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Königsbrunn

23.01.2021

Was der Wechsel beim Pflegedienst Ederer für die Patienten bedeutet

Die 450 Kunden des Pflegedienstes Ederer werden künftig von den Johannitern betreut.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Zwei Jahre Vorlauf hat die Übergabe des Königsbrunner Pflegedienstes Ederer an die Johanniter gebraucht. Für die Kunden brachte der Übergang eine überraschende Ankündigung.

Seit dem 1. Januar gehören die Einrichtungen des Pflegedienstes Ederer offiziell zu den Johannitern. Bis die Übernahme auch äußerlich sichtbar komplett abgeschlossen ist, wird es aber noch eine Zeit dauern. So fahren momentan weiterhin die kleinen, weißen Autos mit dem bekannten Logo durch die Region. Die pflegebedürftigen Menschen sollen von der Umstellung so wenig wie möglich merken, lautet das erklärte Ziel der Unternehmen. Die Angehörigen merken den Wechsel dagegen sehr wohl - an einem höheren Eigenanteil auf der Rechnung. Die neuen Betreiber sind sich aber sicher, gute Argumente für die höheren Preise zu haben.

Für die Johanniter ist die Übernahme ein Kraftakt, den man gerne auf sich nimmt, sagt Michael Rettenmaier, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter in Bayerisch-Schwaben: "Wir mussten nicht lang überlegen, denn es war uns eine Ehre, als Träger für ein solch großes und renommiertes Traditionsunternehmen infrage zu kommen.“ Die Johanniter betreiben in Schwaben zwei ambulante Pflegedienste, drei Tagespflegen, zwei betreute Wohnanlagen in Bad Wörishofen und ab April in Gersthofen und bieten Unterstützungsleistungen wie Hausnotruf oder eine Praxis für Logopädie und Ergotherapie in Bobingen.

Durch die Übernahme kommen ein ambulanter Pflegedienst, drei Tagespflegen, und zwei vollstationäre Einrichtungen, eine hauseigene Wäscherei und Großküche sowie Schulwegbegleitungen mit insgesamt knapp 200 Mitarbeitenden und circa 450 Kunden hinzu.

Vorbereitungen für Übergabe des Pflegedienstes Ederer seit 2019

2019 begannen die Arbeiten zur Übernahme, sagt Pressesprecherin Iris Nowak: "Wir mussten alle Vorgänge im Unternehmen auseinandernehmen." Vom Personal, über den Fuhrpark, die IT-Abteilung bis zum Marketing saßen alle Abteilungen an einem Tisch, um die neue Situation zu organisieren.

Das Personal des Pflegedienstes Ederer wurde komplett übernommen, sodass keine Suche erforderlich war. Doch aufgrund der Größe der Übernahme gelten die Johanniter als komplett neuer Träger. Somit mussten alle Verträge neu unterzeichnet und die Zulassungen für die Betriebe neu beantragt werden. Darauf folgten die Verhandlungen mit den Kostenträgern wie Kranken- und Pflegekassen sowie dem Bezirk über Pflegesätze und Heimkosten.

Diese Verhandlungen zogen sich, was wiederum auch Auswirkungen auf die Kunden hatte. Keine erfreulichen, wie Andreas Heil sagt: Der Königsbrunner hatte seinen Vater in der stationären Pflegeeinrichtung der Ederers untergebracht. Er erhielt am 25. November einen Brief der Johanniter mit einem neuen Vertragsangebot. Die bisherigen Preise könnten wegen gestiegener Personal- und Sachkosten nicht gehalten werden, hieß es darin. Monatlich hätte Familie Heil ab dem 1. Januar dafür 2881,38 Euro Eigenanteil bezahlen müssen, exakt 1005,98 Euro mehr als zuvor.

Pflegedienst: Königsbrunner Familie kann höheren Eigenanteil nicht zahlen

Für die Familie ist diese Summe nicht darstellbar, sagt Andreas Heil: "Wir haben meinen Vater beim Pflegedienst Ederer immer gut aufgehoben gewusst. Aber die Rente meiner Eltern hat schon da nicht komplett für den Eigenanteil gereicht." Gespräche mit dem neuen Träger hätten keine Verbesserung gebracht. So telefonierte Andreas Heil tagelang alle Heime im näheren Umfeld ab und fand schließlich einen Platz in einer Senioren-Wohngemeinschaft in Augsburg. Vor dem Umzugstermin starb der Vater aber am 14. Dezember.

Vier Tage später erreichte die Familie ein zweites Vertragsangebot. Die Erhöhung des Eigenanteils fiel nun mit 277,11 Euro deutlich geringer aus. Er habe gehört, dass dieses verbesserte Angebot für die Selbstzahler nur aufgrund einer Intervention der Familie Ederer und der Heimleitung zustande gekommen sei, sagt Heil.

Von den Johannitern kommt eine andere Erklärung für die Diskrepanz. Die Verhandlungen mit den Kostenträgern hätten sich länger hingezogen als erwartet. Um einen lückenlosen Übergang in den Pflegeheimen zu ermöglichen, brauchte man aber die unterschriebenen Verträge, sagt Iris Nowak: "Ohne einen gültigen Vertrag dürfen wir niemanden pflegen." Daher habe man sich entschieden, die Vertragsentwürfe mit einer maximalen Hochrechnung des Eigenanteils - quasi dem schlimmsten Fall - zu verschicken. Nach dem Abschluss der Verhandlungen mit den Kostenträgern habe man das neue Vertragsangebot verschickt. Die Ederers seien in diese Gespräche nicht mehr involviert gewesen.

Pflegedienst Ederer: Mehr Geld für Pflegekräfte und zusätzlicher Service

Die zusätzlichen Kosten kämen Patienten und Personal zugute. Die Johanniter seien anders als ein Privatunternehmen an den Tarifvertrag gebunden. Dadurch verdiene eine Fachkraft im Pflegebereich zum Beispiel einen dreistelligen Betrag mehr als vorher, sagt Iris Nowak: "Und es geht nicht um 100 Euro glatt." Zudem gebe es weitere Verbesserungen: von zusätzlichen Menüangeboten beim Mittagessen, über die Nutzung des Hausnotrufs und der Dienste der Ergotherapie- und Logopädie-Praxis. Zudem werden die Einrichtungen der Johanniter allesamt TÜV-zertifiziert.

Im Lauf des kommenden Jahres werden nun die Abläufe in den Pflegebereichen angeglichen. Aufgrund von Corona sind größere Kennenlern-Aktionen derzeit schwierig. Man ist froh, dass bislang größere Ausbrüche verhindert werden konnten. Auf Schildern, Dienstkleidung und Autos hält schrittweise das Logo der Johanniter Einzug. Der gesamte Prozess wird laut Iris Nowak wohl noch ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen.

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