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Kaufering

14.05.2020

In Kaufering soll die Sicherheitswacht auf Streife gehen

Landsbergs Polizeichef Bernd Waitzmann – hier im Gespräch mit zwei Mitgliedern der Landsberger Sicherheitswacht – stellte im Marktgemeinderat Kaufering das Konzept der Sicherheitswacht vor. 

Plus Die Sicherheitswacht soll künftig auch in Kaufering auf Streife gehen. Die Ratsmitglieder haben viele Fragen und es gibt auch kritische Anmerkungen.

In Kaufering soll künftig die Sicherheitswacht patrouillieren. Dafür votierte eine große Mehrheit des Marktgemeinderats. Es gab aber auch Stimmen, die die Notwendigkeit infrage stellten oder denen das vorgestellte Konzept zu weit geht. Der Fuggerplatz und der Bahnhof gelten als Brennpunkte.

Kauferings Geschäftsstellenleiter Dominic Jödicke informierte zu Beginn, dass es im Januar und Februar bereits Gespräche zwischen dem Markt und der zuständigen Polizeiinspektion Landsberg gegeben hatte, bei der die ehrenamtlich arbeitende Sicherheitswacht angegliedert ist. „Wir finden es sinnvoll.“ Bürgermeister Thomas Salzberger ergänzte, dass das Kauferinger Ordnungsamt nur aus einer Mitarbeiterin bestehe. „Die Aufgaben der Angestellten sind so vielfältig, dass normalerweise keine Zeit bleibt, das Haus zu verlassen. Wegen Corona war es zuletzt ein wenig anders.“ Für sinnvoll erachtet auch Dr. Thomas Harbich, Fraktionsvorsitzender der CSU, das Angebot. Vandalismus sei ein großes Thema in Kaufering, da könne die Sicherheitswacht durch Präsenz unterstützen.

Landsbergs Polizeichef Bernd Waitzmann, der das Konzept vorstellte, betonte, dass die Sicherheitswacht als Bindeglied zwischen den Bürgern und der Polizei gedacht sei und sich um alltägliche Probleme im öffentlichen Raum kümmern soll. Dazu zählten unter anderem Lärmbelästigungen, Auto- und Radfahrer, die sich nicht an die Regeln halten oder auch illegal entsorgter Müll. Letzteres werde dann an die Verwaltung weitergegeben. Die Befugnisse reichen über die normaler Bürger hinaus: Sie dürfen auch Personalien feststellen und einen Platzverweis aussprechen. Ausgerüstet sind die Mitglieder mit Funkgerät, Taschenlampe, Reizstoffsprühgerät und Erste-Hilfe-Set.

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Vor dem Einsatz erfolgt eine Lagebesprechung

Ob die Mitglieder der Sicherheitswacht frei entscheiden dürften, wo sie unterwegs sind, wollte SPD-Fraktionschef Thomas Wiesmann wissen. Vor jedem Einsatz gebe es eine kurze Lagebesprechung, so Waitzmann und ein Landsberger Mitglied der Wehr äußerte „Wir kennen die Ecken schon, wo es sich lohnt vorbeizuschauen.“ Der Fuggerplatz in Kaufering wurde im Zuge der Debatte beispielsweise genannt, aber auch Naherholungsgebiete.

Kritisch äußerte sich Cäcilie Nebel (Grüne). Sie sei „vielleicht zu den falschen Zeiten unterwegs“, mutmaßte sie. Sie könne jedenfalls in Kaufering keine Brennpunkte ausmachen. Markus Wasserle ( SPD) lud sie darauf hin zu sich nach Hause ein. „Ich muss nur aus dem Fenster schauen, dann weiß ich, dass es dringend erforderlich ist.“ Wasserle wohnt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Auch die „Corona-Partys“ in Kaufering in den vergangenen Wochen hätten den Bedarf aufgezeigt. Es kam zudem die Frage auf, wann die Sicherheitswacht unterwegs sei, schließlich gebe es die meisten Probleme zu vorgerückter Stunde. Im Sommer könne es schon mal sein, dass er bis 23 Uhr unterwegs sei, so einer der beiden Sicherheitswachtler aus Landsberg. „Das hängt natürlich immer auch ganz entscheidend vom Wetter ab.“

Sorge vor Denunziationen

Mehrere Facetten hat das Thema aus Sicht von Patrick Heißler (Grüne). Beim Parkplatz des Rewe oder auf dem Fuggerplatz bringe das Projekt etwas. Dass die Sicherheitswacht aber auch durch die Siedlungen laufen und beobachten solle, finde er „grenzwertig“. Und er fürchtet „Denunziationen“ von Mitbürgern. Parteikollege Jürgen Strickstrock erkundigte sich beim Landsberger Polizeichef Bernd Waitzmann, was genau das Ziel sei und wie Erfolge des Projektes gemessen werden könnten. Es gebe keine konkreten Ziele, so der Beamte. „Wenn es in ihrer Kommune keine Bürger gibt, die sich über Probleme im öffentlichen Raum beklagen, dann brauchen sie auch keine Sicherheitswacht“, so Waitzmann.

Allein daraus, dass die Landsberger Sicherheitswacht fünf Mitglieder habe, die zwischen 15 und 25 Stunden im Monat unterwegs seien, werde schon ersichtlich, dass es ein ergänzendes Angebot sei, keines, das flächendeckend und permanent angelegt sei, fügte er hinzu. Er könne aber, wenn dies gewünscht sei, gerne nach einer gewissen Zeit im Marktgemeinderat über die Erfahrungen berichten. Weitere Mitglieder auszubilden, scheitere aktuell an den Corona-Beschränkungen, so Waitzmann.

Von den 25 Marktgemeinderäten votierten die drei Grünen-Räte Patrick Heißler, Cäcilie Nebel und Elisabeth Glaser gegen die Einrichtung einer Sicherheitswacht. Bislang gibt es ein solches Angebot nur in Landsberg. Geltendorf dürfte aber bald folgen. Das Innenministerium hat laut Polizei dafür im Dezember grünes Licht gegeben. Kaufering wäre dann voraussichtlich die dritte Gemeinde im Landkreis, in der die Sicherheitswacht etabliert wird.

Teilnahme: Interessenten, die bei der Sicherheitswacht mitmachen wollen, sollen sich bei der Polizei Landsberg unter Telefon 08191/932-0 melden.


Lesen Sie dazu auch: Was die Landsberger Sicherheitswacht in der Freinacht erlebt hat

Den Kommentar zum Text finden Sie hier: Die Sicherheitswacht ist im Einsatz für die Mitbürger

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