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Landkreis

04.05.2017

Der Waschbär wird zum Hönigbär

Seitdem 2011 dieser amerikanische Waschbär in Schwabmünchen fotografiert wurde, folgten weitere Sichtungen. Offenbar ist er nicht der einzige seiner Art in der Region.
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Seitdem 2011 dieser amerikanische Waschbär in Schwabmünchen fotografiert wurde, folgten weitere Sichtungen. Offenbar ist er nicht der einzige seiner Art in der Region.
Bild: Volker Ellerkmann (Archiv)

Das Tier fühlt sich seit 2011 im Augsburger Land wohl. Doch bald könnte es zum Problem werden.

Jäger Gerhard Magel ist sich sicher: In den Stauden, besonders in seinem Jagdrevier in Mickhausen, gibt es zwar Waschbären, diese lassen sich jedoch kaum blicken. „Man sieht und spürt nicht, dass sich das Tier hier rumtreibt“, sagt Magel. Deutlichere Beobachtungen machte Imker Anton Altmann aus Großaitingen. Er stellte mehrfach Schäden an seinen Bienenkästen fest, in denen ein Waschbär Honig sucht. Und vor zwei Wochen hat unser Leser Heinz Schmidl Spuren eines Waschbären in Königsbrunn entdeckt (wir berichteten). Nachdem 2011 der erste amerikanische Waschbär in Schwabmünchen fotografiert wurde, blieb er in der Region offenbar ansässig.

Wolfgang Kuhlmann, der im Landratsamt für den Bereich Jagd und Jagdreviere zuständig ist, sagt dazu: „Es gibt sicherlich Waschbären in dieser Region, diese lassen sich aber nur selten blicken.“ Das könnte sich ändern, wenn Waschbären in die Ortschaften ziehen; vor allem, wenn sie dort aus Tierliebe auch noch gefüttert werden. Kuhlmann: „Ich rechne damit, dass Waschbären in fünf bis zehn Jahren ein Problem darstellen werden, wenn Jäger nicht angehalten werden, die Tiere zu erlegen.“

Jüngst stellte Kuhlmann bei der Jagdbeiratssitzung die aktuellen Zahlen für den Landkreis vor. Demnach sollen zuletzt drei Waschbären in Nordendorf und Meitingen erlegt worden sein.

Der Waschbär wird zum Hönigbär

Jagd-Rekord datiert aus 2012/13

An das Rekordergebnis aus der Saison 2012/13 mit 17 Abschüssen kommen die aktuellen Zahlen nicht heran. Damals wurden in Wertingen 13 Tiere erlegt, in Lechfeld zwei sowie in Biburg und Gablingen jeweils ein Exemplar. Ein Jahr später reduzierte sich die Zahl bereits auf fünf Abschüsse. In den Jagdsaisonen 2014/2015 und 2015/2016 gab es keine Abschüsse. Kuhlmann: „Momentan gibt es noch keine Probleme.“ Bei Waschbären handele es sich um „wahre Lebenskünstler“, die überall in der freien Natur zu Hause sind. Zwar bereite der Nesträuber Singvögeln Probleme, für Menschen sei das Tier jedoch ungefährlich. Gerhard Magel und Wolfgang Kuhlmann sind sich sicher, dass es jedoch problematisch wird, wenn sich das Tier innerhalb von Ortschaften aufhält. „In der Nähe von Menschen fühlen sich Waschbären wohl. Dort finden sie im Zweifel genügend Nahrung, etwa in Mülltonnen“, sagt Kuhlmann.

In Großaitingen hat Imker Anton Altmann bereits leidvolle Erfahrungen mit Waschbären gemacht. In seinem Bienenhaus am Waldrand westlich der Wertach hatte er schon viele tierische Besucher – Mäuse, Siebenschläfer, Igel, Marder und auch allerlei Vögel, die dort nisten. Doch vor drei Jahren sei er im Winter zu seinem Bienenhaus gekommen und musste Schäden feststellen, „die ich in den letzten 20 Jahren so noch nie hatte“.

Von Bienenkästen waren die Deckel heruntergerissen und die Waben mit dem Winterfutter herausgezogen und ausgefressen. Gegenstände seinen verstreut im ganzen Bienenhaus herumgelegen. „Und die Bissspuren von kleinen spitzen Zähen waren an Holzteilen deutlich sichtbar“, erinnert sich Altmann. Schlimm sei jedoch, dass neben den Schäden an den Gegenständen auch drei komplette Bienenvölker dem Waschbären zum Opfer fielen. Allein den finanziellen Schaden beziffert Altmann auf rund 500 Euro.

Imker schützt seine Völker jetzt besser

Nachdem Altmann kurz nach der Zerstörung seiner Völker ein Foto in unserer Zeitung mit einem Waschbären sah, der auf einem Garagendach in Schwabmünchen abgebildet war, sei ihm sofort klar gewesen, wer der Täter war. Altmann zog seine Konsequenzen. „Seit dieser Erfahrung decke ich meine Bienenvölker oben mit Drahtgittermatten ab“, sagt er. Zwar waren nun die fleißigen Bienen vor dem Appetit des Waschbären in Sicherheit, doch der Hunger auf etwas Süßes war offenbar zu stark. Statt über die Völker machte sich der Waschbär inzwischen bei einem erneuten Besuch über den Wabenschrank her. Dort hatte der Imker die Wabenvorräte fürs neue Bienenjahr und Isoliermaterial gelagert, das dort mäusesicher versperrt ist. Für den menschlichen Verzehr seien laut Altmann die Waben zwar nicht geeignet, doch der Waschbär war offenbar etwa anspruchsloser. „Inzwischen überlege er, ob er auf Dauer diesen Standort Seines Bienenhauses überhaupt halten kann. „Ich meine, dass der Waschbär nicht nur eine Gefahr für die heimische Tierwelt darstellt, sondern auch in bewohnten Gebieten bei erhöhtem Auftreten erheblichen Schaden verursachen kann“, warnt Altmann. Wenn Waschbären in Gartenhäuser, Garagen, Scheunen oder Dachböden nach Futter suchen oder ihren Spieltrieb ausleben wollen, dann habe der Besitzer nicht nur erheblichen Schaden, sondern auch eine Menge Arbeit und Ärger.

Doch derzeit scheint dies kein akutes Thema zu sein, beruhigt Wolfgang Kuhlmann. Die Beobachtungen seien seltene Einzelfälle, weder Landwirten noch Jäger melden Sichtungen, die Anlass zur Sorge geben. Der Experte rät, die Tiere auf keinen Fall zu füttern, dann blieben sie vermutlich fern. (thia/pit/svko)

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