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Kreis Günzburg

15.12.2017

So oft kracht es auf der A8

Bei diesem Unfall starb in diesem Jahr ein Motorradfahrer.
Bild: Christian Kirstges (Archiv)

Seit Ende September 2015 ist die Autobahn 8 zwischen Ulm und Augsburg sechsspurig. Wie haben sich seither die Unfallzahlen entwickelt? Und was lässt sich bei der Rettungsgasse tun?

Fast täglich sind solche Meldungen im Verkehrsfunk zu hören: „Unfall zwischen Burgau und Günzburg“, oder „Zwischen Günzburg und Leipheim ist eine Spur blockiert“. Es gibt Stellen auf der Autobahn, da scheppert es scheinbar ständig. Erst Ende vergangener Woche starb wieder ein Mensch bei einem Unfall bei Burgau – es war der fünfte in diesem Jahr im Kreisgebiet auf der A8. Doch der Leiter der Autobahnpolizei Günzburg, Erster Polizeihauptkommissar Werner Schedel, verneint eine Häufung an bestimmten Stellen – und verdeutlicht es anhand von Karten.

Dort sind alle Unfälle eingezeichnet. „Sie reihen sich aneinander wie Perlen an einer Kette“, Schwerpunkte gibt es aber nicht. Zwei kleine Bereiche bei Günzburg und Leipheim sind (noch) unfallfrei, an Auf- und Abfahrten gibt es tendenziell mehr Unfälle. Gut zwei Jahre nach der Freigabe der sechsspurigen Straße zwischen Augsburg und Ulm sagt Schedel auch: „Die Verkehrsbelastung ist enorm.“ Auf der A8 ist zu fast jeder Zeit sehr viel los.

Zuständig ist die Autobahnpolizei auf dieser Strecke etwa von Zusmarshausen bis Ulm-Ost. Da ein Teil in Baden-Württemberg liegt, kann der Dienststellenleiter die Unfallzahlen nicht einfach durchgängig auswerten. Aber für den Bereich des Landkreises Günzburg zeigt sich, dass sich im Vergleich der Zeiträume vom 1. Oktober 2012 bis 30. September 2014 und vom 1. Oktober 2015 bis 30. September dieses Jahres kaum Veränderungen ergeben haben. Waren es damals 638 Unfälle, so sind es nun 626. Im ersten Zeitraum gab es 19 Schwer- und 99 Leichtverletzte, im zweiten 24 und 143. Getötet wurden zwei beziehungsweise vier Menschen. Der Sachschaden ist von 2,5 auf 3,9 Millionen Euro gestiegen. Verglichen ist damit die Bauphase mit der bereits freigegebenen Strecke.

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In den Jahren 2009 und 2010, also noch auf der weitgehend vierspurigen A8, gab es 271 beziehungsweise 294 Unfälle. Getötet wurden drei und zwei Menschen, acht und 14 schwer sowie 52 und 53 leicht verletzt – also ein großer Unterschied zu heute. Der Schaden lag bei knapp einer Million beziehungsweise fast zwei Millionen Euro. Weitgehend vierspurig war die Strecke bis Ende 2012, ein erster Teil bei Leipheim/Bubesheim/Günzburg ist seit gut zehn Jahren sechsstreifig. Aber, sagt Schedel: Der Vergleich ist schwer.

Die Verkehrsbelastung sei gestiegen. Auf der vierspurigen Straße gab es keine Pannenstreifen, tagsüber ein Tempolimit und ein Überholverbot für die Lastwagen, nicht so viele Schutzplanken und Betonwände. Früher landeten mehr Wagen im Grünen statt an der Mauer. „Mit mehr Fahrzeugen passiert nun einmal mehr“, und die Gefahr eines Unfalls steige mit der Geschwindigkeit. Wiederum sorge mehr Verkehr dafür, dass nicht so schnell gefahren werden könne. Die vierspurige Autobahn sei „gemütlich“ gewesen. Das sei heute anders. Nicht jede Unfallursache lasse sich übrigens klären, nur bei schweren Fällen werde auch ein Gutachter hinzugezogen.

