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Heimatgeschichte

11.11.2017

Er war Benediktiner, Stadtpfarrer und Ehrenbürger

Eines seiner ersten Vorhaben als neuer Pfarrer in Thannhausen war der Bau des neuen Pfarrhofs nördlich der Pfarrkirche.
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Eines seiner ersten Vorhaben als neuer Pfarrer in Thannhausen war der Bau des neuen Pfarrhofs nördlich der Pfarrkirche.

Geistlicher Rat Dr. Rupert Heiß wurde vor 120 Jahren geboren und wirkte knapp zwei Jahrzehnte in Thannhausen

Er war Bauherr und Renovierer, Freund der Jugend, liebte als guter Sänger Musik und Gesang und wurde im Verlauf von knapp zwei Jahrzehnten ein echter Thannhauser. So ist es nicht verwunderlich, dass Stadtpfarrer Dr. Rupert Heiß im Jahre 1964, also drei Jahre vor seinem Abschied aus der Mindelstadt, zu ihrem Ehrenbürger ernannt wurde. Im Oktober 1897 geboren, wechselte er nach Kriegsende als Seelsorger nach Thannhausen, wirkte hier 19 Jahre mit großem Erfolg und ging mit 70 Jahren in den Ruhestand, bevor er 1980 im Alter von 83 Jahren in Langerringen starb und in seinem Geburtsort Hiltenfingen begraben liegt.

Der kleine Rupert Heiß wuchs zusammen mit drei Schwestern nahe Schwabmünchen in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der Volksschulzeit erlernte er im Kloster St. Ottilien das Schneiderhandwerk, doch stellten die dortigen Benediktiner sehr bald fest, dass er sehr begabt ist und leicht lernte. Sie schickten ihn auf die höhere Schule, er bestand das Abitur und trat als Frater Romuald ins Kloster ein. Erzabt Norbert Weber schickte ihn zum Studium nach Rom, wo er mit einer Dissertation über den Evangelisten Johannes den Doktor der Theologie erwarb.

Die Primiz feierte Pater Romuald im Jahre 1924 in seiner Heimatgemeinde. In den folgenden Jahren lehrte er in St. Ottilien in erster Linie Latein. Wie Mindelzells Pfarrer und Prälat Ludwig Gschwind recherchierte, machte sich der junge Priester über die durch die Nationalsozialisten erzwungene Resignation von Erzabt Weber beträchtliche Sorgen um die Zukunft der Klöster. Der Hiltenfinger Pfarrer legte ihm nahe, sich verstärkt um seine alten Eltern zu kümmern. Deshalb nahm er Abschied von St. Ottilien. Als Ortsseelsorger wurde er von der Diözese übernommen, war zunächst ab 1931 Benefiziat bei Schrobenhausen, wurde drei Jahre später Pfarrer in Sinning und wechselte 1949 nach Thannhausen.

Gleich zu Beginn zeigte sich der neue Stadtpfarrer als Förderer der Kirchenmusik, gründete einen Chor talentierter Schüler, legte großen Wert auf eine würdige Feier der Liturgie, bereitete sich jeweils gut auf die Predigt vor und machte den Religionsunterricht zu einem besonderen Schwerpunkt. Eine damalige Realschülerin erinnert sich noch gut: „Er war streng, überzeugend und gerecht. Wir alle sind ihm mit Achtung entgegengetreten.“ Hinzu kamen umfangreiche Baumaßnahmen, darunter der Bau des neuen Pfarrhauses, ein Pfarrheim, die Erweiterung des Kindergartens, Außen- und Innenrenovierung der Pfarrkirche, Orgelsanierung und die Instandsetzung aller Thannhauser Kapellen einschließlich Nettershausen. Seiner Fürsprache war es auch zu danken, dass die evangelische Kirchengemeinde viele Jahre Gastrecht in der Stadionkapelle zur Abhaltung ihrer Gottesdienste erhielt.

Die Kommune anerkannte die großen Verdienste ihres Stadtpfarrers und ernannte ihn im August 1964 zum Ehrenbürger. Überraschend war dann doch sein Wunsch, dass er mit 70 Jahren seinen bisherigen Wirkungsort verlassen werde, der ihm so sehr ans Herz gewachsen war.

Die Pfarrei und besonders die Katholiken bedauerten den Schritt und bereiteten ihm einen herzlichen Abschied. Bürgermeister Josef Mayer dankte ihm namens der Stadt und der Bevölkerung für die „gute und harmonische Zusammenarbeit“ und verwies besonders auf seine „Aufgeschlossenheit gegenüber allen örtlichen Problemen“. Der Rathauschef: „Die Ernennung zum Ehrenbürger war gerechtfertigt.“

Im Verlauf der von Kirchenchor, Sängerbund, Musikverein und Jugend gestalteten Messfeier und eines Abschiedsabends dankten dem scheidenden Geistlichen eine Vielzahl weiterer Redner, darunter Realschuldirektor Wilhelm Oberwallner für sein „energisches Eintreten und die ständige Aufmunterung“, den Schulhausneubau zu wagen.

Schulrektorin Walz verwies namens aller Schüler auf das, „was er den Kindern Gutes mit auf den Lebensweg“ gegeben habe und „sein leuchtendes Beispiel für die gesamte Lehrerschaft“. Ähnlich äußerte sich der evangelische und von Burtenbach aus die Thannhauser Protestanten betreuende Pfarrer Gotthold Karrer, der das „gute Zusammenwirken“ der beiden Kirchen herausstellte.

Humorvoll nahm Dekan und Pfarrer Josef Bechler aus Ziemetshausen Abschied von seinem Freund, den er in der langen Zeit seines Thannhauser Wirkens „ob seiner Hilfsbereitschaft und Güte lieben und schätzen gelernt“ habe. Dr. Heiß selbst machte deutlich, dass ihm der Abschied schwerfalle: „Ich war gern in Thannhausen, wo ich so viel Dankbarkeit erfahren durfte und habe die Gemeinde tief in meinem Herzen eingeschlossen, so dass ich sie nicht vergessen kann.“

Seinen Ruhestand verbrachte Dr. Heiß zusammen mit seiner Schwester Luise, die ihm praktisch ein Leben lang zur Seite stand, in seinem Heimatort Hiltenfingen, wo er ein Haus gebaut hatte. Als die Beschwerden des Alters größer wurden, zog er mit ihr in ein Altenheim in Langerringen und starb am 3. Juni 1980. In Thannhausen erinnert sein Name auf dem Priestergrab an der südlichen Kirchenmauer an sein segensreiches Wirken. Außerdem gibt es seit Kurzem im Neubaugebiet Hansenhohl eine Pfarrer-Heiß-Straße.

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