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SSV Ulm 1846 Fußball

27.03.2020

Das machen die Bundesliga-Helden des SSV Ulm heute

Die Ulmer Bundesliga-Spieler David Zdrilic, Janusz Gora, Hans van de Haar, Philipp Laux, Rui Marques und Oliver Otto (von links) freuen sich am 12. Dezember 1999 über ihren 3:1-Heimsieg gegen den FC Kaiserslautern.
Bild: Jan Nienheysen, dpa (Archiv)

Plus 20 Jahre ist es her, dass der SSV Ulm 1846 in der Bundesliga spielte. Es folgte der direkte Wiederabstieg, nach dem einige Spieler gingen. Doch wie ging es für sie weiter?

Vor 20 Jahren hat der SSV Ulm 1846 Fußball, der damals noch zum Hauptverein gehörte und ohne den Zusatz „Fußball“ auskam, seine bislang prägendste Saison erlebt: Die bis heute erste und einzige Spielzeit in der Bundesliga. 1999/2000 war das. Mit dem direkten Wiederabstieg und in der Folge drei Insolvenzen hatte die Phase zwar auch einige unschöne Folgen, das Ulmer Donaustadion war seitdem aber nie mehr so voll und der Fußball in der Stadt nie mehr so wichtig wie damals. Doch was machen Trainer Martin Andermatt, Torwart Philipp Laux oder Sascha Rösler heute?

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Martin Andermatt (58), Trainer: Im März 1999 hatte der heute 58-jährige Schweizer den damaligen Trainer Ralf Rangnick abgelöst, der zum VfB Stuttgart gewechselt war. Auch wenn Rangnick einen großen Anteil am Aufstieg der Spatzen von der zweiten in die erste Bundesliga hatte, war es doch Andermatt, der als Aufstiegstrainer in die Vereinschronik einzog. Nach dem direkten Abstieg in Liga zwei wurde Martin Andermatt am 18. September 2000 gefeuert und heuerte im Juni 2001 bei Eintracht Frankfurt an, wo er bis März 2002 Trainer blieb. Es folgten Trainerämter in der Schweiz (unter anderem bei Young Boys Bern) und der Posten als Nationalcoach Liechtensteins. Zuletzt war Andermatt Mitglied im Aufsichtsrat der Fußballprofis von Hannover 96 und fungierte als Berater. Allerdings schied er im April vergangenen Jahres aus. 96-Geschäftsführer Martin Kind gab Andermatt eine Teilschuld an Hannovers Abstieg aus der Bundesliga.

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Philipp Laux (47), Torwart: Mit seinen 34 Partien ist der Schlussmann Ulms Rekord-Bundesligaspieler. Nachdem Ulm abgestiegen war, ging der Spatzen-Kapitän zurück zu Borussia Dortmund, von wo aus er im Jahr 1994 an die Donau gewechselt war. Zurück beim BVB war er aber nur Ersatzspieler und ging 2002 zu Eintracht Braunschweig. Lange spielen konnte er dort allerdings nicht. Wegen einer Verletzung im Knie wurde er zum Sportinvaliden. Dann begann die Karriere nach der Karriere. Laux studierte Psychologie und arbeitet momentan als Teampsychologe und Mentalcoach unter anderem für den DFB. 34 Bundesliga-Einsätze.

In der Saison 1999/2000 spielte der SSV Ulm in der Fußball-Bundesliga

Oliver Otto (47), Mittelfeld: Der Mittelfeldspieler war 1994 vom VfB Stuttgart zu den Spatzen gewechselt, weil er sich in der württembergischen Hauptstadt ungerecht behandelt gefühlt hatte. In Ulm war das offenbar anders. Otto blieb sieben Jahre und ging 2001 nach Griechenland zu Akratitos. Nach einem Jahr kam er zurück nach Deutschland und spielte für Waldhof Mannheim, Borussia Fulda, den SSV Reutlingen und seinen Heimatverein VfL Kirchheim. Heute arbeitet er als Pädagoge im Nachwuchsleistungszentrum des VfB. 33 Einsätze.

Oliver Unsöld (46), Abwehr: Derzeit steht der damalige Abwehrspieler Oliver Unsöld gar nicht so weit entfernt vom SSV Ulm an der Seitenlinie: Er ist Trainer des Landesligisten SC Ichenhausen (Landkreis Günzburg). Nachdem seine Zeit beim SSV Ulm endete, wechselte er im Sommer 2001 zu Greuther Fürth, blieb dort allerdings nur ein Jahr, begann für den alten Ulmer Rivalen SSV Reutlingen zu spielen und ging wiederum nach einem Jahr zu den Sportfreunden Siegen. Als Trainer war Unsöld in der Region ziemlich umtriebig: Beim SSV war er Co- und Cheftrainer und arbeitete außerdem bei Olympia Laupheim, beim SV Oberelchingen und FC Burlafingen. 33 Einsätze.

