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Tag des offenen Denkmals

12.09.2015

In der Schatzkammer der Klosterschwestern

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4 Bilder
Schwester Marion Ospald führt hin und wieder Besucher durch den Saal.

Die Klosterbibliothek in Ursberg hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Heute beherbergt sie nur noch wenige wertvolle Bücher, ein Besuch lohnt sich dennoch

Wie ein Donnerhall schlug die Nachricht der vorrückenden Schweden Anfang April 1632 am Prämonstratenserkloster in Ursberg ein und sorgte für Entsetzen unter den dort lebenden Mönchen. Bereits 14 Jahre fraß sich der Dreißigjährige Krieg zu dieser Zeit schon durch die deutschen Lande, nun erreichte er auch Schwaben. Die Reichsstadt Donauwörth war bereits gefallen, als Abt Matthäus Hochenrieder am Montag nach Palmsonntag zwei schwere Truhen mit den wichtigsten Klosterakten im Gepäck und dem Kreuzespartikel aus der Kirche in Mindelzell unter dem Hemd nach Mindelheim floh. Am Ostersonntag beobachteten die auf dem Michelsberg abgestellten Wachen, wie schwedische Reiter das nahegelegene Thannhausen plünderten. Knapp zwei Wochen später suchten marodierende schwedische Söldner Ursberg heim. Sie brachen durch das Tor in den Klosterhof ein und rafften zusammen, was ihnen in die Hände fiel. Am Morgen des 24. April legten sie in der Abtwohnung Feuer, das bald auf das gesamte Kloster übergriff. Unter die Plünderer mischten sich auch Dorfbewohner aus Balzhausen, Thannhausen, Raunau, Krumbach und Hürben. Verloren ging dabei ein großer Teil des Buchbestandes der Mönche, darunter die berühmte Chronik des Probstes Burchard und Konrads von Lichtenau aus dem 13. Jahrhundert.

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Schwester Marion Ospald, Leiterin des Klostermuseums, blättert behutsam in einem Nachdruck der Chronik aus dem Jahr 1796. Eines der ältesten Exemplare, die die Klosterbibliothek heute noch beherbergt. Der dicke Foliant ist in Schweinsleder eingebunden. Man erkennt, dass er einmal weiß gewesen sein muss. Die Seiten sind schon stark angegraut. Alle wertvollen Handschriften, die die Klosterbibliothek einst besaß, gingen im Zuge der Säkularisation in den Besitz des Kurfürsten und späteren Königs von Bayern über. Heute sind nur noch wenige Bücher aus dem 17. Jahrhundert im Bestand der Klosterbibliothek. Die meisten Werke in den verglasten Bücherschränken aus Kirschholz stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Nur selten holt sie noch jemand aus den Regalen. „Ab und zu kommt ein Mann vorbei, der seine Familiengeschichte erforscht“, sagt Schwester Marion. Priester und vor allem junge Kapläne schlendern bisweilen staunend durch den Saal. Immerhin rund 7000 Bücher werden hier aufbewahrt. Den „Schatz des Klosters“, nennt Schwester Marion die Bibliothek und das angrenzende Klostermuseum liebevoll.

Nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges war an einen Wiederaufbau zunächst nicht zu denken. Erst mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens, schöpften die Mönche neuen Mut, ihr Kloster neu zu errichten. Mehr als ein ganzes Jahrhundert verging, ehe die Bibliothek unter der Ägide des Abtes Aloys Högg 1795/96 in ähnlicher Gestalt, wie sie sich heute dem Besucher präsentiert, geschaffen wurde. Das kunstvoll geschnitzte Geländer entlang der Galerie fehlte damals. Offenbar waren die Mönche schwindelfrei. In dieser Zeit pinselte auch Konrad Huber das prächtige Deckenfresko in den feuchten Putz. Ein Großteil der Bibliothek lagerte jedoch weiterhin im Sommerhaus des Abtes nordöstlich der Kirche St. Johannes Evangelist. Doch die Freude der Mönche über ihre Bibliothek währte nicht lange. Mit der Säkularisation ging der Klosterbesitz im Dezember 1802 an den Bayerischen Kurfürsten Maximilian. Die Bibliothek wurde versiegelt und durfte nicht mehr betreten werden. Nachdem die Schätze in den Bibliotheken eine Zeit lang sich selbst überlassen wurden – im Sommerhaus des Abtes nisteten sogar Vögel zwischen den Büchern – mussten im Herbst 1818 die kostbarsten sechs Handschriften und andere wertvolle Bücher an die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg geliefert werden. 1822 wurde der Rest versteigert. Das Gebäude und der herrliche Bibliothekssaal fielen in eine Art Dornröschenschlaf, aus dem sie erst 1934 wieder erweckt wurden, als die Schwestern der St. Josefskongregation das alte Prämonstratenserkloster dem Staat abkauften und es renovierten.

Schwester Marion führt hin und wieder Besuchergruppen durch die Bibliothek und referiert über die Geschichte des Klosters. Wem das Stehen dabei zu anstrengend ist, der kann sich auf einen der Stühle, die zum Teil aus dem Barockzeitalter stammen, niederlassen und die ehrwürdige Atmosphäre auf sich wirken lassen. Gelegenheit dazu gibt es wieder am Sonntag, 13. September, am „Tag des offenen Denkmals“.

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