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Friedberg

01.03.2013

Pro Seniore-Residenz war Schauplatz für Kurzfilm

Der Friedberger Markus Erhart erzählt in "Zum Eiffelturm" die Geschichte eines Demenzkranken. Bei der Premiere am Sonntag sollen sich die Zuschauer selbst beim Vergessen ertappen.

Jeden Morgen steht der demenzkranke Walter mit gepacktem Koffer vor der Stationstür seines Seniorenheims, um nach Paris zu reisen. Zwei Pflegerinnen rätseln, woher dieses Verlangen des Mannes kommt, der innerhalb von Minuten vergisst. Mit dieser Geschichte seines Films „Zum Eiffelturm“ thematisiert Markus Erhart die Demenz und ganz allgemein das Vergessen. „Es soll sich aber nicht um ein Porträt der Krankheit handeln, die sich so unterschiedlich äußern kann“, sagt Erhart.

Der 26-jährige Friedberger hat den rund 15 Minuten langen Streifen für sein Filmstudium in München produziert und führte auch selbst Regie. Drehort war im vergangenen Sommer neben dem Caritas-Altenheim in Augsburg und einem amerikanischen Schnellimbiss in Dasing auch die Pro Seniore-Residenz in Friedberg. Erhart hatte hier seinen Zivildienst geleistet und kam so leichter an die benötigte Genehmigung von der Heimleitung.

„Wir hatten Angst, hier mit zehn bis 15 Leuten und all der Technik zu stören“, sagt Erhart. Doch die meisten Bewohner waren froh über die Abwechslung. Zwei von ihnen tauchen sogar in Nebenrollen im Film auf. Und auch das Personal hat gerne kooperiert.

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„Dass alles so gut geklappt hat, ist für mich immer noch ein Wunder“, sagt Erhart. In nur vier Tagen war alles abgedreht. Zwischendurch musste das Team neue Festplatten kaufen, da durch die digitale Technik in hoher Qualität weit mehr Daten zusammenkamen, als auf einen handelsüblichen PC passen.

Mit 3500 Euro war das Budget des Films relativ klein. Einige Sponsoren haben Ausrüstung gestellt, das Geld musste Erhart aber überwiegend selbst aufbringen. Dass die Kosten nicht höher ausfielen, liegt auch daran, dass das Team kostenlos arbeitete.

„In Deutschland können nur ein Prozent der Schauspieler von diesem Beruf leben“, sagt Erhart. Die meisten würden lieber ohne Gage als gar nicht spielen, um sich zu profilieren. „Als Filmliebhaber verachte ich diesen Umstand“, stellt Erhart klar. Als Student habe er aber keine andere Wahl, als ihn für seinen Film auszunutzen.

Die Zuschauer sollen sich selbst beim Vergessen ertappen

Hauptdarsteller Walter Schicker spielt eigentlich Theater. „Beim Film ist alles ein bisschen anders als auf der Bühne“, sagt der 64-Jährige, der jederzeit wieder mit Erhart arbeiten würde. Er musste sich erst in seine Rolle einfinden. „Doch letztendlich habe ich ja einen ganz normalen Mann gespielt, der einfach nur vergisst“, sagt Schicker.

Erhart hatte sich beim Schreiben des Drehbuchs intensiv mit der Demenz beschäftigt, um sie behutsam, aber auch humorvoll darstellen zu können. Seine von Fachleuten bestätigte Erkenntnis: „Das größte Problem bei der Krankheit ist das Umfeld, da die Freunde und Verwandten Angst haben, in Vergessenheit zu geraten.“ Wenn der Film eine Botschaft habe, dann diese.

Die Geschichte greift das Thema Vergessen auf vielen Ebenen auf. Auch die Zuschauer sollen sich dabei ertappen, nicht alles zu behalten. Der Film spielt im Jahr 2010 und greift durch Nachrichten unter anderem die damals gesunkene Ölbohrplattform Deepwater Horizon auf – eine Katastrophe, an die viele heute gar nicht mehr denken.

Seine Premiere hat „Zum Eiffelturm“ am Sonntag, 3. März, um 20 Uhr im Augsburger Kino Liliom am Unteren Graben 1 als Vorfilm zu „Les Misérables“. Der Hauptfilm kostet Eintritt, wer nur das Werk von Erhart schauen möchte, muss aber kein Geld bezahlen.

Freikarten gibt es an der Abendkasse, lassen sich aber auch unter der Nummer 0821/514084 oder per Mail über liliom@t-online.de reservieren.

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