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Landkreis Landsberg

21.08.2019

Warum die Landwirte im Landkreis mit der Ernte zufrieden sind

Die meisten Getreidefelder im Landkreis Landsberg sind mittlerweile abgeerntet. Unser Foto entstand bei der Ernte eines Dinkelfelds von BBV-Kreisobmann Johann Drexl bei Kaufering.
Bild: Thorsten Jordan

Fast alle Getreidefelder im Landkreis Landsberg sind abgeerntet. Was die Landwirte und ein vom Hagelschlag betroffener Milchbauer erzählen

Heiße Tage vor einer Regenperiode Mitte August, da hieß es am vergangenen Wochenende für viele Bauern ihr letztes Getreide dreschen. Das Wetter war heuer problematisch: kühles Frühjahr, viel Regen Ende Mai, Hagel im Juni, Trockenheit im Juni und Juli und jetzt ein täglich wechselndes Wetter zur Ernte. Das Landsberger Tagblatt hat sich mit dem Kreisobmann des Bauernverbandes Johann Drexl und zwei weiteren Landwirten sowie Experten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Landsberg unterhalten.

Unwetter am Pfingstmontag

Für viele Landwirte war das schlimmste Wettererlebnis heuer das Unwetter am Pfingstmontag: Der Hagel zog vom Südwesten her aus Richtung Denklingen über Pflugdorf, Reichling, Thaining, Hofstetten Richtung Schondorf – um nur einige der betroffenen Orte zu nennen – weiter gen Osten. „Bei der Hauptfrucht hatte ich 100 Prozent Ausfall“, sagt Landwirt Andreas Hager aus Issing beim Erntegespräch, Getreide und Raps habe es verhagelt und auch den Mais, den er auf Teilflächen nachgebaut habe.

Denn für ihn als Milchbauern geht es nicht nur darum, dass er einen Gewinnausfall hat: Für einen Milchviehbetrieb sei wichtig, dass er genügend Futter für sein Vieh erzeugen kann. Getreide und Stroh habe er zugekauft, erzählt Hager. Beim Grünland, also den Wiesen, die auch für die Gewinnung des Winterfutters nötig sind, fehle ihm ein Schnitt. „Der Hagel ist sehr früh im Jahr gekommen, am 10. Juni. Meine Eltern erinnern sich nicht, dass es jemals so früh hagelte.“ Dadurch bestand aber die Chance, dass erneut ausgesät werden konnte. Einige Getreidefelder hat Hager stehen lassen, um zu sehen, ob sich diese verhagelten Bestände noch entwickeln. Dort habe man aber keine Pflanzenschutzmaßnahmen, wie beispielsweise gegen Pilzerkrankungen mehr durchgeführt. „Die Felder waren schwarz und es hat gestaubt beim Dreschen “, erzählt Andreas Hager. Er habe gerade noch so viel ernten können, dass die Erntekosten reingekommen seien.

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Bis spät in die Nacht wurde gedroschen

„Um 2 Uhr bin ich in der Nacht auf Sonntag mit dem Dreschen fertig geworden, um fünf nach 2 Uhr ist der Regen gekommen“, berichtet Stefan Wild aus Hurlach. Nach dem regenreichen Mai fehlte später auf den dortigen nicht sehr tiefgründigen Lechfeldböden die Feuchtigkeit. „Die Sommergerste ist ein bisschen vertrocknet und auch für den Weizen war es ein wenig zu trocken.“ Beim Mais sei gut gewesen, dass er noch nicht in der Kolbenbildung gewesen sei, als es trocken war, erzählt Wild. „Der Mais hat sich erholt.“ Trotzdem seien die Erträge insgesamt zufriedenstellend. „Das Biogetreide hat gut gedroschen“, sagt Stefan Wild, der einen Biobetrieb führt. Und auch sonst seien die Erntemengen heuer auf dem Lechfeld ganz normal.

Durchschnittlich bis gut sind laut Kenntnis von Johann Drexl die Erträge im Landkreis, wo es nicht gehagelt hat. Im Durchschnitt liege der Winterweizen bei 80 bis 90 Doppelzentner pro Hektar. Er geht davon aus, dass der nasse Mai den Böden im Lechfeld gutgetan hat. Statt den im Schnitt der Jahre üblichen 106 Liter pro Quadratmeter habe es laut Deutschem Wetterdienst 200 Milliliter geregnet, berichtet er. Für die Landsberger Platte mit ihren fruchtbaren Böden war die kurze Trockenheit im Juni und Juli laut Drexl kein Thema. Dort habe der Weizen teilweise Ergebnisse von bis zu 100 Doppelzentner pro Hektar. Bei der Sommergerste lägen die Erträge im Landkreis bei 60 bis 80 Doppelzentner, der Proteingehalt liege an der oberen Grenze dessen, was zulässig ist.

"Nervenaufreibende" Erntebedingungen

Die Erntebedingungen – Sonne-Regen-Sonne-Regen – seien „nervenaufreibend gewesen“ sagt Stefan Wild. Andererseits tut der jetzige Regen laut Drexl den Zwischenfrüchten sowie Mais und Kartoffeln gut. Er hat selbst am Wochenende zum letzten Mal gedroschen und er hat auch schon eine Proberodung bei den Kartoffeln durchgeführt. Die Speisequalität sei durchschnittlich: „Man kann zufrieden sein.“

Pflanzenbauberater Alexander Mack beschreibt auch ein wettertechnisch schwieriges Jahr mit kühlem Frühjahr, danach relativ viel Regen, Trockenheit und nun immer wieder Regen während der Ernte. Auf den weniger tiefgründigen Böden im Lechfeld sei der Regen gerade noch rechtzeitig gekommen. Er spricht von unterschiedlichen Betriebsergebnissen. Es sei vorgekommen, dass ein lokaler Starkregen beim erntereifen Getreide Körner ausschlug. Wie viele Betriebe vom Hagel betroffen waren, kann Alexander Mack nicht sagen.

Sein Kollege Nikolaus Bachinger schätzt anhand der Orte, dass es sich um eine dreistellige Zahl an betroffenen Betrieben handelt – es gibt rund 1200 Landwirte im Landkreis. Die Landwirte hätten auf den Hagel sehr flexibel reagiert. Mithilfe der Verwaltung sei zumeist ein Nachbau möglich gewesen und trotzdem hätten die EU-rechtlichen und nationalen förderrechtlichen Vorgaben eingehalten werden können.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Ernte im Landkreis: Die Landwirte leiden unter dem Wetter

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