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Illertissen/Berlin
03.03.2021

Den Sitz im Bundestag hat Karl-Heinz Brunner noch lange nicht abgeschrieben

Karl-Heinz Brunners Platz im nächsten Bundestag ist wegen parteiinternen Widerstands in Gefahr.
Foto: Matthias Becker (Archivbild)

Karl-Heinz Brunner hat zwar seinen Listenplatz der Schwaben-SPD verloren. Doch den erneuten Einzug in den Bundestag gibt der Illertisser deswegen nicht auf.

Es ist ein Gespräch in ungewöhnlichen Zeiten, das der Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner in diesem Tagen mit unserer Redaktion führt. Statt am Tisch im Wahlkreisbüro in Neu-Ulm findet das Interview via Videokonferenz statt. Und auch die politischen Rahmenbedingungen sind ganz anders als sonst. Wenige Tage ist es her, dass die Schwaben-SPD den Abgeordneten überraschend von seinem sicher geglaubten Listenplatz verdrängt hat. Seinen Wiedereinzug in den Bundestag haben da viele schon als aussichtslos bezeichnet. Doch vor dem Bildschirm sitzt keiner, der bereits aufgegeben hat.

Zwei Tage nach der Listenkonferenz: Brunner wirkt entspannt

Brunner wirkt entspannt, selbst dann, als er von der für ihn so unerfreulichen Listenversammlung der Schwaben-SPD am Wochenende erzählt. Hatte er am Sonntag gegenüber unserer Redaktion noch von einem „abgekarteten Spiel“ gesprochen, das ihm am Ende den aussichtsreichen ersten Männerplatz im Bezirk kostete, nimmt er die Sache zwei Tage später deutlich lockerer.

Geahnt hatte er freilich nichts davon, dass Christoph Schmid, Bürgermeister der kleinen Gemeinde Alerheim im Donau-Ries, am Ende an ihm vorbeiziehen würde. „Meine Unterbezirke haben mich gebeten, wieder anzutreten“, schildert Brunner die Ausgangslage.

Brunner: "Wir haben uns nicht mehr abgesprochen. Das war ein Fehler."

„Wir haben uns im Vorfeld mit den südlichen Unterbezirken abgesprochen. Wahrscheinlich war es ein Fehler, nicht mit den nördlichen Bezirken nochmal gesprochen zu haben.“ Nun jedoch sei die Entscheidung einmal so gefallen. „Christoph Schmid möchte gerne in den Deutschen Bundestag einziehen, das wollte er schon 2017. Es war eine demokratische Entscheidung. Und vielleicht wird es ja auch was.“ Brunner selbst hatte ursprünglich vorgehabt, nach zwei Amtszeiten im Bundestag aufzuhören - bis ihn die hiesigen Genossen baten, doch noch einmal anzutreten. Ein aussichtsreicher Listenplatz, so sagte Brunner im Gespräch mit unserer Redaktion im vergangenen Sommer, sei dafür eine Voraussetzung.

Jetzt ist die Lage ungewiss. Aber wohl auch nicht hoffnungslos. „Ein sicheres Mandat wäre natürlich einfacher“, räumt der Illertisser ein. Trotzdem ist noch alles offen. Die Bayerische Landesliste müsse ja erst noch aufgestellt werden. Und hier sieht Brunner offenbar noch Möglichkeiten für eine gute Platzierung. Um eine realistische Chance zu haben, über die Liste in den Bundestag einzuziehen, sei für ihn mindestens Platz 15 nötig. „So wie in den vergangenen Jahren auch." Die SPD, da ist er sich sicher, werde bei der Bundestagswahl mindestens so gut abschneiden wie 2017. „Meine Prognose: Es wird diesmal sogar besser.“

Brunners Chancen auf das Direktmandat waren nie so gut wie diesmal

Und sollte auch das mit dem Listenplatz in Bayern nicht funktionieren, ist Brunner noch lange nicht am Ende. Den Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Neu-Ulm sieht er nicht als aussichtslos an. „Ich habe ein kleines Schild vor Augen, da steht ,ich will!'“, sagt Brunner. Seine Chancen sind durchaus gestiegen, denn durch die Masken-Affäre ist CSU-Mann Georg Nüßlein mehr als angeschlagen. Ob die Partei ihn noch als Direktkandidaten auf den Schild hebt, muss bezweifelt werden. Und einem Nachfolger aus den Reihen der CSU dürfte ein harter Kampf bevorstehen, das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler vor Ort zurück zu gewinnen. Zumal jetzt auch Ex-Justizminister Alfred Sauter im Zusammenhang mit den Maskengeschäften genannt wird. Den christsozialen drohen schwierige Monate.