Rui Marques (42), Abwehr: So schillernd die Karriere von Rui Marques nach seiner Zeit in Ulm verlief, so wenig lässt sich heute über den 42-jährigen ehemaligen angolanischen Nationalspieler herausfinden. Er war nur für die eine Saison in der Bundesliga zum SSV gekommen, wechselte nach dem Abstieg zu Hertha BSC Berlin, dann zum VfB Stuttgart, zu CS Maritimo nach Portugal und im Anschluss weiter nach England zu Leeds United und Hull City. Er beendete 2010 seine Karriere. 32 Einsätze.

Joachim Stadler (50), Abwehr: Der Verteidiger hatte vor seinem Wechsel zum SSV 1997 schon zwei prominente Stationen in seiner Vita stehen: den FC Kaiserslautern und Borussia Mönchengladbach. Er blieb auch in Liga zwei den Ulmern erhalten, ging dann aber nach Griechenland zu Patraikos und anschließend zum FC Augsburg, wo er 2003 die Fußballschuhe an den Nagel hing. Beim Zweitligisten SV Sandhausen ist er derzeit Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. 31 Einsätze.

Nach einer Saison in der Bundesliga ist der SSV in die zweite Liga abgestiegen

Rainer Scharinger (53), Mittelfeld: Scharinger, der zwei Jahre lang für den SSV in der ersten und zweiten Liga spielte, tritt heute weniger als Fußballer in Erscheinung, sondern viel mehr durch sein soziales Engagement in seiner Heimatstadt Karlsruhe. Mit seiner Stiftung „Scharinger & Friends“ unterstützt er wohltätige Projekte und arbeitet als Verbandssportlehrer beim Badischen Fußballverband. Nach seiner Zeit in Ulm ging er zu den Stuttgarter Kickers, zum SV Sandhausen und zum Bahlinger SC, als Trainer arbeitete er unter anderem beim VfR Aalen, KSC und in Österreich beim SCR Altach. In Hoffenheim war er von 2006 bis 2007 außerdem Co-Trainer unter Ralf Rangnick. 29 Einsätze.

Sascha Rösler (42), Sturm: Rösler war 21 Jahre alt, als der SSV Ulm in die Bundesliga aufgestiegen ist. Seine jugendliche Art machte aus Rösler einen der Publikumslieblinge im Donaustadion, was auch daran lag, dass er schon in der Jugend für Ulm gespielt hat. Nach dem Abstieg blieb er noch eine Saison beim SSV und ging dann zu 1860 München, Greuther Fürth, Alemannia Aachen und Fortuna Düsseldorf. Beim heutigen Bundesligisten arbeitet Rösler als Teammanager, wofür er nach der Karriere als Spieler extra geschult wurde. Eine Trainerlaufbahn könne er sich aber auch vorstellen, wie er 2018 unserer Zeitung verriet: „Es ist nicht so, dass ich sage: Ich möchte die nächsten 20 Jahre lang Teammanager sein.“ Damals kehrte er im DFB-Pokal mit Düsseldorf zurück ins Donaustadion. 26 Einsätze.

Janos Radoki (48), Abwehr: Der in Ungarn geborene Deutsche war vor der Bundesligasaison der Ulmer von Greuther Fürth zum SSV gekommen und blieb zwei Jahre dort. Es verschlug ihn in der Folge nach Oberhausen und zum FC Augsburg. In der Region Augsburg heuerte er noch bei kleineren Vereinen an und beendete 2008 seine Laufbahn als Spieler. Anschließend ließ er sich zum Fußballlehrer umschulen und arbeitete unter anderem als Co-Trainer beim FC Heidenheim, als Chefcoach in Fürth und bis April 2019 beim Puskás AFC in Ungarn. Dort wurde er allerdings beurlaubt, angeblich wegen fehlenden Erfolgs. In einem Interview mit dem Portal Nordbayern ließ er jedoch anklingen, dass seine politische Einstellung nicht mit denen des Präsidenten Viktor Orbán übereinstimmten (zu dessen Heimatgemeinde gehört Puskás AFC) und er deshalb gehen musste. Dem Profifußball hat er dann abgeschworen. 25 Einsätze.

