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01.10.2020

Vier Jahre Funk: Wie das öffentlich-rechtliche Internet Erfolg misst

Funk ist das junge Angebot von ARD und ZDF, dass online die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen erreichen soll.
Bild: Maurizio Gambarini, dpa

Seit vier Jahren wollen die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF junge Menschen mit dem Angebot Funk erreichen. Einem breiten Publikum fällt das vor allem durch Skandale auf.

Zuletzt war es ein Video des Comedians Aurel Mertz, das für heftige Reaktionen sorgte. Mertz, der eine dunkle Hautfarbe hat, veröffentlichte auf Instagram einen Clip zum Thema "Racial Profiling", in dem er von der Polizei erschossen wird. Weil er allein aufgrund seiner Hautfarbe als verdächtig eingestuft wurde. Für den Essener CDU-Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer war das "gebührenfinanzierter Hass". Der CDU-Landesverband Sachsen-Anhalt sprach sich wegen des Clips sogar gegen eine Erhöhung des Rundfunkbeitrages aus. Die soll Anfang 2021 kommen – hat aber noch nicht die nötige Zustimmung in allen Landesparlamenten gefunden.

Mertz, der in seinem Video einen Kommentar zur abgesagten Racial-Profiling-Studie von Bundesinnenminister Horst Seehofer sah, platzte damit in eine erhitzte Debatte über Rassismus und strukturelle Gewalt bei der Polizei. Dass es sich um einen öffentlich-rechtlichen Inhalt handelte, war nur durch vier Buchstaben zu erkennen, die kurz eingeblendet wurden: Funk. So heißt das öffentlich-rechtliche Jugendangebot von ARD und ZDF, das am 1. Oktober vier Jahre alt wird – und das es nur im Internet gibt.

Funk hat in diesem Jahr ein Budget von 42,2 Millionen Euro

Durch die mehr als 70 Formate, die auf verschiedenen Drittplattformen angeboten werden – etwa Youtube, Facebook und Instagram – bespielt Funk eine Zielgruppe, die ARD und ZDF sonst kaum erreichen: 14- bis 29-Jährige. Als Funk startete, wurde diskutiert, ob die Inhalte als öffentlich-rechtlich erkennbar sind oder sein sollten. Schließlich heben sie sich oft kaum ab von dem, was ohnehin auf den Plattformen zu sehen ist. Gibt es breite Kritik, wie im Falle von Mertz, heißt es dennoch schnell, dass der Rundfunkbeitrag ja wohl kaum für so etwas gedacht sei. Das Budget von Funk liegt 2020 übrigens bei 42,2 Millionen Euro.

Was Mertz angeht, verweist Funk darauf, dass es sich um Satire handelte – bekannte Muster würden durch "Überspitzung mehr oder weniger ad absurdum geführt". Mit kritischen Stimmen setze man sich aber intensiv auseinander.

Nach vier Jahren erreicht Funk bereits 70 Prozent der Zielgruppe

Seine eigentliche Zielgruppe erreicht Funk durchaus. 70 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland haben das Angebot einer Studie zufolge bereits genutzt. Sie abonnieren den Youtube-Kanal "maiLab", durch den sie lernen, wie sie Corona-Statistiken interpretieren können. Sie hören, wie Eva Schulz in ihrem Podcast mit Promis über dies, das und immer ein wenig über Politik spricht. Auf Instagram taucht – zwischen all den Fotos – der Kanal "Mädelsabende" auf, der jede Woche ein anderes Thema behandelt. Kürzlich ging es um Genitalverstümmelung. Oder sie entdecken, während sie durch Tanzvideos auf Tiktok wischen, Sketche des Funk-Comedy-Kanals "Spicy".

In den vergangenen Jahren hat sich das Angebot dabei verändert. "Spicy" gibt es erst seit Dezember 2019, andere Formate wurden eingestellt. Für jedes Format setze man sich Ziele – nicht nur nackte Zahlen, auch qualitative Anforderungen, heißt es bei Funk. "Wenn die Ziele nicht erreicht werden, ist es uns aber wichtig, alle Kanäle gleich zu behandeln und diese dann nicht fortzuführen."

Darunter sind Projekte, die zwar erfolgreich waren, aber nicht mehr zu Funk passten. Wie "Jäger & Sammler", ein investigatives Video-Format, das mit der Redaktion des ZDF-Politmagazins "Frontal21" produziert wurde. Der größte Teil der Reichweite kam von Facebook – und das war ein Problem für die Macher. Denn Facebook-Nutzer sind im Durchschnitt zu alt, zumindest, wenn man 14- bis 29-Jährige erreichen will.

Wenn ein Funk-Format nicht die richtige Zielgruppe erreicht, muss es gehen

Andere gingen freiwillig. Wie der durch Youtube bekannt gewordene Fynn Kliemann. Er führt sein ehemaliges Funk-Projekt, das Kliemannsland, seit August selbst weiter. Unserer Redaktion erzählte er, Funk habe ihm viele Freiheiten geboten und er sei dankbar für die gute Zusammenarbeit. Doch seine Möglichkeiten seien nun noch größer. "Wir können einfach drehen und das dann raushauen." Da schaue dann kein Redakteur mehr drüber.

Lesen Sie dazu auch: Fynn Kliemann über das Kliemannsland: "Sowas wie eine VHS in cool"

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