uns nur getroffen, um uns gegenseitig zu zeigen, wie doof wir uns finden. Aber beim Treffen war dem gar nicht so. Es ging dann das alles relativ schnell. Direkt nach dem Abi sind wir zusammengekommen.

Meine Eltern waren dagegen, als ich ein Jahr später mit ihm zusammengezogen bin. Er hat damals schon in Augsburg Pädagogik studiert, ich dann Lehramt. In unserer Studentenbude ist das erste Kind entstanden und unsere ersten Vermieter sind jetzt die Ziehgroßeltern der Kinder.


Unsere Familie hat sich von Kind zu Kind entwickelt. Wir haben nicht von Anfang an gesagt, dass wir zwei oder vier Kinder wollen oder so. Wir haben uns so leiten lassen. Beim ersten Kind waren wir beide ziemlich jung. Ich war das erste Mal schwanger mit 20, hatte dann eine Fehlgeburt. Ich bin danach wieder schwanger geworden und mit 21 kam das erste Kind.

Ich bin so froh, dass wir da komplett naiv reingegangen sind. Wir haben uns keine Gedanken gemacht, wie das ist mit dem Baby. Wir hatten ein Schreikind. Dieses Kind hat drei Stunden geschrien, drei Stunden geschlafen, drei Stunden geschrien, drei Stunden geschlafen. Und das über Monate hinweg. Trotz der anstrengenden Zeit wollte ich nie ein Einzelkind, deshalb wollte ich so schnell wie möglich ein zweites Kind bekommen, damit das erledigt ist. Sieben Monate nach dem ersten Kind war ich wieder schwanger.

Danach hat sich das so ergeben. Da war noch der Kinderwunsch und es kam das dritte Kind. Danach habe ich nicht weiterstudiert, weil es von der Betreuungssituation her nicht ging. Aber ich habe zwischendrin noch meinen Ernährungsberater gemacht.

Ich wollte nicht, dass unser erster Sohn der Abschluss bleibt. Denn nach zwei Mädels wird von außen immer so hervorgehoben: Jetzt ist der Nachfolger, der Thronfolger da, der Familienname wird weitergegeben. Das wollte ich überhaupt nicht. Deswegen haben wir nochmal ein Kind bekommen.

Nach dem vierten Kind war das Thema Kinderwunsch für uns ziemlich lange wieder vom Tisch. Bis wir aus dem Urlaub zurückgekommen sind und mir furchtbar schlecht war. Ich war schwanger. Das Kind blieb leider nicht. Das war eine ziemlich aufreibende Zeit. Aber wir haben festgestellt: Eigentlich hätten wir noch Platz. Und ich bin direkt wieder schwanger geworden.

Aber den Abstand von fast vier Jahren vom vierten zum fünften Kind fand ich doof. Ich wollte keinen Nachzügler. Deswegen haben wir die Kleine noch hinterhergeschoben. Und wir können jetzt nach sechs Kindern sagen: Wir sind komplett durch.

Wir haben immer wieder erlebt, wie viele Erwartungen es beim Thema Familie gibt. Wenn du zwei Mädels hast, dann heißt es: Aber ein drittes müsst ihr schon noch kriegen, damit ihr beide Geschlechter habt. Wenn du dann einen Jungen hast, dann heißt es: Willst du wirklich nochmal ein Kind? Die Erwartungen von außen sind richtig krass und anstrengend. Beim fünften Kind haben sowieso ganz viele die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, so nach dem Motto: Wollt ihr wirklich nochmal? Und beim sechsten Kind hieß es: Euch ist eh nicht mehr zu helfen.

Alltag: Wir wohnen in Tussenhausen in unserem Eigenheim. Das haben wir vor acht Jahren bezogen. Wir haben 126 Quadratmeter zu acht. Aber alle bis auf die letzten beiden Kinder haben ihre eigenen Zimmer.

Ein normaler Tag beginnt bei uns zwischen 4 und 5 Uhr. Das ist verdammt früh, aber da wacht die Kleinste auf. In der Regel stehe ich dann auf und richte den Frühstückstisch oder backe Brot und schmiere die Brote für die Schule. Um 6 Uhr wecke ich die Großen, damit sie um kurz nach 7 das Haus verlassen können, weil sie mit dem Schulbus nach Mindelheim fahren müssen. Zwischendrin schmeiße ich den Mann noch raus, der leitet einen Kindergarten. Dann müssen die nächsten beiden zur Grundschule um halb 8 los. Den Vormittag habe ich mit den beiden Kleinen, da mache ich den Haushalt. Mittags kommen die Grundschulkinder heim. Dann wird gemeinsam gegessen und Hausaufgaben gemacht. Jedes von den vier großen Kindern spielt ein Instrument – da müssen wir sie dann also noch zum Unterricht lotsen. Dann ist irgendwie schon wieder fast Abend und wir sind mit dem Abendessen beschäftigt. Mein Mann übernimmt meistens abends eine Stunde die Kinder, damit ich Zeit für mich habe. Er bringt auch alle ins Bett, bis auf die Kleinste, und ich bin sehr froh darüber. Unser Abend ist ab 9 oder halb 10 kinderfrei. Der Tag ist sehr voll.

Auszeit: Irgendwann hat mein Mann gesagt: Du hast so viel Seelenmüll – schreib es irgendwo hin. Ich habe lange überlegt und dann mit einem Blog angefangen.

