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Traditionspflege

04.03.2020

Bezirkstag in Burtenbach: Große Gala für den kleinsten Gau

Die Vorfreude bei Wolfgang Majewski steigt von Tag zu Tag. Immerhin ist es eine Premiere für den Schützengau Burgau, den Bezirksschützentag auszurichten. Die Erinnerungszeichen für die Gäste sind längst fertig.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Erstmals treffen sich die schwäbischen Schützen im Gau Burgau. Einen Wunsch und ein Projekt bringt Gauschützenmeister Wolfgang Majewski zum Treffen mit.

Aufregung? Keine Spur. Dafür hat der 61-jährige Wolfgang Majewski schon zu viel erlebt in seiner langjährigen Funktionärslaufbahn. Und der in Offingen lebende Gauschützenmeister des Schützengaues Burgau weiß ja, dass er sich auf sein Organisationsteam verlassen kann, wenn am Wochenende (7./8. März 2020) zum insgesamt 70. Mal das schönste Fest der schwäbischen Schützen gefeiert wird. Schauplatz ist diesmal Burtenbach. Der Bezirksschützentag ist eine Premiere für den Gau Burgau , dem mit derzeit etwa 1700 Mitgliedern in 21 Vereinen kleinsten in Schwaben. „Ich freue mich darauf“, sagt Majewski und fügt mit einem überzeugenden Lächeln hinzu: „Wir können zeigen, dass der kleinste Gau in Schwaben auch einen Bezirksschützentag ausrichten kann.“

Festzug zur Kirche als atmosphärischer Höhepunkt

Farbenfroher und stimmungsvoller Höhepunkt der Veranstaltung ist der Festumzug. Der wird in Sachen Trachten, Fahnen und Klängen alles beinhalten, was das Herz des Schützen rührt; Zuschauer früherer Veranstaltungen schwärmten oft noch lange nach dem Bezirkstag davon und auch Majewski blickt diesem Programmteil sehnsüchtig entgegen. Sonntagfrüh um 8.30 Uhr geht es los. Die Strecke führt die 400 erwarteten Gäste von der Burggrafenhalle in Burtenbach zur Johanneskirche. Den Festgottesdienst dort hält ab 9 Uhr Pfarrer Norbert Riemer. Auch für ihn ist es „im Endeffekt eine Premiere“, führte er dieser Tage aus. Was er in seiner Predigt sagen wird, konnte oder wollte er bei dieser Gelegenheit nicht preisgeben. „Ich suche eine ordentliche Bibelstelle, die man als Grundlage zum Thema Schutz und Schützen nehmen könnte“, berichtete er aus seinen Vorbereitungen.

Zurück in der Burggrafenhalle, wird die Bezirksversammlung als offizieller Teil der Gesamtveranstaltung um 10.30 Uhr beginnen. Auf den Einzug der Fahnen und Könige folgen unter anderem Ehrungen und Berichte.

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Das Vorspiel findet in Scheppach statt

Aus organisatorischen Gründen findet das Vorspiel zum Bezirksschützentag am Samstag in Scheppach statt. Dort steht ab 13.30 Uhr die Sitzung des Bezirksschützenmeisteramtes an. Ab 18 Uhr werden die Bürgermeister Hans Reichhart ( Jettingen-Scheppach ) und Roland Kempfle ( Burtenbach ) die Gäste offiziell im Schützenheim Scheppach begrüßen. Dort folgt ein bunter Kameradschaftsabend, zu dem Majewski ungefähr 80 Teilnehmer erwartet. Zum Programm sagt er: „Es geht ums Einstimmen auf den nächsten Tag und es wird eine Erinnerungsscheibe ausgeschossen – mit dem Blasrohr.“

Ob er sich bei diesem Gaudiwettbewerb ernsthaft Chancen ausrechnet? Der gebürtige Schnuttenbacher verweist auf seine eigene Sportler-Karriere, die er immer noch in seinem Heimatverein fortsetzt. Dort begann er 1974 mit dem Schießsport. Schon in jungen Jahren sei ihm klar gewesen, dass er am Stand kein ganz Großer wird, gibt er zu. In B- und C-Klassen hat er geschossen, an 358 Ringe mit dem Luftgewehr kann er sich erinnern. Und Majewski war immerhin einmal Schützenkönig bei Gut Ziel Schnuttenbach, 2002, „weil ich ausnahmsweise Glück hatte“.

