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Krumbach

14.10.2017

Um drei Uhr morgens mit dem Rad durch Krumbach

Tessi Wieser ist bereits 15 Jahre ab 3 Uhr morgens mit ihrem Fahrrad in Krumbach unterwegs.
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Tessi Wieser ist bereits 15 Jahre ab 3 Uhr morgens mit ihrem Fahrrad in Krumbach unterwegs.
Bild: Hans Bosch

Zeitungsausträgerin Theresia Wieser bringt es täglich mit dem Fahrrad auf 70 Kilometer. Warum für sie der beginnende Morgen die schönste Tageszeit ist.

„Die Zeit zwischen 3 Uhr früh und dem Morgengrauen sind für mich die schönsten Stunden des Tages“, sagt Theresia Wieser mit einem strahlenden Lächeln und ergänzt „und dies täglich seit über 15 Jahren“. Kurz nach der Jahrtausendwende hat sie als Aushilfe mit dem Austragen der Mittelschwäbischen Nachrichten begonnen, fand Gefallen daran, übernahm 2005 einen eigenen Bezirk innerhalb der Stadt und hat diesen Entschluss noch nie bereut. Inzwischen weitete sie ihre Tätigkeit enorm aus und bringt das Neueste jeden Werktag in rund 200 Briefkästen in den Bereichen Mozartstraße und Jakob-Bader-Straße. Damit nicht genug: Seit fünf Jahren startet sie täglich anschließend erneut zu ihrer großen Tour fast durch ganz Krumbach, und zwar als Briefträgerin der Logistik-Mail-Faktory (LMF), um rund 250 Briefe und Beilagen zu den Adressaten zu bringen. Und dies alles mit dem Fahrrad. Streckenmäßig sind dies täglich rund 70 Kilometer.

Der Tag von Tessi (ihr Rufname) Wieser beginnt um 3 Uhr. Allerdings hat sie dann ihre Morgentoilette und die Radtour vom Spitalweg zur Niederlassung der LMF am Munding-Kreisel schon hinter sich. Dort lagern eine Vielzahl von für jede Trägerin abgezählte Pakete der neuesten MN-Ausgabe. Sie werden vom nächtlichen Tourfahrer in der Augsburger Druckerei abgeholt. In rascher Fahrt geht es dann über die Abladestellen in Ziemetshausen, Thannhausen, Balzhausen, Ursberg und Krumbach zu den Depots in Hürben und beim Verlagshaus Ziegler in der Bahnhofstraße, wo in der Regel kurz nach zwei Uhr die Fahrt endet.

Die einzelnen MN-Heinzelmännchen können ihre Austragszeiten selbst auswählen, jedoch muss sichergestellt sein, dass die Abonnenten ihre Zeitung ab 6 Uhr aus dem Briefkasten holen können. „Ausnahmen sind selten“ weiß Frau Wieser und sie sind zumeist bedingt durch einen späteren Druckbeginn aus aktuellem Anlass. Mit vorn und hinten platzierten großformatigen Taschen tritt sie dann gegen 3 Uhr in die Pedale ihres Fahrrads. Es geht schon bald steil bergauf zur Mozartstraße, über den Silcherweg zur Pfarrer-Sing-Straße und schließlich zum Erwin-Bosch-Ring und von dort nach Süden bis zur Straßenmeisterei. Die Tour kennt inzwischen das Fahrrad schon selbst, ist sie doch genau ausgeklügelt und den Abonnenten angepasst. Bedient werden übrigens auch Leser verschiedener anderer Blätter wie Bild, Die Welt, Frankfurter oder Süddeutsche Zeitung. In rascher Fahrt geht es auf dem Radweg die Raunauer Straße zurück zum Depot und mit neuer Ladung in den Nordosten der Stadt, der von der Attenhauser Straße bis zu Kling Consult und von der Jakob-Bader-Straße bis zur Kalterer und Pfarrer-Bobinger-Straße reicht.

Die Kaffeepause mit dem unterwegs gekauften Semmel oder dem Brötchen ist verdient. Im LMF-Depot tritt Wieser nämlich ihren zweiten Job als Chefin von sieben Kolleginnen an, verteilt die vorsortierten Briefkisten auf die einzelnen Stadtbereiche und los geht es mit dem Rad über die Südtangente zum Riedweg (Einsle-Areal), Hochfeld, Krankenhaus, Mindelheimer und Nassauer Straße, bevor nach dem Bedienen der Luitpold-, Franz-Aletsee- und Kirchenstraße der westliche und östliche Marktplatz den Schlusspunkt setzt. Es geht auf 11 Uhr zu. Danach gehört die Zeit der Familie. Wohnung sauber machen, für Mann und Sohn kochen, Küche reinigen sind die nächsten Tätigkeiten, bevor sie sich eine Stunde Mittagsschlaf auf dem Sofa gönnt. Die restlichen Stunden sind ausgefüllt mit Besorgungen sowie Nachbarschaftshilfe und schließlich heißt es kurz nach 20 Uhr „ab ins Bett“ mit dem Gedanken: „Ich freu mich schon wieder auf den Morgen“.

Angst kennt Tessi Wieser bei den frühmorgendlichen Fahrten durch die schlafende Stadt nicht – im Gegenteil: „Gerade die Ruhe genieße ich besonders. Und wenn dann der Mond scheint oder die Sonne aufgeht. Das ist für mich die Zeit, die ich besonders schätze, einfach schön finde und nicht missen möchte.“ Einen Höhepunkt gibt es als Zugabe: „Am östlichen Erwin-Bosch-Ring gibt es einen Punkt, von dem ich einen Großteil der ganzen Stadt übersehe. Das ist für mich ein nächtlicher Genuss.“ Dankbar ist sie ebenso mehreren Katzen, die regelrecht auf das Abstellen ihres Fahrrads warten. Sie bekommen von Tessi Wieser einige Streicheleinheiten und ziehen dann befriedigt weiter. Schlimmere Erlebnisse? „Eigentlich nichts, bis auf die Begegnung mit einem Hund vor einigen Jahren, doch will ich darüber nicht mehr reden.“

Und was bewegt eine Zeitungsträgerin auf dem Fahrrad gedanklich noch: Die unterschiedlichen Ansichten mancher Abonnenten. Ein Beispiel: „Ich bezahle meine Zeitung und will sie dafür im Briefkasten“, ist die Aussage eines Lesers. Dass dieser weit abseits der Straße an steilem und im Winter ungeräumten Weg am Zaun hängt, berührt ihn nicht weiter. „Es gibt es eben solche und solche Menschen“ ist ihre Meinung dazu und denkt lieber an die Dankadressen, die sie weitaus öfter für „Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit“ erhält. Womit wir wieder am Anfang sind: „So früh am Morgen die Zeitung auszutragen macht einfach Spaß.“

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