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Neu-Ulm

25.02.2018

Förderprogramm soll Pflege-Branche in Neu-Ulm beflügeln

Elena Zeschik aus Weißenhorn (hier im Bild mit Bewohnerin Anna Langer) arbeitet im Pflegeheim Senioren-Wohnen Ludwigsfeld und macht derzeit eine Weiterbildung zur Altenpflegerin. Dabei wird sie finanziell von der Agentur für Arbeit unterstützt.
Bild: Alexander Kaya

In der Altenpflege im Kreis Neu-Ulm fehlen viele Fachkräfte. Ein Förderprogramm soll Abhilfe schaffen – indem angelernte Beschäftigte sich zu Spezialisten weiterbilden.

Im Pflegeheim Senioren-Wohnen Ludwigsfeld des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gibt es 208 Pflegeplätze – theoretisch. Nur 169 davon sind belegt, obwohl momentan bereits 65 bis 70 alte Menschen auf der Warteliste der Einrichtung stehen. Der Grund: Um das Haus voll belegen zu können, müsste das Neu-Ulmer Seniorenheim eine Fachkräfte-Quote von 50 Prozent erfüllen. Und das schaffen die Betreiber derzeit nicht. Denn in der ganzen Region fehlen ausgebildete Altenpfleger. „Die Pflege befindet sich zunehmend in einem Notstand“, klagt Ralf Waidner, Leiter des Senioren-Wohnen Ludwigsfeld. Fast alle Einrichtungen hätten momentan Probleme, genügend qualifiziertes Personal zu bekommen. Die Agentur für Arbeit will mit einem Förderprogramm Abhilfe schaffen. Gering qualifizierte Beschäftigte können sich dadurch zu Fachkräften in der Altenpflege weiterbilden. So haben sie langfristig bessere Perspektiven im Job und verdienen mehr als vorher. Das gilt auch für Mitarbeiter, die schon mitten im Leben stehen.

Zum Beispiel Elena Zeschik aus Weißenhorn. Die 47-Jährige machte vor 30 Jahren in Italien eine Ausbildung zur Krankenschwester. Danach war sie 15 Jahre lang in der Gastronomie tätig. Als sie dann wieder in die Pflege wechselte und in der Seniorenanlage in Ludwigsfeld anfing, wurde ihr Abschluss von damals nicht mehr anerkannt. Also arbeitete sie zunächst als Helferin. Sie hatte jedoch den Ehrgeiz, sich weiter zu qualifizieren. „Deswegen hieß das: Von vorne anfangen“, sagt sie heute. Mithilfe der Förderung durch die Agentur für Arbeit begann sie eine Weiterbildung zur Altenpflegerin und ist nach wie vor begeistert: „Ich habe keinen Tag daran gezweifelt. Im Gegenteil, ich habe jeden Tag gedacht: Ja, das ist das Richtige.“ Als Fachkraft trage sie künftig mehr Verantwortung für die abwechslungsreiche Arbeit, die ihr viel Freude bereitet. „Wir haben mit Menschen zu tun. Es ist jeden Tag anders“, sagt Zeschik. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert sie im Senioren-Wohnen Ludwigsfeld und in anderen Einrichtungen, Theorie büffelt sie in der Valckenburgschule in Ulm. Bald hat sie’s geschafft: „Ich stehe kurz vor den Prüfungen.“

Weil Altenpfleger händeringend gesucht werden, ist die Weiterbildung auch eine Art Versicherung für die Zukunft. Doch viele Arbeitnehmer können es sich nicht leisten, drei Jahre lang nur eine Ausbildungsvergütung zu bekommen. Diese Lücke zum vorherigen Gehalt füllt das Sonderförderprogramm. „So haben wir eine Win-win-Situation“, sagt Richard Paul, der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Donauwörth, die auch für den Kreis Neu-Ulm zuständig ist. Auf der einen Seite wird dem Fachkräftemangel in der Pflegebranche entgegen gewirkt, auf der anderen Seite haben die Nutzer des Programms einen sicheren Job mit mehr Geld und Aufstiegschancen. „Die Karriereleiter ist damit noch nicht zu Ende“, betont zudem Einrichtungsleiter Ralf Waidner.

Etwa 900000 Euro hat die Agentur für Arbeit voriges Jahr in das Programm mit dem sperrigen Namen „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ (Wegebau) gesteckt. 75 Umschulungen gab es voriges Jahr in den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg, Dillingen und Donauwörth, davon 50 im Pflegebereich. „Wir können aber noch mehr machen“, sagt Richard Paul. Der Bedarf sei da, glaubt Thomas Maier, Vermittler im Arbeitgeber-Service der Agentur. „Ich denke, das kommt auch verstärkt auf die Baubranche zu.“

Ralf Waidner und sein Team hoffen, dass sie über das „Wegebau“-Programm die Personal-Lücke zum Teil schließen können. In diesem Jahr sollen noch mindestens sechs Mitarbeiter für eine Umschulung zur Fachkraft angemeldet werden. Weitere sind in der Warteschleife. „Auch Wiedereinstieg ist ein wichtiges Thema“, erläutert Waidner. Denn mit Azubis allein lässt sich der Bedarf nicht decken. Bis das Seniorenheim wieder ein volles Haus melden kann, muss noch viel getan werden: „Aktuell brauchen wir 14 Fachkräfte, um die Quote wieder erfüllen zu können.“

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