Janusz Góra (56), Abwehr: Ein Wort hat den Polen berühmt und zum Kultspieler gemacht: „Skandal!“, rief er in eine Fernsehkamera, nachdem Hansa Rostock in der Bundesligapartie gegen Ulm mit 2:1 gewonnen hatte. Vier Ulmer wurden in der Partie am 10. September 1999 von Schiedsrichter Herbert Fandel des Feldes verwiesen – bis heute Negativrekord. Am Ende der Saison stieg Ulm als 16. ab, Rostock blieb auf Platz 15 in der Liga. Góra blieb Ulm noch ein Jahr lang treu und ging dann nach Augsburg, bevor er 2003 wieder an die Donau zurückkehrte. Nebenher zum Spielerdasein trainierte er die zweite Mannschaft und war 2007 sogar kurz Interimstrainer der Profis. Seine Trainerlaufbahn führte ihn auch nach Österreich, zuletzt war er Interimstrainer beim FC Liefering (bis Juni 2019). 25 Einsätze.

Leandro Fonseca (45), Sturm: Was für Rui Marques gilt, gilt auch für den Brasilianer: Nach einer Saison in Ulm hat er verschiedene internationale Arbeitgeber angesteuert, unter anderem Young Boys Bern, Hannover 96 oder den FC Thun, ging dann zurück in die Heimat und beendete 2010 dort seine Karriere. Anschließend verliert sich seine Spur. 25 Einsätze

Hans van de Haar (45), Sturm: Der Niederländer war Ulms Toptorschütze der Bundesligazeit, zehnmal traf er insgesamt und machte sich damit zwangsläufig bei den Fans beliebt. In Ulm blieb er auch noch in der zweiten Liga, ging dann nach Bregenz und von dort in die Heimat zu verschiedenen niederländischen Klubs. 2010 spielte er im Sommer drei Monate lang in den USA für Dayton Dutch und ging anschließend wieder in die Niederlande, wo er erst 2013 aufhörte mit dem Fußballspielen. Aktuell ist er Trainer beim viertklassigen holländischen Klub FC Lienden. 25 Einsätze.

Bernd Maier (45), Mittelfeld: Abgesehen von einem Jahr beim FC Saarbrücken blieb Bernd Maier als Spieler immer in der Region und der Nachbarschaft. 2003 kehrt er nach einem Jahr in Saarbrücken zum SSV zurück, ging dann zum VfR Aalen und anschließend zum FC Heidenheim. 2010 hörte er mit dem Fußballspielen auf, wurde Trainer und steht heute für die SG Bettringen in der Bezirksliga Ostwürttemberg an der Seitenlinie. 24 Einsätze.

Tamás Bódog (49), Abwehr: Die Karriere des Ungarn lief in einer bemerkenswerten Zickzack-Kurve: 1994 kam er aus seiner Heimat zum SSV Ulm, wechselte nach dem Abstieg aus der Bundesliga 2000 zur SpVgg Au in die Oberliga und von dort zum FSV Mainz 05 ins deutsche Oberhaus. In der Zeit hatte er mit zwei schweren Verletzungen zu kämpfen, die ihn jeweils zu einer halbjährlichen Pause zwangen. 2008 hörte er als Spieler auf und wechselte auf die Trainerbank. Sein alter Coach Ralf Rangnick holte ihn 2012 als Co zu RB Leipzig, wo Bódog bis zum Sommer 2015 blieb. Es folgten Stationen in Dänemark und in Ungarn. Dort ist er aktuell Trainer des erstklassigen Kisvárda FC. 23 Einsätze.

David Zdrilic (45), Sturm: Im Ulmer Bundesligateam gab es ein paar Exoten, einer von ihnen war der Australier mit kroatischen Wurzeln, der 1999 über die Schweiz zum SSV kam, nach der Zeit in der Bundesliga zu Unterhaching ging und dort zwei Jahre lang blieb. Im Anschluss ging er nach England, nach Schottland, zurück in die Bundesrepublik und dann nach acht Jahren in Europa wieder nach Hause. 2010 beendete er seine Karriere und nahm auf der Trainerbank Platz – und zwar in Deutschland. Als Co-Trainer kümmerte er sich um die U17 und U19 von RB Leipzig. Heute ist der Assistenzcoach bei Chicago Fire, dem Ex-Klub von Bastian Schweinsteiger in der nordamerikanischen Profiliga MLS. 22 Einsätze.

