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Defence and Space

19.02.2020

Airbus will 2300 Stellen in Rüstungssparte streichen

Der A400M ist der Militärtransporter im Repertoire von Airbus.
Bild: Matthias Balk, dpa

Airbus sieht schwierige Bedingungen im Bereich Rüstung und Raumfahrt und hat bereits "robuste Maßnahmen" angekündigt. Jetzt wurden Details bekanntgegeben.

Bei Airbus Defence & Space, der Rüstungssparte des europäischen Flugzeugbauers Airbus, sollen 2362 Stellen bis 2021 abgebaut werden. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. Der Konsultationsprozess mit dem Europäischen Betriebsrat über die geplante "Restrukturierung der Division" habe begonnen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. In Deutschland sollen 829 Stellen, 357 in Großbritannien, 630 in Spanien, 404 in Frankreich und 142 in weiteren Ländern wegfallen.

Airbus gab im vergangenen Jahr bekannt, dass ein Sparpaket geplant ist

Der Stellenabbau kommt nicht überraschend. Im Dezember war bekannt geworden, dass die Rüstungssparte von Airbus massiv sparen will. "Wir wollen jetzt robuste Maßnahmen ergreifen und die zugrunde liegende Kostenstruktur verbessern, um sowohl kurz- als auch langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern", hatte es in einem Brief von Airbus Defence & Space-Chef Dirk Hoke an die Mitarbeiter geheißen. Die Gründe seien vielfältig. Sie reichten vom leichten Rückgang des Telekommunikationsgeschäfts im Raumfahrtmarkt über verzögerte Bestellungen aus Europa, verzögerte Exportaufträge bis hin zur problematischen Vertragsabwicklung aufgrund des Ausfuhrverbots nach Saudi-Arabien.

Dies, so Hoke weiter, habe zu der außergewöhnlichen Lage geführt, dass die "kurzfristige Perspektive einerseits so kritisch ist wie nie zuvor" und einen "entscheidenden Turnaround" erfordere. Andererseits seien die "langfristigen Aussichten noch nie besser" gewesen. Und er schrieb weiter: "Die Geschäftsperspektiven unserer zentralen Geschäftsfelder wie Kampf- und Tankflugzeuge, Drohnen, Connected Intelligence und auch Space Systems sind äußerst vielversprechend." Es gebe richtungsweisende Programme wie die Entwicklung eines gemeinsamen Kampfflugzeuges zusammen mit Frankreich – des Future Combat Air Systems, kurz FCAS. Auch eine neue Drohne soll in Europa entwickelt werden. Arbeitstitel: Eurodrone.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Defence & Space, Thomas Pretzl, kommentierte den Sparplan so: "Der Betriebsrat lehnt den geplanten Stellenabbau entschieden ab. Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, sich von Wissensträgern und Know-how zu verabschieden. Wir erwarten große Projekte und dafür brauchen wir erfahrene und gut ausgebildete Mitarbeiter."

Unklar ist, was die Entscheidung für den Standort Manching bedeutet

Was für Auswirkungen das Sparprogramm auf den Airbus-Standort Manching bei Ingolstadt haben wird, ist indes nach wie vor unklar: Wie Bernhard Stiedl, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt, unserer Redaktion sagte, sei noch nicht bekannt, wie die in Deutschland wegfallenden Stellen auf die verschiedenen Standorte aufgeteilt würden.

Wie ein Airbus-Sprecher auf Anfrage am Mittwochabend mitteilte, sollen die nationalen Betriebsräte bis in der zweiten Märzhälfte über das weitere Vorgehen informiert werden.

Im Manchinger Airbus-Werk bei Ingolstadt sind derzeit rund 5500 Mitarbeiter angestellt.

Erst vergangene Woche hatte der Deutsche Bundestag die zweite Stufe des viele Milliarden schweren deutsch-französischen Großprojekts FCAS, dem europäischen Kampfflieger der Zukunft, genehmigt, wovon auch der Standort Manching betroffen ist. Das Volumen für freigegebene Forschungs- und Technologieaktivitäten beträgt insgesamt 155 Millionen Euro. Diese nun vom Parlament initiierte "FCAS Demo Phase 1A" führt dazu, dass dort zunächst rund 100 Stellen geschaffen werden sollen.

In Deutschland sind rund 25.000 Arbeitsplätze vom Eurofighter abhängig

Zwar sind das gute Nachrichten gewesen. Zugleich aber hängt für den Standort Manching viel davon ab, ob die Bundesregierung weitere 90 Eurofighter-Kampfflugzeuge als Ersatz für Tornado-Flieger kauft oder nicht. In Manching wird der Eurofighter nämlich unter anderem endmontiert. Berlin hatte zuletzt erwogen, die ab 2025 vor der Ausmusterung stehenden Tornado-Maschinen mit F-18-Kampfflugzeugen des US-Herstellers Boeing und nicht mit dem Eurofighter zu ersetzen. Dagegen hatte sich von verschiedenen Seiten massiver Widerstand geregt, was wiederum auch mit FCAS zu tun hat.

Hintergrund ist der: Deutsche und Franzosen arbeiten gemeinsam an dem Luftkampfsystem, bei dem Kampfflieger, Drohnen und Satelliten vernetzt sind. FCAS soll ab 2040 einsatzfähig sein. Damit aber Deutschland dabei vorankommt und rund 25.000 Arbeitsplätze, die hierzulande vom Eurofighter abhängen, gesichert werden, muss die Fähigkeit, solche militärischen Flugzeuge zu bauen, erhalten bleiben.

Lesen Sie dazu auch: Das Boeing-Fiasko ist für Airbus kein Grund zum Jubeln

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20.02.2020

Das gleiche Geld in erneuerbare Energien investiert schafft weit mehr Arbeitsplätze, trägt zum Klimaschutz bei, ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder und ein Signal für Abrüstung und für die Bereitschaft zu einem friedlichen Zusammenleben.
Neue Kampfflugzeuge und Drohnen sind das genaue Gegenteil, ein Beitrag zur Klimaerwärmung durch mehr schädliche Abgase, eine weitere Aufrüstung und dadurch zunehmende Konfrontation in den nächsten Jahrzehnten. Mit Rüstung und Militär lassen sich die Probleme dieser Welt nicht lösen, sie sind Teil der Probleme.

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