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Ulm/Landkreis Neu-Ulm

07.11.2019

Gratis-Nahverkehr am Samstag: Ein Modell für den Landkreis Neu-Ulm?

In Ulm und Neu-Ulm können Bürger momentan jeden Samstag kostenlos mit dem Bus oder der Straßenbahn fahren. Die Kreis-SPD schlägt vor, dieses Angebot auf den ganzen Landkreis Neu-Ulm auszuweiten.
Bild: Alexander Kaya

Plus In Ulm und Neu-Ulm dürfen Bürger samstags umsonst Bus und Bahn fahren. Wie das Angebot angenommen wird und was eine Ausweitung kosten würde.

Seit April können Bürger in Ulm und Neu-Ulm jeden Samstag kostenlos mit Bus und Bahn fahren. Der Gratis-Nahverkehr ist eine Reaktion der Stadt Ulm auf die Dauerbaustelle am Hauptbahnhof und soll dazu beitragen, dass die Innenstadt trotz der widrigen Umstände für Besucher erreichbar und attraktiv bleibt. Das Angebot kommt gut an, die Fahrgastzahlen sind deutlich gestiegen. Im Dezember entscheidet der Ulmer Gemeinderat darüber, ob der Gratis-Nahverkehr fortgeführt wird, denn nach derzeitigem Stand wäre Ende des Jahres Schluss. Ist der kostenfreie ÖPNV auch für den gesamten Landkreis Neu-Ulm denkbar? Das hat jetzt die SPD-Kreistagsfraktion ins Spiel gebracht.

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SPD schlägt kostenlosen Nahverkehr an Samstagen auch für den Kreis vor

Die Genossen schlagen vor, den Gratis-Nahverkehr an Samstagen für 18 Monate versuchsweise auf den Landkreis auszudehnen (wir berichteten). „Der ÖPNV bietet ein enormes Potenzial, um einerseits CO2 einzusparen und andererseits Belastungen des Individualverkehrs für die Anwohner zu reduzieren“, schreibt die SPD-Fraktion in ihrem Antrag an Thorsten Freudenberger (CSU). „Die Stadt Ulm hat durch die Finanzierung des fahrscheinlosen Nahverkehrs an Samstagen hier einen großen Erfolg erzielt. Innovative und moderne Nahverkehrskonzepte dürfen nicht an Verwaltungsgrenzen enden.“

Die Verkehrsexperten im Landratsamt müssen erstmal Daten sammeln

Die Verkehrsexperten des Landkreises müssen nun zunächst alle relevanten Daten ermitteln, was eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird, wie das Landratsamt Neu-Ulm auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte. Erste Informationen zu dem SPD-Antrag und über die weitere Vorgehensweise würden am kommenden Montag in der Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses bekannt gegeben.

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In Ulm stieg die Zahl der Fahrgäste deutlich an

Aus Sicht der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) ist der freie Nahverkehr an Samstagen bislang ein Erfolg. Die städtische Tochtergesellschaft verzeichnete ein Fahrgastplus von etwa 45 Prozent. Deutlich über 80000 Menschen sind samstags mit Bussen und Straßenbahnen unterwegs. Der Anstieg sei aber nicht allein den Freifahrten zuzurechnen. Auch das seit Dezember vorigen Jahres ausweitete Angebot dürfte nach Einschätzung der SWU eine Rolle spielen. So setzt nun samstags der Zehn-Minuten-Takt auf den Hauptlinien bereits gegen 10 Uhr ein. Wie viele Menschen tatsächlich wegen des Gratis-Nahverkehrs auf Bus und Bahn umsteigen, untersucht das Institut für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Ulm. Ist der Effekt so groß wie erhofft, spricht das für eine Fortsetzung des Testlaufs.

Der Gemeinderat Ulm entscheidet im Dezember, wie es weiter geht

In der letzten Gemeinderatssitzung dieses Jahres am 18. Dezember steht ein Bericht über die bisherigen Erfahrungen an. „Und dann wird entschieden, wie es weitergeht“, sagte Torsten Fisch, der Leiter der Taskforce Linie 2 der Stadt Ulm, der auch für das Projekt Gratis-Nahverkehr zuständig ist. In der Sitzung wird es auch ums Geld gehen. Für den freien Nahverkehr an Samstagen von April bis Dezember gibt die Stadt Ulm etwa 760000 Euro aus. Umgerechnet auf ein ganzes Jahr wäre das ungefähr eine Million Euro. Die Verwaltung schlägt vor, den Gratis-Nahverkehr zunächst um ein Jahr zu verlängern, mit der Option bis 2022. Bislang trägt die Stadt Ulm die kompletten Kosten. Mit der Stadt und dem Kreis Neu-Ulm fänden gerade noch Abstimmungen über eine mögliche Beteiligung statt, sagte Fisch.

Wie viel eine Ausweitung des Angebots auf den gesamten Landkreis Neu-Ulm kosten würde, kann der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (Ding) momentan noch nicht genau sagen. „Das ist eine extrem komplizierte Rechnung“, sagte Pressesprecher Markus Zimmermann. Denn die Fahrgastzahlen würden nicht nach Wochentagen und Gebietskörperschaften ermittelt, sondern nach Linien und Verkehrsunternehmen. Während im Stadtgebiet Ulm und Neu-Ulm hauptsächlich die SWU Verkehr für die Fahrleistungen zuständig ist, sind es im Landkreis mehr als ein Dutzend Unternehmen, darunter die Bahn. Es gibt mehr als 50 Buslinien, die selbstverständlich kreis- und länderübergreifend verlaufen. Je nach Zielort gelten unterschiedliche Preisstufen. Im gesamten Ding-Gebiet – dazu zählen Ulm, der Alb-Donau-Kreis, der Kreis Neu-Ulm und der Kreis Biberach – wurden 2018 etwa 63 Millionen Fahrgäste gezählt. Nach Angaben des Landratsamts waren es im Kreis Neu-Ulm etwa 8,75 Millionen. Zahlen für einzelne Wochentage liegen bislang nicht vor.

Der Verkehrsverbund DING rechnet mit einem sechsstelligen Betrag

Der Nahverkehrsverbund Ding kann deshalb bislang erst eine Schätzung der möglichen Kosten abgeben: „Wir gehen davon aus, dass es sich für den Kreis Neu-Ulm um einen sechsstelligen Betrag handelt“, sagte Markus Zimmermann. Da das ÖPNV-Netz in der Doppelstadt wesentlich dichter ist als im restlichen Landkreis Neu-Ulm, dürften die Kosten deutlich unter dem liegen, was die Stadt Ulm bislang zahlt. Ob es aber 300000 Euro sind oder eher 500000, muss der Verbund erst noch ausrechnen – wenn der Kreistag das will.

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