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Penzing

10.12.2018

Müssen die Flugsportler Penzing verlassen?

Thomas Schneider aus Schondorf ist der Vorsitzende der Flugsportgruppe Landsberg. Die Flugzeuge des Vereins sind zurzeit in Halle 1 am Fliegerhorst in Penzing untergebracht. Bis Ende Juni nächsten Jahres muss sie geräumt sein.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Bundeswehr zieht sich vom Fliegerhorst zurück. Deswegen soll auch die Flugsportgruppe Ende Juni 2019 das Gelände räumen. Doch der Vorsitzende Thomas Schneider möchte den Nutzungsvertrag unbedingt verlängern.

An diesen Tag im Juni erinnert sich Thomas Schneider nicht gern. „Die Nachricht von der Kündigung hat uns regelrecht überrollt“, sagt er. Der 43-Jährige ist der Vorsitzende der Flugsportgruppe Landsberg, die auf dem Fliegerhorst in Penzing fliegen durfte, solange das Militär vor Ort war. Ende des Jahres ist damit aber Schluss. Die Bundeswehr hat den Vertrag gekündigt. Bis Ende Juni 2019 muss der Verein das Gelände räumen. Noch immer ringen Schneider und seine Mitstreiter um eine Verlängerung des Vertrags. Ein Schreiben, das er vor wenigen Tagen erhalten hat, macht ihm aber wenig Hoffnung.

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60 Personen fliegen regelmäßig

Thomas Schneider lebt in Schondorf und ist Kapitän bei der Lufthansa. Das Fliegen hat er im Alter von 15 Jahren in Penzing gelernt. Als Vorsitzender der Flugsportgruppe vertritt er die Interessen von rund 90 Mitgliedern, von denen etwa 60 noch regelmäßig fliegen. Dabei nutzen sie die Maschinen des Vereins, zwei Motorflieger, zwei Ultraleichtflieger und vier Segelflugzeuge. Sie alle stehen in Halle 1. Früher waren dort die Hubschrauber untergebracht.

Für den Penzinger Fliegerhorst ist mittlerweile das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Landsberg zuständig. Es hat den Vertrag mit der Flugsportgruppe zum 30. September gekündigt und später bis Ende des Jahres verlängert. Bis dahin dürfen die Vereinsmitglieder noch fliegen, Ende Juni nächsten Jahres müssen sie das Gelände aber verlassen haben. Doch wohin sollen sie? Auf dem Lechfeld wird es laut Schneider eng, weil dort auch die Flugsportler aus Fürstenfeldbruck unterkommen möchten. Die andere Alternative Kaufbeuren sei für viele Vereinsmitglieder zu weit weg. Das Einzugsgebiet der Flugsportgruppe liege in Landsberg, rund um den Ammersee und reiche bis München.

Müssen die Flugsportler Penzing verlassen?

Die Lage in Penzing ist ideal

Und dann ist da noch die besondere Lage des Flugfeldes in Penzing. Die Ost-West-Ausrichtung sei ideal. Denn: „Beim Start sollte der Wind von vorne kommen“, sagt Thomas Schneider. Hinzu komme die 2,8 Kilometer lange Höhenwinde des Vereins für den Segelflug. Dank ihr könnten Flughöhen von bis zu 1000 Metern erreicht werden. „Seit wir die Winde haben, kommen immer mehr Besucher“, sagt der Vorsitzende. So ein Gelände gebe es in Süddeutschland nicht noch einmal. Das habe auch der Förderverein Strecken- und Wettbewerbssegelflug Baden-Württemberg erkannt, dessen Mitglieder im Herbst als Gäste in Penzing starteten.

Damit sein Verein in Penzing bleiben kann, hat Thomas Schneider ein Konzept erstellt, dass er der Bundeswehr und der Gemeinde Penzing zukommen hat lassen. Denn wenn sich die Bundeswehr wie geplant Ende nächsten Jahres vom Fliegerhorst zurückzieht, könnte er in die Hände der Gemeinde übergehen. Dadurch würden sich die Verhandlungen aber eher schwierig gestalten. „Aktuell haben wir ein Problem der Zuständigkeit“, sagt der 43-Jährige. Denn Penzings Bürgermeister Johannes Erhard will keine falschen Versprechen abgeben. Zudem sei er an einen Gemeinderatsbeschluss gebunden, der eine künftige fliegerische Nutzung des Fliegerhorsts ausschließt.

1500 motorisierte Starts im Jahr

Thomas Schneider kann die Penzinger durchaus verstehen, dass sie keinen großen Flugbetrieb mehr haben wollen. Der Schwerpunkt der Flugsportgruppe liege aber beim Segelflug. Sein Konzept sieht vor, dass die motorisierten Maschinen im Westen des Geländes starten und landen und nicht über den Ort fliegen. Zuletzt habe es 1500 motorisierte Starts im Jahr gegeben. „Segelflüge waren es deutlich mehr.“

Bürgermeister Erhard hofft auf eine Übergangslösung zwischen der Flugsportgruppe und der Bundeswehr. Doch vom in Penzing ansässigen Dienstleistungszentrum kam zuletzt eine Absage. In einem Schreiben an Thomas Schneider wird die Kündigung erneut begründet und eine Verlängerung des Nutzungsvertrags abgelehnt. Darin heißt es unter anderem: „Nach dem Verlassen der letzten Soldaten der Luftwaffe am 30.06.2019 sind keinerlei Betriebsausgaben durch das Dienstleistungszentrum zu rechtfertigen, mit Ausnahme derer, die zur Vorbereitung der Abgabe der Liegenschaft dienen.“

Thomas Schneider könnte damit leben, dass nicht mehr in den Standort investiert wird. Für den Segelflug müsse die Landebahn nicht genutzt werden, es reiche die Wiese nebenan. Zudem regle die Flugbetriebsordnung alles, die Piloten seien verantwortlich, unter anderem für die Wettervorhersage. Noch hat der Vorsitzende die Hoffnung nicht aufgegeben. Demnächst will er mit Landrat Thomas Eichinger und Oberbürgermeister Mathias Neuner sprechen.

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