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Bad Wörishofen

08.01.2021

Altbürgermeister Holetschek nun Minister: Eine Chance für Bad Wörishofen?

Altbürgermeister von Bad Wörishofen und jetzt neuer Gesundheitsminister in Bayern: Klaus Holetschek (56) wird am heutigen Freitag im Ministeramt vereidigt.

Plus Die Ernennung des CSU-Politikers und früheren Bad Wörishofer Bürgermeisters Klaus Holetschek weckt auch in der Region Hoffnungen. Parteifreunde sind begeistert und sein ehemaliger Grundschullehrer ist stolz.

Hunderte Glückwünsche fand Klaus Holetschek schon am Mittwoch auf seinem Handy – gerade war er von Ministerpräsident Söder zum Gesundheitsminister ernannt worden. Und auch gestern nahmen die Glückwünsche kein Ende – viele davon kamen aus Bad Wörishofen, wo Klaus Holetschek von 2002 bis 2013 Bürgermeister war und noch immer viele Freunde hat.

Klaus Holetschek machte am Joseph-Bernhart-Gymnasium in Türkheim Abitur

Hier wuchs der 1964 in Landshut geborene Holetschek auf, besuchte die Grundschule und wechselte auf Zuraten seines damaligen Lehrers Helmut Bader ans Joseph-Bernhart-Gymnasium in Türkheim, wo er 1984 sein Abitur machte.

Helmut Bader erinnert sich noch gut an seinen damaligen Schüler, den er als „sehr ruhig und fleißig“ im Gedächtnis behalten hat. Schon als Bub in der 4. Klasse sei Klaus Holetschek „brav und fleißig“ gewesen, aber eben auch sehr ruhig und zurückhaltend. Dass aus dem kleinen Klaus mal ein gestandener Politiker werden sollte, konnte sich Helmut Bader zunächst eigentlich gar nicht vorstellen. Umso mehr verfolgte der MZ-Mitarbeiter dann die meist steil noch oben verlaufende Politiker-Karriere von Holetschek, die jetzt in der Ernennung zum Gesundheitsminister ihren (vorläufigen?) Höhepunkt fand.

Als Fußballer beim FC Bad Wörishofen war Klaus Holetschek ein Teamspieler

Auch als Fußballer war Holetschek beim FC Bad Wörishofen aktiv und seine Sportlerkarriere erinnert fast ein wenig an seine spätere Politikerlaufbahn: Holetschek sei zwar nie der Star der Mannschaft gewesen, habe aber stets auf allen Positionen eingesetzt werden können und setzte alles daran, seinem FCB-Team zu helfen – wenn es sein musste, auch von der Ersatzbank aus, erinnert sich Helmut Bader schmunzelnd an seinen Schüler.

Danach ging es für den Bad Wörishofer zunächst nur steil nach oben: Er studierte von 1984 bis 1990 Jura an der Universität Augsburg, arbeitete ab 1993 als Rechtsanwalt und als Referent für journalistische Nachwuchsförderung bei der Hanns-Seidel-Stiftung in München.

Seit 1981 war er Mitglied der Jungen Union bei, ein Jahr später der CSU. Von 1985 bis 1994 prägte er als Kreisvorsitzender die JU Unterallgäu, von 2003 bis 2015 die CSU Bad Wörishofen als Ortsvorsitzender. 1998 zog er über die CSU-Landesliste in den Bundestag ein, aus dem er am 6. Mai 2002 ausschied, nachdem er zum Bürgermeister von Bad Wörishofen gewählt wurde. Bis 2013 hatte er die Zügel im Rathaus der Kneippstadt fest im Griff, auch wenn seine Karriere durch die Niederlage bei der Landratswahl im Jahr 2006 einen herben Dämpfer bekommen hatte.

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Dass der ambitionierte CSU-Frontmann ausgerechnet gegen den damals relativ unbekannten FW-Kandidat Hans-Joachim Weirather unterlag und nicht wie geplant die Nachfolge von Hermann Haisch im Mindelheimer Landratsamt antreten konnte, war die wohl bitterste Niederlage Holetscheks.

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Doch damit nicht genug: Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn, weil er angeblich als Rathauschef der Therme Bad Wörishofen zu wenig Fremdenverkehrsbeiträge abverlangt habe. Das Ermittlungsverfahren wurde aber eingestellt.

Therme Bad Wörishofen, Eröffnung Vital-Parcours, Jörg Wund links mit Klaus Holetschek
Bild: Markus Heinrich

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2013 dann der Wechsel vom Bad Wörishofer Rathaus-Chefsessel in den bayerischen Landtag als Stimmkreisabgeordneter von Memmingen. Holetschek, der seit frühen JU-Zeiten als enger Vertrauer von Ministerpräsident Söder gilt, wurde 2018 erst Bürgerbeaufragter der Staatsregierung, danach Staatssekretär im Verkehrsministerium und im August 2020 dann Staatssekretär von Melanie Huml, die er jetzt als Gesundheitsminister ablösen wird. Am Freitag wird Klaus Holetschek vereidigt. Auf Anfrage wollte sich Holetschek vor seiner offiziellen Vereidigung noch nicht gegenüber der MZ äußern.