Dragan Trkulja (55), Sturm: Ein Kind von Traurigkeit war Trkulja nie und für seine Art liebten ihn die Ulmer Fans – und wegen seiner Tore in der zweiten Bundesliga, dank derer die Spatzen 1999 aufstiegen. Von 1992 an spielte der Serbe für den SSV, 2002 verließ er ihn für den FV Senden, wo er als Trainer anheuerte. An der Seitenlinie stand er auch für den SV Mähringen, Grün-Weiß Ichenhausen, Türkgücü Ulm, Hohenmemmingen und Hörvelsingen. 2006 verletzte er einen Stuttgarter Spieler in der Landesliga schwer und musste 6000 Euro Strafe zahlen. 20 Einsätze.

Ulms Janusz Góra wurde dank des Wortes "Skandal" berühmt

Markus Pleuler (49), Mittelfeld: Als ehemaliger Spieler des SSV Reutlingen sollte man eigentlich in Ulm einen schweren Stand haben, doch Markus Pleuler entwickelte sich nach seinem Wechsel zu den Spatzen 1994 zum Stamminventar. Nach dem Abstieg ging er zu den Stuttgarter Kickers und dann als erster deutscher Profi für ein halbes Jahr nach Rumänien. Nach zwölf Monaten beim SV Darmstadt kehrte er zum SSV Ulm zurück und beendete 2006 seine Spielerkarriere bei der SpVgg Au. In einem Interview verriet er, dass er abgesehen von Reutlingen zu keinem anderen Verein so eine enge Bindung habe wie zu Ulm. Derzeit ist er als Trainer vereinslos und war zuvor in Au, in Thannhausen und dem FC Albstadt angestellt. Bis Ende 2018 coachte er die Sportfreunde Heppenheim in Hessen. Auf Bezirksebene feierte er dank diverser Aufstiege Erfolge, das große Traineramt hatte er aber noch nicht inne. 19 Einsätze.

Uwe Grauer (50), Abwehr: Wie Pleuler weiß Uwe Grauer, wie es ist, für zwei Rivalen zu spielen: Er lief für Borussia Dortmund und den FC Schalke 04 II auf, allerdings lagen zehn Jahre zwischen den beiden Anstellungen. Im Sommer 1999 kam er von Uerdingen (dorthin war er 1994 vom BVB gewechselt) zum SSV und blieb dort auch noch in Liga zwei. Im Anschluss ging er zurück in die Heimat ins Ruhrgebiet und spielte für Wattenscheid, Schalke und Rhynern. 2008 begann er seine Trainerkarriere, spielte nebenher allerdings noch für den SC Neheim. Ab 2011 konzentrierte er sich aufs Trainerdasein und coacht die U17 von Eintracht Braunschweig. 17 Einsätze.

Marco Konrad (45), Mittelfeld: Nachdem es um den heute 45-Jährigen in letzter Zeit ruhig war, ist er der Region erst kürzlich wieder in Erscheinung getreten: Als neuer Trainer des FV Illertissen. Aktuell wartet er darauf, dass er seine Mannschaft endlich mal in voller Stärke persönlich treffen kann. Als Spieler war er abgesehen von seiner Bundesligazeit mit Ulm bei kleineren Vereinen wie dem SC Pfullendorf oder den FV Ravensburg angestellt. 4 Einsätze.

Ünal Demirkiran (40), Mittelfeld: Wie Konrad ist Demirkiran in der Region als Trainer aktiv, derzeit in der Landesliga bei Türkspor Neu-Ulm, davor beim TSV Neu-Ulm. Nachdem er seinen Jugendverein SSV Ulm 2003 verlassen hatte, ging er zum VfR Aalen, in die Türkei, zum SSV Reutlingen, zum FC Heidenheim, FV Illertissen und nach Thannhausen. Beim TSV Neu-Ulm war er als Spielertrainer angestellt, deshalb war sein offizielles Karriereende erst im vergangenen Sommer. 2 Einsätze

Holger Betz (41), Torwart: Betz hat zwar kein Bundesligaspiel absolviert, stand in der Saison 1999/2000 aber trotzdem im Ulmer Kader und wurde mit über 500 Spielen für die Spatzen der Rekordspieler der Donaustädter. Bis zum Sommer 2018 stand er im Tor des heutigen Regionalligisten. Seine Nachfolger bildet er selbst aus: Als Torwarttrainer des SSV Ulm 1846 Fußball.

Quelle: Die Daten in diesem Text stammen zum großen Teil vom Portal Transfermarkt. Aufgelistet sind demnach nur Spieler, die mindestens eine Partie für die Ulmer in der ersten Liga absolviert haben.

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