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Günzburg

24.05.2019

Kunstpreis: Außergewöhnliches Alltägliches in Günzburg

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2 Bilder
Dietrich Moravec erhielt für seine Pinselinterpretation „Veteranen“ (links im Bild) den zweiten Preis der Stadt Günzburg.

Mit mehr als 600 Einsendungen zum Günzburger Kunstpreis werden Kunstverein Off Art und Stadt förmlich überflutet. Die Gewinner kommen aus München, Burgau, Ulm und Neu-Ulm.

Der Kunstpreis der Stadt Günzburg wurde vergeben. Nun schon zum dritten Mal, erstmals unter einem Motto, wurde der Preis ausgeschrieben und die Beachtung bei Künstlern und Publikum nimmt stetig zu. Während des Festaktes waren sich die Redner einig: Eine Kunstausstellung vom Niveau der vom Kunstverein Off Art und der Stadt Günzburg durchgeführten Aktion ist für eine Kommune wie Günzburg einzigartig. Und deshalb findet sie weithin Aufmerksamkeit.

Mehr als 600 Werke im Wettbewerb um den Kunstpreis

Die mehr als 600 eingereichten Werke zum Thema „Alltägliches“, mit denen die Veranstalter förmlich überrollt worden waren, kamen aus ganz Deutschland, von deutschen und ausländischen Künstlern. Die Fachjury hatte viel tun, um daraus die 75 ausstellungswürdigen Arbeiten herauszufiltern. Und noch einmal, um aus dem Werk der 67 Künstler die Preisträger zu ermitteln. Das machten sich die Vertreter der Stadt und des Vereins, allesamt Kunstsachverständige, nicht leicht. Ja, es kam bei der nach 2011 und 2015 dritten Kunstpreis-Ausstellung sogar zu einem Patt, sodass sich die Jury dazu entschied, in diesem Jahr zwei dritte Preise zu vergeben. Die Preisträger kommen aus München, Burgau, Ulm und Neu-Ulm.

Die Werke haben durchweg hohe Qualität

Doch bis die Ausgezeichneten endlich bekannt gegeben wurden, unterhielten Hausherr, Veranstalter und Sponsor die zahllosen Besucher, die sich in drangvoller Enge im Obergeschoss des Amtsgerichtes eingefunden hatten, mit entspannten Reden, aufgelockert durch Gitarrenmusik. Amtsgerichtsleiter Walter Henle hatte sein Haus von Beginn an der Kunst geöffnet, um Justiz und Gesellschaft zusammenzubringen. Augenzwinkernd vermutete er, die auf ihren Prozess wartenden Delinquenten könnten sich mit den Kunstwerken in den Amtsgerichtsgängen die Wartezeit angenehm verkürzen. Die hohe Qualität der Werke war auch für Oberbürgermeister Gerhard Jauernig bemerkenswert und außergewöhnlich für eine Stadt von der Größe Günzburgs. Jauernig verteidigte das Engagement der Stadt für Kultur mit dem Hinweis, dass Kunst zwar monetär gesehen defizitär sei, aber die seit unzähligen Generationen bestehende Kunstförderung Stadt und Gesellschaft in Günzburg formen.

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Der Hauptsponsor des Kunstpreises, die Sparkasse Günzburg- Krumbach, war durch ihren jungen Vorstandsvorsitzenden Daniel Gastel repräsentiert, der sich dezidiert für Kunstförderung durch sein Institut aussprach und darauf hinwies, dass die Sparkasse mit deutschlandweit 130 Millionen Euro jährlich der größte nicht staatliche Sponsor in Sachen Kunst sei, mit dem Ziel, eine lebendige Kulturlandschaft für alle Bürger mitzugestalten.

