Die CSU hat bei der Bundestagswahl das schlechteste Ergebnis seit 1949 eingefahren. Nur 31,7 Prozent erreichte sie – exakt genau das ist auch ihr Anteil an den Zweitstimmen, die in Wertingen abgegeben wurden. Die SPD kam in der Zusamstadt auf 15,5 Prozent, die Grünen auf genau zwölf Prozent. Die CSU liegt damit unter dem Schnitt im Landkreis Dillingen (34,1 Prozent), die SPD ebenfalls leicht (16,1 Prozent). Die Grünen dagegen liegen deutlich über dem Durchschnittsergebnis im Landkreis von 8,9 Prozent.
Im Wertinger Stadtrat sind die Parteien mit sechs (CSU) beziehungsweise drei (Grüne) Sitzen und einem Sitz (SPD) vertreten. Der letzte verbliebene Sozialdemokrat ist hier Otto Horntrich – und der hat, wie seine Kollegen im ganzen Landkreis, am Montag blendende Laune. „ Ich freue mich riesig über das außerordentlich gute Wahlergebnis der SPD, die meines Erachtens als stärkste Partei auch federführend die kommende Regierung bilden muss“, sagt Horntrich gegenüber unserer Zeitung.
Otto Horntrich will Olaf Scholz als Kanzler sehen
Mit Olaf Scholz habe man den Kandidaten, der von den Bürgerinnen und Bürgern als Kanzler gewünscht wird.
„Besonders erfreulich ist es natürlich, dass wir mit Christoph Schmid wieder einen Bundestagsabgeordneten von der SPD in unserer Region haben“, so Horntrich weiter. Zu den Möglichkeiten, die sich seiner nun stärksten Partei in den Koalitionsverhandlungen bieten, äußert er sich dagegen vorsichtig. „Die anstehenden Koalitionsverhandlungen werden meines Erachtens nicht einfach, da die FDP teilweise konträre Vorstellungen, gerade bei den Themen soziale Gerechtigkeit und Bekämpfung des Klimawandels, hat“, sagt der Wertinger Genosse.
Für die CSU ist im Wertinger Stadtrat Johann Popp Fraktionsvorsitzender. Der äußert sich am Montag eher zurückhaltend. „Obwohl die CSU in Bayern fast alle Direktmandate gewonnen hat, hat sie am Sonntag ein deutlich schlechteres Gesamtergebnis erzielt als bei der letzten Wahl“, konstatiert er. Es sei zu befürchten, dass in dem nochmals größeren Bundestag der Einfluss Bayerns eher geschwächt werde – zumal, wie zu erwarten gewesen sei, die Freien Wähler keine Sitze im Bundestag erhalten hätten und die auf sie entfallenen Stimmen aus Bayern „verschenkt“ seien.
Der Wählerwille müsse akzeptiert werden
Die Koalitionsverhandlungen der verschiedenen Gruppierungen werden in den nächsten Wochen nicht einfach, glaubt Popp. „Und ich kann in dieser schwierigen Zeit nur hoffen, dass im Ergebnis eine funktionsfähige Bundesregierung zustande kommt.“ Entscheidend sei, dass der Wählerwille respektiert werde.
Gemischte Gefühle hat an diesem Montag Peter Hurler, Fraktionsvorsitzender der Wertinger Grünen. „Ich denke, bei diesem Ergebnis ist es jetzt wichtig, dass sich FDP und Grüne als sogenannte ‚Königsmacher‘ zuerst unterhalten – was sie offensichtlich ja tun wollen“, findet Hurler.
Doch auch wenn die Grünen am kräftigsten von allen Parteien zugelegt haben – aus Sicht des Wertingers ist es trotzdem kein Jubeltag. „Aus Sicht der Grünen war wohl leider mehr drin. Aber wenn man die Erfahrungen mit in die Zukunft nimmt und die richtigen Schlüsse daraus zieht, kann das für zukünftige Wahlen wertvoll sein“, konstatiert er. \u0009 \u0009Fotos: Marion Buk-Kluger, Marcus Merk, Ulrike Walburg ( Archiv)