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Landkreis Günzburg

10.09.2019

Sprudeln die Quellen im Landkreis Günzburg auch in Zukunft noch?

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Sauber und erfrischend – so kommt das Wasser aus der Leitung, so sind wir es gewohnt. Der Klimawandel mit längeren Trockenperioden im Sommer hat auch Einfluss auf die Wasserversorgung. (Symbolfoto)
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Klimawandel zeigt sich auch in der Region. Bereits jetzt verändert sich die Verteilung der Niederschläge. Welche Auswirkungen längere Trockenzeiten auf die Trinkwasserversorgung haben.

Die Stadt Thannhausen gibt in absehbarer Zeit ihre Flachbrunnen im Mindeltal auf. Zu unsicher und zu anfällig für Schadstoffeinträge ist die Trinkwassergewinnung in dem Flusstal, weil die Deckschichten, die über dem Grundwasserstrom liegen, nicht dick genug sind. Vor allem in heißen und trockenen Sommern entstehen im Boden tiefe Risse, durch die Keime oder Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft ins Grundwasser gelangen können. „Was oben rein kommt, ist ziemlich schnell unten“, beschrieb Stadtbaumeister Stephan Martens-Weh das Risiko in einer Stadtratssitzung recht plastisch. Für Thannhausen eröffneten sich zwei Möglichkeiten. Entweder müsste der Einzugsbereich der Wasserschutzzone auf das Gebiet der benachbarten Gemeinde Ursberg ausgeweitet werden oder ein Tiefbrunnen zur Förderung des Trinkwassers angelegt werden.

Niederschläge im Landkreis Günzburg verschieben sich

Für Dr. Rüdiger Zischak, Leiter des Fachbereichs Wasserversorgung am sind solche Fragestellungen ein Anzeichen dafür, welche Herausforderungen der Klimawandel auch im Landkreis Günzburg stellt. Die Folgen der globalen Erwärmung seien bereits jetzt spürbar.

Zwar bleibe die Niederschlagsmenge in Bayern im Schnitt etwa gleich, jedoch ändere sich deren Verteilung. „Wir haben ein Verteilungsproblem“, warnt Zischak daher. Und das in zweierlei Hinsicht. Ist der Süden noch relativ gut mit Wasser versorgt, trocknen die nördlichen Gebiete im Sommer teils regelrecht aus. Neben der regionalen, hat das Problem auch eine zeitliche Dimension. War früher der Juni einer der Monate, in denen am meisten Wasser vom Himmel kam, verschieben sich die niederschlagsreichen Monate inzwischen vermehrt ins Frühjahr. Gleichzeitig sind die Dürreperioden im Sommer länger und heißer.

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Horizontale Wasserscheide sinkt ab

In der Folge sinkt die horizontale Wasserscheide ab. Bei einer durchschnittlichen Reduktion der Niederschlagsmenge um 20 Millimeter pro Quadratmeter kann sich die horizontale Wasserscheide um bis zu 40 Millimeter nach unten verlagern, so Zischak. Welche Folgen das im Konkreten für die Trinkwasserversorgung hat, lasse sich noch gar nicht genau abschätzen, räumt Zischak ein.

Erste Erfahrungen zeigten, dass in manchen Gebieten Quellen durchaus trocken fallen können. Das betreffe vor allem Gebiete, deren geologische Beschaffenheit durch Kiesrücken geprägt ist, etwa in den Alpen und Mittelgebirgen. Im Bereich des Wasserwirtschaftsamts Kempten ist das Zischak zufolge im heißen Sommer 2018 häufiger passiert. Für den Kreis Günzburg seien solche Szenarien aber eher unwahrscheinlich, kann Zischak entwarnen. „Das ganze Donautal strotzt ja vor Wasser.“ Die Quellen im Landkreis könnten unter Umständen schon in ihrer Ergiebigkeit nachlassen, fallen aber nicht so schnell trocken wie in den Moränenlandschaften des unmittelbaren Voralpenlandes. Geologisch ist etwa das Krumbad mit seiner Heilquelle an einen anderen Grundwasserkörper gebunden ist, als die Quellen in den mit Kies gefüllten Talauen.

Hier herrschten laut Zischak vor allem grob- und feinporige Sande aus dem Tertiär vor, dem Erdzeitalter, das von der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren bis in die Zeit vor etwa 2,6 Millionen Jahren, dem Beginn des Quartär, reicht. Diese Sande haben im Vergleich zu Kiesschotter eine wesentlich höhere Wasserspeicherkapazität.

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Neben dem Einfluss auf die Verfügbarkeit des Wassers gerät unter Umständen auch das Versorgungsnetz unter Stress. So erwärme etwa der durch längere Hitzeperioden aus der Tiefe aufsteigende Wasserdampf die im Boden liegenden Wasserleitungen. Ob die jetzt geltende Vorgabe, dass das Wasser kühl und erfrischend aus der Leitung kommen soll, in Zukunft noch erfüllt werden kann, sei unsicher, sagt Zischak. Problematischer ist aber der Einfluss auf die Qualität des Wassers. „Jedes Wasser weist eine gewisse Grundlast an Keimen auf“, sagt Zischak. „Wir wissen nicht, was passiert, wenn die Temperatur in den Rohren steigt.“

90 Prozent des Grundwassers ohne Aufbereitung nutzbar

Bislang sind etwa 90 Prozent des geförderten Grundwassers ohne Aufbereitung trinkbar. Erhöht sich der Aufwand für die Sicherstellung der Qualität, steigt auch der Preis, den der Verbraucher für das Wasser zahlt. Insbesondere die Instandhaltung des Versorgungsnetzes betrachtet Zischak als „Herkulesaufgabe“. In erster Linie jedoch, weil manche Kommunen bei der Sanierung fest geschlafen haben und jetzt eine „signifikante Erhöhung der Rohrbrüche“ verzeichnen. Das ist jedoch keine Folge des Klimawandels. Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit empfiehlt das Wasserwirtschaftsamt den Kommunen, Notverbünde untereinander einzurichten. Diesbezüglich sei der Landkreis Günzburg vorbildlich, sagt Zischak. Schon seit einigen Jahren wird das Thema konsequent verfolgt.

Probebohrung im Sommer 2017 für den geplanten Tiefbrunnen in Thannhausen. (Archivfoto)
Bild: Werner Glogger

Konsequent verfolgt wird in Thannhausen nun der Bau eines Tiefbrunnens. „Wir bohren wirklich einen Brunnen. Die Ausschreibung ist schon gemacht“, bestätigt Bürgermeister Georg Schwarz. Doch ein oder zwei Tiefbrunnen, die im Falle der Mindelstadt Wasser führende Schichten in einer Tiefe von etwa 80 Metern anzapfen würden, ist Zischak zufolge keine Universallösung. Denn mit dem Tiefenwasser verhält es sich ein bisschen wie mit den Erdölreserven. „Älteres Wasser nimmt nicht mehr unmittelbar am Wasserkreislauf teil“, erklärt der Fachbereichsleiter.

Man könne zwar das Wasser in kurzer Zeit heraufpumpen, unter Umständen dauert es aber 20000 Jahre bis sich der unterirdische Speicher wieder füllt. Daher sollten tiefere Grundwasserleiter möglichst unberührt bleiben. „Die sind zukünftigen Generationen vorbehalten“, sagt Zischak. „Wir wissen ja nicht, was noch kommt.“

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