Wie also führt man als bereits nominierter SPD-Direktkandidat unter diesen Voraussetzungen einen Wahlkampf? Brunner möchte noch abwarten, was die Konkurrenz tut. „Wir müssen erst wissen, wen die anderen Parteien aufstellen. Dann kann ich sagen, wie der Wahlkampf laufen soll. Welche Strategie man ergreifen wird, hängt davon ab, welche anderen Direktkandidaten aufgestellt werden. Dann können wir uns überlegen, wie wir auftreten werden.“

Brunner: "Georg Nüßlein habe ich nie als Konkurrenten gesehen"

Anders als sonst wird es in jedem Fall werden - denn an das Bundestags-Trio Georg Nüßlein (CSU), Karl-Heinz Brunner (SPD) und Ekin Deligöz (Grüne) hat man sich in der Region praktisch gewöhnt. Auch untereinander ist das so, gibt Brunner zu. „Georg Nüßlein habe ich nie als Konkurrenten gesehen, sondern als Mitbewerber um das Direktmandat.“ Für die Region seien er und der CSU-Kollege praktisch immer gemeinsam aktiv gewesen, auch wenn es mal unterschiedliche Auffassungen gegeben habe.

Ein Bild aus dem Jahr 2018: Karl-Heinz Brunner (SPD) und Georg Nüßlein (CSU) spielen Schach.
Foto: Florian Meingast

Bei allem Optimismus denkt Brunner aber auch daran, was passieren wird, wenn er Ende September nicht mehr in den Deutschen Bundestag gewählt werden sollte. Er wirkt auch in dieser Frage entspannt - wenngleich er nicht davon ausgeht, dass er dann auf einen beschaulichen Ruhestand zusteuert. Dazu gebe es zu viel zu tun. „Wenn es nicht mehr klappen sollte, werde ich mich nicht auf ein Rentnerdasein zurückziehen“, verspricht er. Eine ganze Reihe von Nebenaufgaben dürften ihn dann beschäftigen. Sein erst im vergangenen Herbst angetretener Job als Berichterstatter für die NATO zählt für den Verteidigungsfachmann unter anderem dazu. Ein Thema, das ihn schon seit längerem umtreibt, für das aber im Politiker-Leben noch zu wenig Zeit bleibe, sei die Entwicklung auf dem West-Balkan. Hier, sagt Brunner, gebe es viel für ihn zu tun. Langweilig werde ihm bestimmt nicht.

Die Zeit nach dem Bundestagsmandat: Das will Karl-Heinz Brunner nicht

„Aber eines werde ich nicht tun“, betont Brunner: Denen, die statt seiner dran sind, sagen, wie sie ihre Arbeit zu machen haben. „Das habe ich auch bei der Stadt Illertissen nicht gemacht, als ich nicht mehr Bürgermeister war.“ Einer, der in vier Jahren als SPD-Direktkandidat antreten könnte, ist der Neu-Ulmer Stadtrat Daniel Fürst. Ihm traut Brunner zu, in Richtung Bundestag durchzustarten. Brunner wird dann 71 Jahre alt sein. Spätestens dann würde er ohnehin nicht mehr antreten.

Doch bis dahin ist noch lange Zeit - und Karl-Heinz Brunner möchte sein aktuelles Mandat noch mit voller Kraft ausfüllen. Nächste Woche ist Brunner wieder im Wahlkreis unterwegs, um vor Ort Gespräche zu führen, bevor die Landesliste aufgestellt wird. Der Abgeordnete bringt gute Nachrichten aus Berlin mit: Die Entscheidung über die Zuschüsse zum Sendener Schwimmbad ist am Mittwoch gefallen, 689.000 Euro bekommt die Stadt, wie Brunner erfreut mitteilt.

Brunner über Lockerungen in der Corona-Pandemie: "Vorsichtig sein"

Auch die Frage nach den nächsten Schritten in der Corona-Pandemie treibt den SPD-Abgeordneten um. „Ich weiß, dass viele Menschen jetzt müde sind. Sie haben viele Einschränkungen erlebt. Freunde können sich nicht treffen, Sportvereine können nicht trainieren, Kinder können nicht zusammen spielen.“ Vor allem den Kleineren fehle die Begegnung, doch gerade sie bräuchten das Miteinander.

Bei den wichtigen nächsten Schritten aus dem Lockdown sei ein Dreiklang notwendig: „Erstens: Vorsichtig sein, vorsichtig sein, vorsichtig sein. Zweitens müssen wir die Tests ausweiten. Auch wenn ich mir das noch nicht vorstellen kann, dass man sagt: Treffen wir uns heute Nachmittag auf einen Corona-Test und dann zu Kaffee und Kuchen. Ob man da noch Lust hat auf einen Kaffee?“ Der dritte Punkt sei die Erweiterung des Impfangebots, damit Lockerungen möglich sind.

Von diesen Lockerungen wird auch abhängen, wie der Wahlkampf des Abgeordneten Karl-Heinz Brunner aussehen kann. Es wird definitiv sein letzter sein - mit einem Ausgang, der offen ist wie nie.

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