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Kongress

21.08.2015

Eine eigene Welt im Kleinen schaffen

Peter Briegel vor seiner Modelleisenbahnanlage, die den Bahnhof der Schmalspurbahn in Ochsenhausen darstellt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Peter Briegel führt die europäischen Modelleisenbahnbauer. Die treffen sich jetzt in Landsberg und Kaufering

Er war sechs Jahre alt, als er seine erste Modelleisenbahn von den Großeltern geschenkt bekam. Die neueste Anlage von Peter Briegel ist eine Miniatur der Schmalspurbahn von Ochsenhausen im Format HOe. Der 72-Jährige hat immer noch Spaß an seinem Hobby, auch als Funktionär. Denn der Landsberger ist mittlerweile Vorsitzender des europäischen Verbands der Modelleisenbahner und Eisenbahnfreunde. Dass dessen Kongress jetzt in Landsberg und Kaufering stattfindet, ist daher kein Zufall.

Im Alter von zehn Jahren baute Peter Briegel mit seiner Mutter seine erste Modelleisenbahnanlage. Bis ins Jahr 1997 besaß der Landsberger immer eine Anlage, eine habe sogar in einem Koffer Platz gefunden. Als er 1995 in den Vorstand des Bundesverbands Deutscher Eisenbahnfreunde gewählt wurde, fehlte die Zeit für die eigene Anlage. Sein Hobby habe er immer als Ausgleich zu seinem Beruf als Navigator bei der Bundeswehr gesehen. Er kam 1971 zur Luftwaffe auf den Fliegerhorst nach Penzing. Im Jahr 1980 zog er mit seiner Familie in den Westen Landsbergs. Da war er schon sechs Jahre Mitglied im Modelleisenbahnverein der Stadt.

Die Arbeit im Verein will Peter Briegel nicht missen. „Da baut man Anlagen, die man Zuhause nie verwirklichen würde.“ Er sei mehr der Techniker und Planer gewesen, den aufwendigen Bau der Landschaften hätten andere übernommen. Acht Jahre war er Vorsitzender des Landsberger Vereins. In dieser Zeit knüpfte er erste Kontakte zum Bundesverband, wurde im Jahr 1995 Mitglied des Vorstands und schließlich auch dessen Vorsitzender. Sechs Jahre stand er dem Dachverband von 320 Vereinen mit rund 12500 Mitgliedern vor. In erster Linie sei er dabei Interessensvertreter gewesen, habe zwischen Herstellerfirmen, Deutscher Bahn und Politik koordiniert. Er bereitete Messen vor, half Vereinen vor Ort und erledigte viel Verwaltungsarbeit.

Zeit für die eigene Modellbahnanlage sei ihm in diesen Jahren nicht geblieben. Das änderte sich vor fast genau einem Jahr. Der Vorsitzende des europäischen Dachverbandes erkrankte schwer, auf die schnelle einen Nachfolger zu finden war nicht leicht. Die Wahl fiel auf Peter Briegel, den erfahrenen Verbandsfunktionär, der auch noch Englisch und Französisch spricht sowie Italienisch und Spanisch versteht. Im September vergangenen Jahres wurde er zum Vorsitzenden gewählt. Das Koordinieren, Verwalten und Repräsentieren mache ihm Spaß, zudem treffe er auf unterschiedliche Mentalitäten. Durch seine Arbeit bei der Bundeswehr habe er gelernt, mit ihnen umzugehen und sie zu verstehen.

Das Herzstück des europäischen Verbandes ist die Technische Kommission. Sie legt die Normen fest, nach denen fast alle Hersteller auf der Welt Modellfahrzeuge und deren Zubehör bauen, damit diese möglichst kompatibel sind. Ihr Verdienst sei es unter anderem, dass Waggons von Märklin an Lokomotiven von Fleischmann gekoppelt werden können, Gleisabstände und Gleishöhen gleich sind. Eine Herausforderung sei derzeit der asiatische Markt. Zwar säßen noch immer rund 80 Prozent der Hersteller in Deutschland, doch die Japaner und Chinesen drängen auf den Markt.

Ab Sonntag richtet Peter Briegel seinen Fokus auf den Kongress des europäischen Verbandes, der erstmals in Landsberg stattfindet. Eigentlich sollte der Kongress heuer in Polen stattfinden. Die Organisatoren traten aber kurzfristig zurück und der Landsberger brachte seinen Wohnort ins Spiel, wo er bereits 2011 den Bundesverbandstag organisiert hatte. 80 Teilnehmer werden im Hotel Rid in Kaufering erwartet. Vom 23. bis 28. August tagt dort die Technische Kommission und findet die jährliche Delegiertenversammlung statt. Begrüßt werden die Teilnehmer im Historischen Rathaus in Landsberg, sie besuchen die Landsberger Modelleisenbahn, die Zugspitze, den Bahnpark in Augsburg und die Schmalspurbahn in Ochsenhausen. Ein Modell der „Öchsle-Bahn“ hat Peter Briegel gefertigt. Dass er dabei eine eigene Welt schaffen könne, sei das faszinierende am Hobby Modelleisenbahn. Und natürlich die Tatsache, dass in seiner Generation jeder kleine Bub einmal Lokomotivführer werden wollte.

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