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Gundremmingen

16.01.2015

Der „Atompfarrer“ feiert

Kirche und Kernkraftwerk: Geistlicher Rat Richard Harlacher ist seit 46 Jahren Pfarrer in der Atomgemeinde Gundremmingen.

Seit 46 Jahren ist Richard Harlacher Seelsorger in Gundremmingen. Er kennt das Kernkraftwerk seit seinen Anfängen. Beim Atomausstieg hat Harlacher, der jetzt 80 wird,  zwiespältige Gefühle

Vermutlich ist er der Seelsorger in der Region, der die meisten Medienanfragen beantwortet. Denn Richard Harlacher wirkt als Pfarrer in Gundremmingen. Und da ist er für Zeitungen, Radios und Fernsehsender immer wieder ein beliebter Gesprächspartner, wenn es um das Kernkraftwerk Gundremmingen geht. „Für meine Kollegen bin ich der Atompfarrer“, sagt Harlacher. Er kennt das Atomkraftwerk seit seinen Anfängen. Der Geistliche kann sich gut an den Bau von Block A erinnern, der 1965 in Betrieb ging. Und als schließlich die Pfarrstelle in Gundremmingen ausgeschrieben war, bewarb sich Harlacher. „Mich interessierte das Kernkraftwerk.“ Der Rest ist bekannt. Der gebürtige Mörslinger (Landkreis Dillingen), der am Freitag den 80. Geburtstag feiert, verkündet seit 1968 in der Atomgemeinde das Evangelium.

Am Sonntag werden die Gund-remminger und Schnuttenbacher ihren Geistlichen Rat feiern. Den Titel hört er allerdings nicht so gern. „Papst Franziskus hat es auch nicht so mit Titeln“, sagt Harlacher. Der Mörslinger machte 1954 am Sailer-Gymnasium in Dillingen Abitur. „Ich hörte einen leisen Ruf, dass ich Pfarrer werden sollte.“ Und so studierte er Theologie in Dillingen, das bis 1971 eine philosophisch-theologische Hochschule hatte. Nach der Priesterweihe (1960) war Harlacher Kaplan in Altusried und Krumbach (1961 bis 1967) und Benefiziat in Mindelheim.

Seit 46 Jahren arbeitet er nun als Pfarrer in der Atomgemeinde und in Schnuttenbach. Zwischendurch betreute er eben mal 27 Jahre auch Konzenberg. Und an der Realschule in Burgau wirkte er 25 Jahre lang als katholischer Religionslehrer. Der heute 80-Jährige hat es ganz offensichtlich mit langen Zeiträumen. Harlacher ist laut Chronik der am längsten ansässige Geistliche in Gundremmingen – und angesichts des Priestermangels vielleicht auch der letzte.

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Geplant war der lange Aufenthalt an einem Ort nicht. „Ich hatte wirklich nicht vor, so lange zu bleiben“, sagt Harlacher. Am Sonntag wird er sich im Festgottesdienst ausdrücklich bei den Gläubigen bedanken, „dass sie mich so lange ausgehalten haben“. Harlacher hatte viel zu tun. Er ist ein großer Baumeister vor dem Herrn. Neuer Pfarrhof und neues Pfarrheim in Gundremmingen, neue Kirche in Schnuttenbach, Sanierung von Pfarrhof und Kirche in Konzenberg, Restaurierung der St.-Ursula-Kapelle in Schnuttenbach, Sanierung der St. Martins Kirche in Gundremmingen – die Aufzählung ist längst nicht vollständig. „Dennoch steht für mich die Seelsorge im Vordergrund“, sagt Harlacher. Und da habe er sich oft Gedanken über den Glaubensschwund in den vergangenen Jahrzehnten gemacht. „Ich fragte mich, ob es an mir liegt.“ Aber das Phänomen sei ja auch in den anderen Pfarrgemeinden zu beobachten. Von einem ist der Geistliche Rat fest überzeugt: „Der Glaube an Christus gibt dem Leben einen Sinn.“ Und er habe die schöne Aufgabe, diese frohe Botschaft zu verkünden.

Bei Harlacher ist deutlich die Liebe zu den Menschen und seiner Heimat zu spüren. Dies kommt auch in den Bildern des ambitionierten Fotografen zum Ausdruck, die in seinen zahlreichen Büchern, Heften und Kalendern zu finden sind. Auch wenn der Atompfarrer über den Atomausstieg spricht, denkt er zuerst an die Menschen, die ihre Stelle verlieren werden. Deshalb hätte sich der Seelsorger auch eine längere Laufzeit vorstellen können. Grundsätzlich hält Harlacher den Ausstieg aber für richtig, „weil das Problem der Endlagerung nicht gelöst ist“.

Der Festgottesdienst am Sonntag, 18. Januar, beginnt um 10 Uhr in der Gundremminger St. Martins Kirche. Anschließend ist ein Empfang im Kulturzentrum.

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