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Illertissen

24.02.2019

Klinikkrise: CSU sieht Illertissen in die Rolle des Sündenbocks gedrängt

Die Krise der Kreiskliniken beschäftigt die Region. Sie könnte ein heißes Thema im kommenden Wahlkampf zur Kommunalwahl werden. Die Illertisser CSU sucht Kandidaten für den Stadtrat.
Bild: Felicitas Macketanz (Archivbild)

Plus Die Debatte um die Kreiskrankenhäuser könnte im Wahlkampf zum heißen Thema werden. Parteiintern deutet sich schon jetzt ein Konflikt zwischen Norden und Süden an.

Sie treibt so manchem Kreisrat den Puls in die Höhe – viele Bürger winken schon genervt ab: Die Klinkenkrise hält den Landkreis seit längerer Zeit auf Trab. Ausgestanden ist der Ärger um das Millionendefizit der drei Krankenhäuser noch lange nicht. Auf die Kommunalwahl in einem Jahr könnte sich die Krise deutlich auswirken. Das machte der CSU-Ortsverbandsvorsitzende Uwe Bolkart in der Jahresversammlung deutlich. Er ließ keinen Zweifel daran, dass man im Süden des Kreises das Aus der Geburtenstation an der Illertalklinik nicht nur nicht vergessen hat, sondern dass die Verantwortlichen dafür im politischen Norden zu suchen sind.

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So hätten Kreistagsmitglieder wie die inzwischen ausgeschiedene Antje Esser (damals SPD) und etwa Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU) Beschlüsse herbeigeführt, durch die Investitionen in die Illertisser Geburtshilfe ausgeblieben seien. Sauer stößt ihm dabei auf, dass die Neu-Ulmer Babystation angeblich Hunderte Geburten aus dem Nachbarland Baden-Württemberg verzeichnet. Dazu Bolkart: „Illertissen war dafür seinerzeit nicht zuständig, Neu-Ulm jetzt wohl schon.“ Die Bürger im südlichen Landkreis entrichteten genauso ihre Steuern, wie die im Norden. Man habe „enorm eingezahlt“ in den Landkreis, da erwarte man auch Leistungen. Eine Schwächung der medizinischen Versorgung in Illertissen betreffe nicht nur die Menschen in der Vöhlinstadt, sondern auch die in der Umgebung. „Darüber sollte man sich mal Gedanken machen“, sagte Bolkart, der sich dabei deutlich für Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) aussprach. Den treffe mit Kliniken, Nuxit und der zuletzt scharf diskutierten Verbrennung von Abfällen aus dem Atomkraftwerk Gundremmingen in Weißenhorn „alles, was man so nicht braucht“.

Schwere Zeiten für Landrat Freudenberger

In Illertissen laute das Ziel der CSU, nach der Kommunalwahl mit Bürgermeister Jürgen Eisen weiterzuarbeiten. Nun gehe es an die Suche nach Stadtratskandidaten. „Wir werden sehen, dass wir eine tolle Mannschaft zur Verfügung haben“, so der Ortverbandsvorsitzende, der bei der Versammlung im Amt bestätigt wurde. Ebenfalls erneut gewählt wurden seine Stellvertreter Dietmar Haas, Ludwig Brauchle und Ewald Ott. Schriftführer ist weiter Helmut Riedmüller, Kassiererin bleibt Gerlinde Ott.

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Die „harmonische Zusammenarbeit“ im Stadtrat würdigte CSU-Fraktionschef Ewald Ott. Auch wenn manche Kollegen offenbar bereits in den Wahlkampf-Modus geschaltet hätten. Ott sprach von „populistischen Anträgen“ und meinte damit offenkundig die SPD. Sie hatte zuletzt eine Abschaffung des Kopiergelds an den Grundschulen und der Mittelschule erreichen wollen. Zur politischen Arbeit in Illertissen sagte er: Der „größte Brocken“ sei heuer der Bau des neuen Feuerwehrhauses, auch der Bau einer Kindertagesstätte in der Mozartstraße sei ein wichtiges Projekt und die Umgestaltung des ehemaligen Baywa-Areals zu einem neuen Wohngebiet werde voranschreiten.

Auf ein „gutes Miteinander“ im politischen Landkreis hoffte der stellvertretende Landrat und Kreisrat Herbert Pressl: Ziel sei es, für alle Teile des Kreises eine optimale Politik zu machen. Auch bei der Medizin: Der Krankenhaus-Standort Illertissen werde mit der immer stärker gefragten Altersmedizin an Bedeutung gewinnen. Die Sanierung der drei Kliniken sei bei Direktor Marc Engelhard in guten Händen, werde aber wohl längere Zeit dauern. Parallel dazu sollte jedoch ein Planungskomitee die Einrichtung eines neuen Krankenhauses an einem neuen Standort vorbereiten. „Drei Kliniken werden wir auf Dauer nicht halten können.“ Die Zukunft der Illertalklinik werde immer kritisch diskutiert, so Pressl. Aber dass die Umstände zum jetzigen Zustand (sprich: ohne Geburtenstation) geführt hätten, lasse sich wohl nicht ändern.

Ob man das in Illertissen so hinnehmen wird, dürfte sich bei der Kreistagswahl im März 2020 zeigen. Manche machen keinen Hehl daraus, dass sie auf möglichst viele Stimmen für Kandidaten aus dem Süden hoffen. Im Wahlkampf könnte es also heiß hergehen, auch parteiintern. Ortsverbandschef Bolkart kündigte jedenfalls schon mal an: „Der Süden lässt sich von den Neu-Ulmern nicht länger zum Sündenbock machen.“

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