Off-Art Vorsitzende lüftet das Geheimnis

Dann endlich konnte Off-Art-Vorsitzende Karen Steifensand das Geheimnis lüften. Ausgezeichnet wurden vier Werke, die das Thema „Alltägliches“ inhaltlich spannend und technisch hervorragend umgesetzt haben. Den ersten Preis erhielt die in München lebende Xenia Hartok, die an zahlreichen Akademien studiert hat und mit ihrem Diptychon (zwei zusammengehörige Bilder) die Jury überzeugte. Die Gemälde zeigen junge, sonnenbebrillte Frauen ohne Hintergrund, ohne spezielle Merkmale, mit angespannter Mimik, nur scheinbar alltäglich. Erst auf den zweiten Blick verraten die malerisch perfekten Werke ihre inhaltliche Qualität, wie Theo Krötzinger in seiner Laudatio erläuterte. Sie fordern den Betrachter zum Nachdenken und Rätseln auf, so wie auch der mysteriöse Titel „Damenmoder“.

Der zweite Preis geht an ein Vereinsmitglied aus Burgau

Mit dem zweiten Preis wurde ein Künstler der Off-Art-Gruppe geehrt. Der Burgauer Dietrich Moravec ist engagiertes Vereinsmitglied und ein Künstler, der, wie sein Laudator Rolf Eichelmann in launiger Rede versicherte, einer der wenigen sei, der fast alle Maltechniken perfekt beherrsche. Den Preis erhielt Moravec für seine „Veteranen“, nicht etwa alte Soldaten, sondern drei Pinsel mit verklebten, abgestoßenen Borsten, eingedelltem Metall und schmutzigem Holzgriff. Ausgediente eben, denen Dietrich Moravec ein kleines Ehrenpodest errichtet hat. Dort lehnen sie, nach einem arbeitsreichen Leben, vor braun-orangem Hintergrund.

Veranstalter, Preisträger und Sponsoren freuten sich über den gelungenen Auftakt der 3. Kunstpreis-Ausstellung der Stadt Günzburg: (von links) Off-Art-Vorsitzende Karen Steifensand, Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, erste Preisträgerin Xenia Hartok, dritte Preisträgerin Stefanie Siering, dritte Preisträgerin Myrah Adams, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, Daniel Gastel, zweiter Preisträger Dietrich Moravec und Amtsgerichtsleiter Walter Henle.

Die dritten Preise erhielten Stefanie Siering aus Ulm und Myrah Adams aus Neu-Ulm. Siering hat das Alltägliche in 18 in unterschiedlichen Techniken gefertigten Quadraten festgehalten, „Ein Tag im Leben – Gedächtnisspuren“ scheint die Chronologie eines Tages zu sein. Doch, so Karin Scheuermann vom Kulturamt, es werde keine Geschichte erzählt, nicht der Tageslauf einer Person dargestellt. Das Alltäglich erscheine vertraut und zugleich fremd.

Das kann man auch beim Betrachten der Teebeutelplantage von Myrah Adams empfinden. Nikolaus Kugelmann nahm die Zuhörer in seiner Interpretation der Buntstiftzeichnung von über 50 Teebeuteln, die über Teegläsern schweben und letzte Tropfen absondern, mit auf eine Reise durch Kunst und Fantasie.

Neben den vier ausgezeichneten Werken dürfen sich die Besucher im Amtsgericht auf weitere 71 hochkarätige Kunstwerke freuen, von denen sich jedes auf seine ganz spezifische Weise mit dem „Alltäglichen“ auseinandersetzt und dem Betrachter neue Blicke auf scheinbar Bekanntes eröffnet.

Führung durch die Ausstellung bei der Kultursommer-Eröffnung

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Amtsgerichtes zu besichtigen. Ein Katalog mit allen Werken wird im Touristbüro und zu offiziellen Führungen durch Off-Art-Künstler für fünf Euro angeboten. Die nächste Führung findet im Rahmen der Eröffnung des Kultursommers am Sonntag, 2. Juni, um 16 Uhr statt. Dauer der Ausstellung „Alltägliches – 3. Kunstpreis der Stadt Günzburg“ ist bis 11. November.

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