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Friedberg: Verschwörungstheoretiker auf der Bühne? Kritik an Auftritt in Friedberg

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Verschwörungstheoretiker auf der Bühne? Kritik an Auftritt in Friedberg

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    Toni Bartl (rechts) tritt mit dem Ensemble "Knedl & Kraut" im Friedberger Schloss auf. Wegen seiner Einstellung zu Corona und Impfungen sorgt das für Diskussionen.
    Toni Bartl (rechts) tritt mit dem Ensemble "Knedl & Kraut" im Friedberger Schloss auf. Wegen seiner Einstellung zu Corona und Impfungen sorgt das für Diskussionen. Foto: Südpolmusic

    Soll man jemandem, der im Internet Verschwörungstheorien und Impfkritik verbreitet, Spott und Häme über die Politik und Corona-Maßnahmen ausschüttet, eine Bühne im Friedberger Schloss bieten? Mit dieser Frage sieht sich die Stadt Friedberg konfrontiert. Anlass ist der Auftritt des Musikers Toni Bartl mit dem Ensemble "Knedl & Kraut" im März.

    Bartl, der auf Facebook gut 5000, im Messenger-Dienst Telegram fast 10.000 Abonnenten hat, postet dort mehrmals am Tag Artikel, Bilder und Sprüche. Er wolle damit zur Information und Meinungsbildung beitragen, tut er kund. Großteils sind es impfkritische Beiträge, Nachrichten über sogenannte Corona-Spaziergänge, Kritik an der Bundesregierung, vor allem an Gesundheitsminister Karl Lauterbach, den er unter anderem als "psychisch krank" beleidigt. In Videos legt er Verschwörungstheorien dar, etwa, dass die Pandemie in Planspielen vorbereitet worden sei und dazu diene, der Pharmaindustrie Gewinne zu bescheren.

    Youtube hat mittlerweile Bartls Kanal gesperrt - unter anderem wegen medizinischer Falschaussagen, wie aus einem Post des 51-Jährigen zu erkennen ist. Auch eine neue Facebook-Seite musste er anlegen. Weil auch diese immer wieder gesperrt wird, verlegte er sich auf den Messenger-Dienst Telegram, weil es dort weniger "Zensur" gebe. Telegram ist bekannt als Plattform für Corona-Kritiker.

    Am 18. März ist ein Auftritt Bartls im Friedberger Schloss angekündigt. Dort gastiert er mit zwei Kollegen als musikalisches Mundart-Kabarett "Knedl & Kraut". Das alarmierte den Friedberger Michael Kottmaier. "Will die Stadt dem Kerl wirklich unser Schloss als Auftrittsort überlassen?" Mit dieser Frage wandte er sich an die Stadt Friedberg, unsere Redaktion und die Facebook-Gruppe "Du kommst aus Friedberg, wenn....", in der daraufhin eine teils hitzige Diskussion entbrannte.

    Das sagt Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann zum Auftritt von Toni Bartl

    "Aluhut-Träger, Anhänger von Verschwörungstheorien, radikale Impfgegner und ,Spaziergänger' können jetzt einen der ihren, Toni Bartl, bei 'Knedl & Kraut' im Schloss bewundern", meint jedenfalls Kottmaier. Der Musiker fühle sich als "Lichtgestalt in Sachen Corona-Pandemiebekämpfung" und beleidige die Bundes- und Landesregierung.

    Bürgermeister Roland Eichmann findet ähnlich deutliche Worte. Was Bartl postet, hält der SPD-Politiker für inakzeptabel: "Das ist keine Meinungsbildung, sondern Hetzerei." Erfahren habe die städtische Kulturabteilung davon erst durch Kottmaiers Zuschrift. Man habe daraufhin die Aussagen des Musikers in den sozialen Medien durchgesehen, "ziemlich viel hin und her diskutiert", sorgfältig den Vertrag, der im Herbst 2020 unterschrieben worden sei, überprüft und mit Bartls Management Kontakt aufgenommen.

    Toni Bartl (Mitte) mit dem Ensemble "Knedl  & Kraut":
Sein Auftritt im Wittelsbacher Schloss in Friedberg sorgt für Diskussionen.
    Toni Bartl (Mitte) mit dem Ensemble "Knedl & Kraut": Sein Auftritt im Wittelsbacher Schloss in Friedberg sorgt für Diskussionen. Foto: Südpolentertainment

    Der Auftritt wird zustande kommen. Doch damit sei es dann vorbei für Bartl im Friedberger Schloss, kündigt der Bürgermeister an. "Einen Hetzer brauche ich nicht auf der Bühne." Das Stadtoberhaupt betont aber ausdrücklich, es handle sich dabei nicht um "Zensur Corona-kritischer Aussagen". Vielmehr verlasse Bartl den Boden der demokratischen Auseinandersetzung.

    Vertreten werden "Knedl & Kraut" von Südpolmusic. Die Münchner Agentur hat viele bayerische (Mundart-)Musiker und -Kabarettisten unter Vertrag, darunter bekannte Namen wie Wolfgang Krebs und LaBrassBanda. Ganz glücklich ist man dort offensichtlich nicht über das Agieren des Oberbayern. Geschäftsführer Holger Vogt räumt ein, es sei "sehr schräg", was Bartl in den sozialen Medien von sich gibt. Und es sei "ungeschickt, dass seine Privatmeinung auf die Band zurückschlägt". Weder die Agentur noch der Rest des "Knedl & Kraut"-Ensembles teile Bartls Ansichten. Allerdings betont Vogt als Manager auch: "Private Meinung und Auftritt sind zwei Paar Stiefel."

    Auftritt von "Knedl & Kraut": Außer Friedberg hat sich niemand beschwert

    Die Stadt habe einen Vertrag abgeschlossen und diesen werde der Künstler einhalten - selbstverständlich auch, was die zum Zeitpunkt des Auftritts gültigen Corona-Regeln anbelangt. Andersherum gelte das aber genauso. Das Trio "Knedl & Kraut" mache kein politisches Kabarett - sein aktuelles Programm trägt den Titel "Bayerische Weltreise" - und Bartl werde auf der Bühne keine Verschwörungstheorien verbreiten.

    Die Stadt Friedberg ist laut Vogt bislang die einzige Veranstalterin, die wegen des Themas an Südpolmusic herangetreten ist. In den nächsten Monaten hat das Trio diverse Auftritte, darunter im Oktober in Aichach. In der Branche werde allerdings über Bartls Meinungsbekundungen in den sozialen Medien geredet.

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