Heute habe ich zwei Blogs – Puddingklecks und Cappotella. Dafür sind dann mal fünf Minuten Zeit, wenn die zwei Kleinsten miteinander spielen, ein Buch anschauen oder mal Paw Patrol auf dem Tablet schauen, damit ich ein bisschen durchschnaufen kann. Das brauche ich für meinen Ausgleich. Da nehme ich mir bewusst Zeit, auch für einen Kaffee und sage: „Ich möchte das jetzt in Ruhe machen. Kannst du dir das bis später merken?“ Das funktioniert relativ gut.

Du musst schauen, dass du für dich auch was tust. Sonst löst du dich auf. Vor der Pandemie war ich regelmäßig Cocktails trinken, einfach so für mich, mit Freunden. Ich war auch regelmäßig allein im Urlaub, nur für mich. So konnte ich Kraft sammeln, damit ich wieder gestärkt in den Alltag mit den Kindern gehen kann. Das muss man sich bewusst einräumen, weil man sonst irgendwo zwischen den Kindern verschwindet.

Zeit für uns als Paar ist ganz selten. Für uns ist es fast schon Pärchenzeit, wenn wir mit den kleinsten beiden zum Einkaufen fahren und die Kinder im Auto einschlafen. Da gönnen wir uns einen Kaffee, sitzen im Auto und quatschen, während Ruhe herrscht. Das ist schön. So drei, vier Mal im Jahr fragen wir Freunde, ob sie es sich ein paar Stunden zutrauen mit den Kindern. Es ist was anderes, wenn man auf zwei oder drei Kinder aufpasst oder auf fünf oder sechs. Aber die Zeit nutzen wir dann schön, um mal in Ruhe Essen zu gehen oder einen Film im Kino anzuschauen oder einfach nur am See zu sitzen und zu reden.

Streitthema: Ein Streitthema ist für uns, in der Pandemie zwischen Sicherheit und Bildung der Kinder abzuwägen. Die Pandemie war bisher wirklich knackig. Nicht einmal, dass die Kinder daheim bleiben und beschult werden müssen, sondern tatsächlich, dass man sich als Familie von der Politik überhaupt nicht ernstgenommen fühlt. Dass Familien komplett verheizt werden, dass es für uns keine Lobby gibt. Ich würde mir wünschen, dass das von der Politik gelöst wird. Aber die setzen so sehr auf Durchseuchung, dass du nur hoffen kannst, du bist mit der Impfung schneller.

Deshalb müssen wir uns fragen: Wie gehen wir mit dem Thema Sicherheit um? Wen dürfen die Kinder treffen? Wen dürfen wir selbst treffen, um glaubhaft für unsere Kinder zu bleiben? Darüber diskutieren wir oft auch mit den Kindern. Und bei denen ist auch langsam die Geduld am Ende.

Die Große ist mittlerweile nur noch genervt – davon, dass ihre Geschwister nicht geschützt werden können, dass es nicht die Möglichkeit gibt, zu Hause zu bleiben. Das verstehen weder die Große noch die Zehnjährige. Und für den Neunjährigen ist es total bescheiden. Der hat in zwei Wochen Geburtstag. Halloween und Fasching haben alle gefeiert, aber zu seinem Geburtstag darf er nur einen Freund einladen. Es passt einfach in der Relation nicht zusammen. Und das ärgert ihn, denn es ist sein zweiter Geburtstag, der so läuft. Aber er hat eben noch viele andere Geschwister und wenn einer das Virus heimschleppt, haben es alle.

Glücksmomente: Glücksmomente sind, wenn wir alle gemeinsam am Tisch sitzen und reden. Ich finde diesen Austausch wichtig – dass man die Zeit aktiv mit den Kindern nutzt. Dass man sich bewusst auch immer mal wieder ein Kind rauspickt und mit dem Kind nur quatscht. Und wenn man mit dem Kind einkaufen geht und mit ihm den Tag erlebt, rutschen immer wieder Sachen raus, die sonst nicht zur Sprache kommen. Das ist schön.

Was mir wichtig ist: Gerade auf Social Media wird immer Druck aufgebaut: Sag nicht das, sag lieber jenes. Du musst dein Kind so ernähren, so kleiden. Aber mal ehrlich: Kinder, die in einer gefestigten Eltern-Kind-Beziehung aufwachsen, können es ab, wenn die Eltern mal fluchen. Die können es auch ab, wenn man mal sagt: Du hast totale Scheiße gebaut. Als Eltern sollte man mal den Druck rausnehmen und sich als Mensch sehen – nicht als Roboter, der Pädagogik-Programme abspielt. Das fällt mir auch immer im Austausch mit Freundinnen auf, die vor kurzem Eltern geworden sind. Am Ende sind sie so verunsichert, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie wollen. Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn man auf seinen Bauch hört, ein bisschen menschlich ist, vielleicht auch mal den Karren an die Wand fährt und dann erklärt: Ich fand das doof, ich habe mich blöd gefühlt. Und gut ist’s.

Was ist Ihre Geschichte? Wollen Sie auch von Ihrer Familie erzählen und verraten, was Sie und Ihre Lieben besonders macht? Dann melden Sie sich – gern mit einer Telefonnummer – unter der Mail-Adresse familienalbum@augsburger-allgemeine.de. In der Serie "Familienalbum" erzählen wir die Geschichten von großen und kleinen Familien, von Regenbogenfamilien, Patchworkfamilien oder Mehrgenerationenfamilien, kurz: von jedem, der sich als Familie fühlt. Alle Artikel aus der Reihe finden Sie gebündelt auf einer Sonderseite.

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