Ansonsten sah er sich selbst stets „eher als Funktionär“ denn als Sportler. 15 Jahre lang war Wolfgang Majewski Vereinsvorsitzender bei Gut Ziel. Gauschützenmeister ist er seit fünf, Bezirks-Vizepräsident seit zwei Jahren. Seine Qualitäten bleiben nicht verborgen, eine Reihe von Auszeichnungen (darunter das Protektorabzeichen in Silber und die Ehrennadel in Gold des Bayerischen Sportschützenbundes BSSB) beweisen es.

Appell für das Ehrenamt

Als Spitzenfunktionär, der fast sein ganzes Leben den Schießsport in all seinen Facetten begleitet hat, könnte der 61-Jährige einiges erzählen. Lieber ist ihm im Umfeld des Bezirksschützentages aber ein Appell für das Ehrenamt. Vor allem um die Jugend möchte Majewski werben. Leicht werde das nicht, denn schockierende Gewalttaten wie unlängst in Hanau würden junge Menschen vom Schützenwesen fernhalten. Hinzu komme eine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber öffentlicher Verantwortung. Auch gesetzliche Vorschriften erkennt Majewski als Hemmschwelle. „Das alles schreckt viele ab“, fasst er zusammen. Dabei sei ein Ehrenamt in früheren Tagen etwas gewesen, worauf man stolz sein konnte. „Heute wird man schon mal gefragt, was man sich dabei denkt, ein derartiges Amt überhaupt anzutreten.“

Balzhausen bekommt ein Förderzentrum

Dabei hat ja kaum eine Sportart besser verinnerlicht als das Schützenwesen, dass sich Tradition nicht durch das Bewahren der Asche, sondern durch das Weitergeben der Flamme auszeichnet. Dieses vom englischen Staatsmann Thomas Morus bereits im 16. Jahrhundert geprägte und seitdem in verschiedenen Versionen auch anderen Autoren zugeschriebene Zitat will der BSSB nun einmal mehr mit Leben erfüllen. Weil die Verantwortlichen wissen, dass Jugendförderung das A und O ihres Sports ist, wird demnächst für die Talente aus den drei Landkreis-Gauen Günzburg-Land , Burgau und Krumbach sowie aus den Nachbar-Gauen Wertingen , Mindelheim , Babenhausen , Rothtal-Weißenhorn und Neu-Ulm ein Förderzentrum eingerichtet. Standort wird Balzhausen sein. Es ist der erst zweite derartige Stützpunkt in ganz Bayern. Warum die Wahl auf Balzhausen fiel, hat freilich nicht nur geografische Gründe, wie Majewski weiß: „Der dortige Verein hat eine Schießanlage, an der junge Leute gut üben können“, sagt er. Die Zielsetzung heißt, ambitionierten Schützen der Schüler- und Jugendklasse sowie ihren Trainern die Möglichkeit einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit einem lizenzierten BSSB-Trainer zu bieten.

Starten soll das Projekt auf jeden Fall bereits in diesem Jahr. Einen Informationsabend bietet der Verband am Mittwoch, 25. März, an. Veranstaltungsbeginn im Saal des Gasthofs Adler in Balzhausen ist um 19 Uhr. Auf dem Podium sitzen neben Vertretern der Gaue und des Schützenbezirks der BSSB-Sportdirektor Jan-Erik Aeply sowie die Landestrainer Gewehr, Marco Müller und Markus Lehner.

Geschichte Zum insgesamt fünften Mal findet der Bezirksschützentag im Landkreis Günzburg statt. Zuletzt waren der Gau Günzburg-Land (2017, davor 1973) und der Gau Krumbach (2019, davor 2008) Gastgeber. Zum 70. Fest ist erstmals der Gau Burgau an der Reihe.

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