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Krumbach

13.06.2019

Das sagt der BBS-Chef zum Nahverkehrs-Ranking

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Die roten BBS-Busse gehören im Landkreis Günzburg zum alltäglichen Anblick – wie hier in der Krumbacher Bahnhofstraße.
Bild: Christian Gall

Plus Busunternehmer Josef Brandner kritisiert das Nahverkehr-Ranking der Allianz pro Schiene. Im Gespräch erläutert er Stärken und Schwächen des Flexibusses.

Das Thema Nahverkehr brennt Josef Brandner unter den Nägeln. Der Krumbacher Busunternehmer las in unserer Zeitung darüber, dass der Landkreis Günzburg in einem Nahverkehrs-Rating des Verkehrsbündnisses „Allianz pro Schiene“ eine schlechte Bewertung bekommen hat. „Ich fühle mich für das Thema gewissermaßen verantwortlich“, sagte Brandner, der nicht nur Geschäftsführer des Busunternehmens BBS Brandner ist, sondern auch als Vertreter der Flexibus KG auftritt. Das Ergebnis des Ratings für den Landkreis will er nicht unkommentiert stehen lassen.

Lesen Sie zur bayernweiten Auswertung: Die Bayern sind bei Bahn und Bus weit abgehängt

Wie Brandner sagt, habe die Allianz pro Schiene in der Studie ein rein arithmetisches Ranking gebildet – ohne auf die Raumstruktur beziehungsweise die höhere oder geringere Einwohnerdichte mit einzugehen: „Natürlich haben stärker verdichtete Räume wie der Landkreis Neu-Ulm mit den Städten Senden, Vöhringen und Illertissen eine bessere Erschließung aber gleichzeitig auch eine höhere ÖPNV-Nutzung.“ Somit vergleiche die Studie Äpfel mit Birnen.

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Flexibus erreicht alle Orte im Landkreis Günzburg

Der Landkreis Günzburg sei in Sachen Nahverkehr nicht schlecht aufgestellt – besonders auf der Straße. Wenn Brandner auf das Thema Flexibus zu sprechen kommt, ist ihm die persönliche Begeisterung anzumerken: „In Bezug auf die Kundenorientierung und die Fahrgastzahlen ist der Flexibus einmalig und nicht vergleichbar.“ Er betont, dass dadurch inzwischen jeder einzelne Ort im Landkreis erreicht wird – mitsamt Ortsteilen. Eine anstehende Neuerung ist eine App, mit der Fahrten gebucht werden können. Brandner hat auf seinem Handy bereits eine Beta-Version – am finalen Produkt wird derzeit noch gearbeitet.

Doch der Flexibus hat seine Schwächen – Brandner betitelt ihn als „fragiles System.“ Täglich sind zwischen fünf und 15 der Busse im Einsatz – das genüge, um den durchschnittlichen Bedarf zu decken. Doch Probleme zeigen sich, wenn plötzlich viele Menschen gleichzeitig den Flexibus nutzen wollen: „Wenn es etwa regnet oder der Bedarf aus einem anderen Grund steigt, stößt der Flexibus schnell an sein Limit.“

Doch wie soll sich der Nahverkehr weiterentwickeln? Brandner zufolge sei kein Bereich so stark von der Digitalisierung oder Automatisierung betroffen wie der Verkehr: „Ich denke, dass es in den kommenden zehn bis 15 Jahren zu einem dramatischen Wandel kommt.“ Als zentralen Punkt im Nahverkehr nennt er dabei die Verknüpfung von Verkehrsmitteln. Es reiche in Zukunft nicht, nur auf ein einzelnes System zu setzen, etwa die Schiene. „Genau in diesem Verständnis liegt auch der Fehler der Allianz pro Schiene.“ Brandner zufolge müsse man in Zukunft aus einen Mix im Verkehr setzen – einer Zusammenstellung aus verschiedenen Fortbewegungsmitteln, von der Bahn bis hin zum Pedelec, also den stärker motorisierten Elektrofahrrädern.

Brandner: autonomes Fahren kommt in zehn bis 15 Jahren

Doch den Busunternehmer beschäftigt eine weitere Entwicklung in der Verkehrswelt – das autonome Fahren. Brandner ist sich sicher, dass sich dies in zehn bis 15 Jahren durchgesetzt haben wird. Dann könnten Busse ohne menschlichen Fahrer Passagiere befördern. Gut denkbar, dass dieses System auch nach Mittelschwaben kommt: „Mit dem Flexibus haben wir bereits die Infrastruktur, die dem zugrunde liegt. Technologisch wären wir in der Lage, mit einem Fahrdienst wie Uber gleichzuziehen.“ Der Flexibus sei ein digitales Produkt – und damit für die Zukunft aufgestellt.

Josef Brandner beschäftigt sich viel mit dem Verkehr der Zukunft. Dabei ist er nicht nur im Landkreis, sondern auch auf Landesebene aktiv.
Bild: Brandner

Brandner setzt sich nicht nur auf Landkreisebene für Innovationen im Verkehr ein. Von Verkehrsminister Hans Reichhart wurde er – ebenso wie Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer – in den „Zukunftsrats ÖPNV zur Stärkung und Weiterentwicklung des Nahverkehrs in Bayern“ aufgenommen. Darüber hinaus ist Brandner Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK Schwaben. Seine Aufgabe beschreibt er damit, „Unternehmen in die Zukunft zu führen.“ Wie er sagt, gelte es, mit den Veränderungen im Verkehr schrittzuhalten: „Die Herausforderungen von morgen können wir aber ganz sicher nicht mit Technologien von gestern lösen.

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