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Burgau/Leipheim

21.11.2018

Burgau ist beim Hallenbad-Verband nun doch mit im Boot

Das Gartenhallenbad in Leipheim. Auch Burgau wird sich nun an dessen Zukunft beteiligen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Die meisten Mitglieder des Stadtrates haben sich umentschieden. Eine Skepsis bleibt aber bei manchem. Jetzt muss sich noch eine andere Kommune entscheiden.

Eigentlich hatte der Burgauer Stadtrat im März 2016 bei zwei Gegenstimmen bereits zugestimmt, dem Zweckverband Hallenbad Nord beizutreten, aber über Details der Satzung und die Zahl der Stimmen für die Stadt separat zu verhandeln. Drei Monate später jedoch lehnte das Gremium mit elf zu neun Stimmen ab. Während die Befürworter betonten, man solle solidarisch sein, da auch Burgauer das Gartenhallenbad in Leipheim nutzen, wollten die Gegner die Einrichtung „den Bach runtergehen lassen“, wie einer es damals formulierte. Wenn sich die Stadt Leipheim es nicht selbst leisten könne, habe sie eben Pech gehabt.

Nun hat der Stadtrat eine erneute Kehrtwende hingelegt: Lediglich zwei Mitglieder votierten bei einer erneuten Abstimmung gegen den Beitritt. Damit folgt Burgau dem Beispiel der Gemeinde Dürrlauingen, die nun doch auch mit im Boot ist. Zwar gab es erneut kritische Töne, letztlich sah die Mehrheit des Stadtrats aber die Vorteile, sich nun auch zu beteiligen.

Burgau und VG-Gemeinden wurden mit Nachdruck um Beitritt gebeten

Im Juni hatte der Zweckverband einen Brief an Bürgermeister Konrad Barm ( Freie Wähler) geschrieben und ihn offiziell über die Entscheidung informiert, dass das Bad am jetzigen Standort generalsaniert wird (lesen Sie hier mehr über die Pläne). Damit seien auch „die Fragen nach der Ausrichtung und den Kosten beantwortet“ – schließlich war es einer der Hauptkritikpunkte der Gegner gewesen, dass vieles zu ungewiss sei, um dem Verband beizutreten. Die Stadt Burgau und auch die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Haldenwang sollten nachdrücklich darum gebeten werden, sich nun doch noch anzuschließen.

„Die Chancen für eine Umsetzung der ausgewählten Zukunftsoption steigen, wenn die finanziellen Lasten auf möglichst viele Verbandsmitglieder verteilt werden“, heißt es in dem Schreiben. Bürgermeister Barm monierte jetzt in der Ratssitzung zwar, dass das Schreiben erst mehr als einen Monat später eingegangen sei und man zuerst aus der Zeitung von der Zukunftslösung erfahren habe. Aber er blieb bei seiner Empfehlung, dem Verband beizutreten, da eben auch Burgauer von dem Bad profitierten.

Auch Befürworter sehen manches kritisch

Wilhelm Frielinghaus (CWG) meinte, dass es den Städten Günzburg und Leipheim als Oberzentrum gut zu Gesicht gestanden hätte, die Einrichtung selbst weiterzuführen, aber grundsätzlich sei er für den Beitritt. Manfred Kramer ( SPD) zeigte sich skeptisch, was die Kosten für die Sanierung angeht. Es wird dabei von etwa 14,4 Millionen Euro ausgegangen, Burgau wird (nach jetzigem Stand) eine Verbandsumlage von fast 65.000 Euro zahlen, die durch eine Entlastung bei der Kreisumlage in Höhe von gut 37.650 Euro aber nur gut 27.350 Euro betragen wird. Kramer meinte, man wisse bei alten Gebäuden nie, welche Summe am Ende für die Sanierung herauskomme. Und da es keine Ausstiegsklausel mehr gebe, trage man das volle Risiko mit.

Dritter Bürgermeister Herbert Blaschke (FDP/FB) appellierte an seine Ratskollegen, sich am Erhalt zu beteiligen, weil man ein Hallenbad im nördlichen Landkreis brauche. Jetzt seien viele Punkte wesentlich klarer als zuvor, ihm seien die geschätzten Kosten ohnehin zu hoch gewesen. In Langenau seien sie bei einem ähnlichen Bad doppelt so hoch gewesen als das, was am Ende bezahlt werden musste. Für die nun veranschlagte Summe werde es so oder so möglich sein, die Einrichtung zu sanieren, und es sei am wichtigsten, dass die Kinder eine Möglichkeit haben, Schwimmen zu lernen.

