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Landkreis Neu-Ulm

03.12.2020

IHK Schwaben fordert: „Bitte keinen erneuten Lockdown“

Der zweite Lockdown hat nicht nur die Gastronomie hart getroffen. In Industrie und Handel macht sich Pessimismus breit.
Bild: Bernd Wüstneck

Plus Nach der neuesten Erhebung der IHK überwiegt derzeit noch der Pessimismus. Doch wenn es wieder aufwärts geht, soll die Region Neu-Ulm besser dastehen als Ulm.

Eigentlich hätte alles gut werden können. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr bekam die Wirtschaft einen massiven Dämpfer verpasst, alles ging nach unten, doch dann zog sie wieder an. Das belegen die Wirtschaftsumfragen der IHK Schwaben eindrücklich. Die Region Neu-Ulm packte es sogar besser als andere bayerische Gebiete.

„Wir waren auf einem verdammt guten Weg“, sagte am Mittwoch der IHK-Regionalvorsitzende von Neu-Ulm, Gerd Stiefel. Doch dann kam der zweite Lockdown. Jetzt sieht es nicht mehr ganz so rosig aus, wie die November-Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Schwaben ausweist. Nun überwiegt nach den Worten von Stiefel der Pessimismus stärker als im Frühjahr. Allerdings ist nicht alles schlecht. Das beteuerte die Spitze der IHK Schwaben, die in ihrer neuen Niederlassung in der Neu-Ulmer Edison-Allee die aktuellsten Einschätzungen zur Lage präsentierte. Dabei stellte sich heraus: Es wird in absehbarer Zeit wieder aufwärtsgehen – und der Landkreis Neu-Ulm wird sich nach einer jetzt vorgelegten Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos deutlich besser schlagen als der Nachbar Ulm.

Wegen Corona schwächelt die Nachfrage im Inland

Bis die Lage wieder so ist wie vor Corona, vergeht voraussichtlich geraume Zeit. Das könnte nach Expertenschätzung bis zum Jahr 2023 dauern. Derzeit regiert noch der Frust über den zweiten Lockdown. Als Hauptproblem sehen die befragten IHK-Mitglieder – rund ein Drittel hat sich an der Erhebung beteiligt – die schwächelnde Inlandsnachfrage an: „Die Leute haben wenig Kauflaune, der Handel darbt, das ist eine Katastrophe“, sagte Schwabens IHK-Geschäftsführer Marc Lucassen. Außerdem brauchten die Unternehmen Planungssicherheit, denn sie könnten ja nicht alle vier Wochen in den Lockdown gehen. Deshalb lautet seine klare Botschaft an die Politik: „Bitte keinen erneuten Lockdown.“

Was vielen Betrieben ebenfalls zu schaffen macht, sind die Ausfälle bei den Mitarbeitern. Beschäftigte in der Produktion könnten nicht einfach ins Homeoffice umziehen, wenn das Gesundheitsamt sie in Quarantäne schickt. Diese Ausfälle seien einfach nicht auszugleichen, so Lucassen. Deshalb ist die IHK froh darüber, dass wenigstens Schulen und Kitas offen bleiben, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiter zur Verfügung stehen und nicht zur Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssen. In diesem Zusammenhang kritisierte Lucassen, Gesundheitsämter agierten teilweise völlig unterschiedlich, weshalb einheitliche Vorgaben notwendig seien.

Die kurze Senkung der Mehrwertsteuer bringt nichts

Während sich Stiefel mit der Arbeit der hiesigen Ämter und Behörden im Großen und Ganzen zufrieden zeigte, merkte er kritisch an, die sechsmonatige Mehrwertsteuersenkung bringe überhaupt nichts. Wenn, dann müsse der reduzierte Satz bis Ende nächsten Jahres gelten. Und er regte an, den umstrittenen Soli nicht abzuschaffen, sondern ihn zum Abzahlen von Corona-Schulden zweckgebunden einzusetzen.

Wirtschaftsexperten: Nach Corona steht Neu-Ulm besser da als Ulm

Diese Position hatte er mit dem IHK-Präsidenten zwar nicht abgesprochen, aber der widersprach Stiefel auch nicht. Andreas Kopton war es wichtig, auch einige positive Botschaften zu verkünden, wie sie eben aus der Prognos-Studie herauszulesen sind. So werde Bayern aufgrund seiner sehr guten Voraussetzungen in den nächsten zehn Jahren wirtschaftlich sehr stark profitieren. Dabei hob er den Landkreis Neu-Ulm besonders hervor. Hier werde die Wirtschaftskraft um 11 bis 28 Prozent bis zum Jahr 2030 wachsen, in Ulm sei nur von 9 bis 11 Prozent auszugehen. Auch bei den Fachkräften werde es auf der bayerischen Seite der Donau deutlich besser aussehen als auf der württembergischen, wo statt eines Zuwachses ein Schwund zu erwarten sei. Kopton: „Wir nehmen solche Zahlen immer sehr ernst.“

Etwas, das nicht unbedingt mit Schwaben zu tun hatte, musste Kopton am Mittwoch ebenfalls noch loswerden: Die Corona-App sei eine, „die eigentlich nichts kann“. Der Datenschutz stehe dem Erfolg im Weg, deshalb müsse sie verbessert werden: „Baut die App aus“, forderte er.

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