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Kreis Günzburg/Kreis Dillingen

24.06.2020

Weiter kein Gaskraftwerk in Sicht: IHK sorgt sich um Stromversorgung

Eine nun schon ältere Illustration des möglichen Reservekraftwerks in Leipheim.
Bild: Siemens

Plus Die Standorte Gundremmingen, Leipheim und Gundelfingen sind im Rennen um den Zuschlag für das Millionenprojekt. Doch das Verfahren verzögert sich immer weiter.

Seit Jahren gibt es Pläne, in Gundremmingen, Leipheim oder Gundelfingen ein Gaskraftwerk zu bauen. Mit einer solchen Anlage, die inzwischen schon mehrfach eine neue offizielle Bezeichnung verpasst bekommen hat, sollen grob gesagt das Stromnetz stabil gehalten und Spitzenlasten abgefedert werden. Auch dann, wenn Ende 2021 das Atomkraftwerk (AKW) Gundremmingen vom Netz gehen wird und es Schwankungen bei der Gewinnung von regenerativen Energien gibt. Doch noch immer gibt es keine Entscheidung, welcher Standort zum Zug kommt – und ob überhaupt einer. Wie ist also die aktuelle Lage?

Zwei Ausschreibungsrunden wurden ohne Ergebnis eingestellt (wir berichteten). Warum genau, ist unklar. Möglicherweise hatte einer der Mitbewerber geklagt, ist zu hören. Offiziell bestätigen möchte dies niemand. Es geht um viel Geld, wohl Hunderte Millionen Euro. Beteiligte halten sich bedeckt, um das Vorhaben nicht zu gefährden. Die Rede ist von einer Verschwiegenheitsklausel, an die man sich halten müsse. Nach Informationen unserer Redaktion läuft seit diesem Mai eine dritte Ausschreibungsrunde. Wie eine Sprecherin des zuständigen Übertragungsnetzbetreibers Amprion auf Anfrage erklärt, habe man nun erneut dazu aufgefordert, Angebote abzugeben. „Weitere Informationen können aufgrund des laufenden Verfahrens nicht gegeben werden“, heißt es nur.

Für den Standort Leipheim sieht man sich in einer guten Position?

Auch bei RWE gibt es keinen neuen Stand der Dinge. Dieses Unternehmen will bekanntlich am Standort Gundremmingen ein solches Kraftwerk bauen. Und was ist mit Leipheim, wo ebenfalls Pläne für eine Anlage verfolgt werden? Die Gaskraftwerk Leipheim GmbH & Co. KG und ihre Partner Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, Siemens und Steag stünden dem Verfahren grundsätzlich positiv gegenüber, erklärt ein Stadtwerke-Sprecher. Sie seien davon überzeugt, dass man sich im Wettbewerb durchsetzen werde.

Weiter kein Gaskraftwerk in Sicht: IHK sorgt sich um Stromversorgung

„Durch die vorausschauende und langjährige Vorarbeit im Rahmen der Projektentwicklung, kann das Projekt in Kürze umgesetzt werden“, die Inbetriebnahme wäre demnach zum Ende der Kernenergienutzung in Deutschland 2022 realisierbar. Die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionschutzgesetz für den Bau und den Betrieb liege rechts- und bestandskräftig vor, die Projektentwicklung sei Ende 2019 abgeschlossen worden.

Jetzt gibt es keine Informationen mehr zum Projekt

Hinter der Bewerbung des Standortes Gundelfingen steckt das Unternehmen PQ Energy aus München, mit einem Dienstleiter für die Projektentwicklung in Zürich. Das mögliche Kraftwerk, das privat betrieben werden soll, hat einen Investor aus Dänemark hinter sich: das Unternehmen „Copenhagen Infrastructure Partners“. In einem früheren Interview mit unserer Redaktion hatte der Projektentwickler für PQ, Dominique Candrian, von einer Investitionssumme im dreistelligen Millionenbereich gesprochen.

Mittlerweile möchte sich Candrian auf Anfrage nicht mehr zum Verfahren äußern. „Ich kann Informationen weder bestätigen noch dementieren, aus verschiedenen Gründen“, erklärt Candrian. Die Stadt Gundelfingen teilt mit, dass sie nicht in das Verfahren involviert sei und ihr selbst keinerlei Informationen über das weitere Vorgehen vorlägen.

Die IHK ist in Sorge um die Stromversorgung

Dass das Projekt sich immer weiter verzögert, und ein Ergebnis nicht absehbar ist, löst mittlerweile Sorgen in der Wirtschaft in der Region aus. Dies berichtet die Industrie- und Handelskammer (IHK). Ende 2021 wird am AKW Gundremmingen auch Block C vom Netz gehen. „Woher kommt dann der Strom?“, fragt sich Nina Reitsam, Geschäftsfeldleitung Industrie & Innovation bei der IHK Schwaben. Unternehmen befürchten demnach, dass die Versorgungssicherheit gefährdet sein wird.

„Wir sorgen uns darum, woher Bayerisch-Schwaben in Zukunft Strom beziehen wird“, sagt Reitsam. Mit dem Aus des AKW Gundremmingen werde man auf Stromimporte angewiesen sein. Es werde vor allem eine Herausforderung, die Qualität der Stromversorgung sicherzustellen, also Spannungsschwankungen zu vermeiden. „Dies ist in Zeiten der Digitalisierung besonders wichtig.“

Ex-Abgeordneter schreibt an den Wirtschaftsminister

Auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Johannes Strasser aus Gundelfingen, der mittlerweile als Unternehmer im Energiesektor tätig ist, kritisiert die stockenden Planungen für das Reservekraftwerk. Seine Sorge: Aus dem Projekt wird überhaupt nichts und die Region könnte so abgehängt werden. In einem Brief an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger schrieb er für diesen Fall: „Während die Braunkohlereviere Milliarden Förderungen erhalten, geht die Region um Gundremmingen oder Schwaben leer aus.“

Strasser fordert in diesem Zusammenhang, auch die Wasserstofftechnologie zu berücksichtigen, und bringt ein „Wasserstoffforschungszentrum Gundremmingen“ ins Spiel. „Es muss doch möglich sein, ein regionales Forschungszentrum Wasserstoff in Kombination mit einem bisher geplanten, aber in der Senke verschwundenen Reservekraftwerk zu errichten“, schrieb Strasser Mitte Juni an Staatsminister Aiwanger.

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