Schilderbrücken würden helfen

Für den Abschnitt Zusmarshausen bis Adelzhausen ist die Gersthofer Autobahnpolizei zuständig. Deren Chef, Erster Polizeihauptkommissar Josef Sitterer, sagt auch, dass eine höhere Geschwindigkeit „zu signifikant mehr Verletzten“ führe. So gab es in seinem Abschnitt während der Bauphase zwar etwas mehr Unfälle, sie hatten aber eine andere „Qualität“: Es gab weniger Schwerverletzte wegen des geringeren Tempos, erklärt er. Auf der „alten“ Autobahn gab es im Gersthofer Polizei-Gebiet im Jahr 2012 insgesamt 407 Unfälle, 72 Leicht- und drei Schwerverletzte, ohne dass jemand starb. Ein Jahr später gab es 404 Unfälle, zwei Tote, 59 Leicht- und sieben Schwerverletzte. Im Jahr 2015 wurden 435 Unfälle registriert, zudem zwei Tote, 71 Leicht- und zwei Schwerverletzte. Im ersten Jahr der durchgängigen Sechsspurigkeit 2016 waren es 346 Unfälle mit einem Toten, 100 Leicht- und 24 Schwerverletzten. Die Sachschäden lagen 2011 bei 1,3 Millionen und 2016 fast genauso hoch. Am niedrigsten waren sie 2013 mit 677000 Euro.

Sitterer spricht sich klar für die geplante Verkehrsbeeinflussungsanlage aus, also für Schilderbrücken mit je nach Witterung und Situation veränderbaren Verkehrszeichen – und der Möglichkeit, das Tempo zu reduzieren. Gerade das sei wichtig, um Folgeunfälle zu vermeiden. Wie im Günzburger Gebiet gibt es auch bei der Autobahnpolizei Gersthofen keine Unfallschwerpunkte – aber auch ein fehlendes Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer für die Rettungsgasse. „Es ist nicht leicht, aber irgendwann ist es so weit“, hofft Sitterer. Ein Problem bestehe darin, dass bei einer sechsspurigen Autobahn viele Lastwagen auf der mittleren Spur fahren und es Zeit braucht, bis sie sich rechts einsortiert haben. Banner an den Brücken, die an die Rettungsgasse erinnern und wie sie gebildet wird, hält er für hilfreich.

2007, dieses Bild wurde aufgenommen bei Zusmarshausen, war die A8 vierspurig. Die Rettungsgasse war und ist ein Thema.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Banner zur Rettungsgasse an den Brücken geplant

Die soll es künftig auch geben. Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, kündigt eine entsprechende Aktion der Polizeiabteilung des Innenministeriums an. Die soll sich an einer Werbekampagne in Österreich orientieren, auch in anderen Bundesländern und auf anderen Strecken gibt es solche Banner bereits. Die Standorte werden noch mit der Polizei und den privaten Autobahnbetreibern Autobahn plus und Pansuevia festgelegt.

Pansuevia-Geschäftsführer Robert Schmidt sagt, dass bei ihnen überlegt wird, die Dienstfahrzeuge mit einer Anzeigetafel für Hinweise auf die Rettungsgasse auszurüsten. Denn „die Leute haben kein Gefühl dafür, und dass sie freigehalten und dann befahren werden muss“. Es komme sogar vor, dass Fahrer aussteigen und sich selbst in der Dunkelheit dort die Füße im Stau vertreten – gefährlich für sie und andere. Dass gerade auch Lastwagenfahrer die Straße blockieren, kann er nicht verstehen. Schließlich sind sie beruflich unterwegs und sollten sich auskennen. Autobahnmeister Günther Heinze beobachtet auch, dass die ersten ein bis zwei Kilometer hinter einem Unfall noch die Gasse funktioniert, „danach schaut es aber schlecht aus“. Deshalb will Pansuevia Banner auf jeden Fall aufhängen.

Die Autobahnmeisterei kommt kaum durch

Der Geschäftsführer von Autobahn plus, Hermann Wenzel, sagt, seine Gesellschaft habe Banner an den Brücken schon vor einiger Zeit angeregt. Damals habe es geheißen, es gebe eine Teststrecke dafür im Bereich der A9 und die Ergebnisse sollten abgewartet werden. Die Diskussionen zur Installation an der A8 sind ihm bekannt, einen Zeitplan gebe es nicht. Die Rettungsgasse sei für den Betriebsdienst ein Problem, auch wenn es langsam besser werde. Da die Fahrzeuge der Autobahnmeisterei meist angefordert werden, wenn es ums Aufräumen geht und die Gasse längst wieder geschlossen ist – sofern sie gebildet wurde –, sei es schwierig, durchzukommen.

Der Günzburger Kreisbrandrat Robert Spiller findet Banner in jedem Fall gut. Je öfter die Fahrer darauf aufmerksam werden, desto eher funktioniere die Rettungsgasse hoffentlich. Günter Litzel, Kreisbrandinspektor im Kreis Augsburg, hält die Banner ebenfalls für gut geeignet. Er hofft, dass Fahrer sich schon „bald automatisch, ja instinktiv, richtig verhalten“.

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