Nur zwei Ratsmitglieder lehnen den Beitritt ab

Zweiter Bürgermeister Martin Brenner ( CSU) sah das genauso, das komme Familien und Schulen zugute, und auch die SPD mit ihrem Fraktionschef Dieter Kircher wolle sich im Sinne des Nachwuchses nicht verschließen – auch wenn ein etwas zentralerer Standort etwa in Günzburg sicherlich wünschenswert gewesen sei. Und auch Jürgen Pauer (Freie Wähler) hielt den Vertragsentwurf jetzt für zustimmungsfähig, wenngleich auch er die Kreisstadt für den besseren Standort halte. Kramer regte noch an, dass die Burgauer Grundschüler im Sommer trotzdem das eigene Freibad für den Schwimmunterricht nutzen sollten, dafür müsse man dann nicht extra nach Leipheim fahren.

Lediglich die Ratsmitglieder Frank Rupprecht (CWG) und Detlef Caliebe (ABB) stimmten gegen den Beitritt (lesen Sie hier, warum Ratsmitglieder im Jahr 2016 dagegen waren). Während sich Ersterer auf Anfrage unserer Zeitung nicht zum Grund für seine Ablehnung äußern wollte, sagte der Zweite, dass die Sanierung des Gartenhallenbads „ein Fass ohne Boden“ sei. Es lasse sich einfach nicht absehen, wie viel sie kosten werde. Nachdem Burgau und Dürrlauingen nun doch mitmachen, fehlt nur noch die Entscheidung der Gemeinde Haldenwang, die wohl am 12. Dezember fällt. Die restlichen Orte der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft hatten einen Beitritt abgelehnt.

Verbandsvorsitzender zeigt sich "sehr erfreut"

Auch für diese soll die Tür aber offen bleiben, sagt der Verbands-Vorsitzende und Kammeltaler Bürgermeister Matthias Kiermasz gegenüber unserer Zeitung. Er ist „sehr erfreut“ über die Zustimmung aus Burgau, „wir freuen uns über das neue Mitglied“. Die Politik der offenen Tür habe funktioniert, mit der Stadt und der Gemeinde Dürrlauingen würden nun zwei weitere gute Partner beitreten. Die Bürger aus diesen Gebieten würden das sicher goutieren, da viele Gäste von dort kämen.

Zur Kritik von Konrad Barm zum Schreiben des Zweckverbands sagt er, dass man es nicht nur per Post habe schicken, sondern die Zukunftslösung persönlich erklären wollen. Es sei wohl Terminproblemen geschuldet gewesen, dass dies nicht direkt passierte, was natürlich nicht gut sei. Jedenfalls habe man damit keinesfalls jemanden brüskieren wollen, betont Kiermasz.

In Jettingen-Scheppach wird wieder diskutiert

Während in Burgau nun fast Einigkeit herrscht, brechen in Jettingen-Scheppach wieder Diskussionen aus. Schon in der Sitzung des dortigen Gemeinderats im Oktober hatte Helmut Feuchtmayr (Freie Wähler) dem Bürgermeister vorgeworfen, in Sachen Zweckverband Hallenbad Nord nicht oder zu wenig informiert zu haben (wir berichteten). In der jüngsten Sitzung griff er unter dem Punkt Sonstiges wieder das Thema auf. Er monierte erneut, dass ohne Absegnung des Rats einer Generalsanierung des Bads zugestimmt wurde und er und die anderen Räte vor „vollendete Tatsachen gestellt wurden“. Er kritisierte wiederholt Bürgermeister Hans Reichhart, der es versäumt habe, die Räte mit ins Boot zu holen und zu informieren.

Reichhart wies die Vorwürfe zurück und fand es nicht fair, „nachzukarteln“. Andere Gemeinden treten nachträglich dem Zweckverband bei, es sei eine Frage der Solidarität. Hans Reichhart junior fand, dass eine Zugehörigkeit zum Verband der Gemeinde gut zu Gesicht stehe, „das ist eine super Sache und eine Marke“. Feuchtmayr habe jederzeit die Möglichkeit gehabt, einen Antrag zu stellen, dass die Gemeinde aus dem Verband ausscheiden solle. „Dafür hätte man aber den Kopf rausstrecken und Tacheles reden müssen.“ Hermann Högel (CSU) warf dem Freien Wähler vor: „Dass wir darüber diskutieren, finde ich sehr kleinlich.“ (mit hva)

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