Holetschek machte sich zuletzt stark für die Kur als Pflichtleistung der Krankenkassen

Seine enge Verbindung zur Kur- und Kneippstadt Bad Wörishofen ist wohl auch Grundlage für seinen guten Ruf als Gesundheitspolitiker. Als Vorsitzender des Kneippbundes und des Landesgesundheitsrates Bayern hat sich Holetschek zuletzt auch massiv für eine Aufnahme der Kurleistungen in die Pflichtaufgaben der gesetzlichen Krankenkassen stark gemacht.

CSU-Kreisvorsitzender und Wirtschaftsminister a.D. Franz Josef Pschierer findet es nur konsequent, dass sein Parteifreund jetzt ins Ministeramt aufrückt – schließlich habe Holetschek als Staatssekretär im Gesundheitsministerium schon „hervorragende Arbeit“ geleistet. Gerade in der Corona-Krise sei es gut, dass jetzt ein Kommunalpolitiker in diesem Amt seine Erfahrungen einbringen könne und die notwendigen Maßnahmen im engen Schulterschluss mit den Kommunen umsetze. Zudem sei Holetschek durch seine Zeit als Vorsitzender des Kneippbundes ein Gesundheitspolitiker, für den Naturheilverfahren eine entscheidende Rolle spielen, so Pschierer: „Ein Minister Klaus Holetschek ist eine Stärkung für die gesamte Gesundheitsregion Allgäu“.

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Stefan Welzel, Bürgermeister von Bad Wörishofen gratuliert seinem Vor-Vorgänger ebenfalls herzlich: „Wir erhoffen uns mit der Ernennung Holetscheks zum Gesundheitsminister eine noch gewichtigere Fürsprache für die Wiedereinführung der Kur als Pflichtleistung.“ Hier sei geplant, heuer auf Bundesebene ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen. „Das kann für die Gesundheitsstadt Bad Wörishofen wichtige Impulse geben“, so Welzel. „Parallel dazu wird die Stadt gemeinsam mit der heimischen Hotellerie und Gesundheitswirtschaft diesen Weg aktiv begleiten.“ Darüber hinaus freue man sich natürlich, wenn im Mai der bayerische Gesundheitsminister beim Kneipp-Jubiläum dabei ist. „Der direkte Draht des Bürgermeisters ins Ministerium ist für die Kommune immer von Vorteil.“

Die Parteifreunde von Klaus Holetschek sind von seiner Beförderung begeistert

Für 3. Bürgermeisterin Michaela Bahle-Schmid ist die Ernennung von Klaus Holetschek zum Gesundheitsminister „auch für die Kneippstadt ein gutes Signal, gerade auch für die Zeit nach der aktuellen Corona-Krise“. Holetschek habe sich unter anderem durch seine lange Erfahrung als Präsident des Heilbäderverbandes eine Expertise für Gesundheitspolitik erarbeitet.

Klaus Holetschek darf sich ab sofort Altbürgermeister nennen. Der amtierende Bürgermeister Josef Fischer überreichte ihm die Urkunde im Kursaal.

Die jüngsten Verlautbarungen, nach denen in Zukunft im Gesundheitswesen wieder mehr auf Prävention gesetzt werden soll, könne „für Bad Wörishofen nur positiv sein, denn dies betrifft ja in erster Linie auch die Kuren“, ist Bahle-Schmid überzeugt. Persönlich kenne sie Holetschek als „erfahrenen, pragmatischen Politiker“, der seine kommunale Basis nie aus den Augen verloren habe und ein gutes Bindeglied zwischen den Kommunen und der Staatsregierung sein werde.

„Für die Region Memmingen ist es ein großer Vorteil, dass sie wieder einen Minister hat“, sagt Josef Miller (CSU) über die Ernennung seines Parteikollegen Klaus Holetschek zum bayerischen Gesundheitsminister. Er freue sich riesig, dass Holetschek ihm nun nicht nur als Abgeordneter, sondern auch als Minister nachfolgt – wenn auch in einem anderen Ministerium. Aber da sei Holetschek genau richtig, ist Miller überzeugt. „Er ist aus seiner Zeit als Bürgermeister von Bad Wörishofen gut vernetzt, etwa im Heilbäderverband und im Kneippbund.“

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Zunächst einmal sei Holetschek nun aber der Minister, „der an den Brennpunkten arbeiten muss“, betont Miller. Die wichtigste Aufgabe sei schließlich, dafür zu sorgen, „dass Corona ganz verschwindet“, sagt der 73-Jährige. „Da steht er jetzt an der Spitze.“

Dass Holetschek dieser Aufgabe gewachsen ist, daran zweifelt Miller nicht. „Ich wüsste keinen anderen“, sagt Miller. Die Ernennung zeige deutlich, dass auch Ministerpräsident Markus Söder ihm diese Aufgabe zutraue.

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