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Ingolstadt

06.12.2018

Audi unter Druck: Welche Schuld trägt Rupert Stadler?

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2 Bilder
Ein Bild aus besseren Zeiten: Als diese Aufnahme im Mai entstand, war Rupert Stadler noch Audi-Chef. Es folgte die U-Haft, bald droht der Prozess.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Im späten Frühjahr muss der frühere Audi-Chef Rupert Stadler wohl mit einem Prozess rechnen. Das Unternehmen selbst gerät immer mehr unter Druck.

Wer sich in diesen Tagen in Ingolstadt nach Rupert Stadler umhört, der hört vor allem: nichts. Beim FC Ingolstadt beispielsweise kann man sich nicht daran erinnern ihn gesehen zu haben, seit er Anfang November frei kam. Auch regelmäßige Besucher des Stadttheaters oder von Konzerten haben ihn seither nicht gesehen. In der Stadtöffentlichkeit ist Stadler nicht präsent. Und auch bei Audi fragen sich viele, was ihr alter Chef wohl macht?

Stadler ist nach seiner Freilassung untergetaucht. Sein Anwalt Thilo Pfordte spricht ebenfalls nicht. Der frühere Audi-Chef hat auch keine Veranlassung für einen großen Auftritt nach vier Monaten in Untersuchungshaft. Er muss strenge Auflagen befolgen, darunter ein Kontaktverbot zu Personen, die für das Ermittlungsverfahren relevant sind. Zudem musste er eine Kaution hinterlegen, die sicher im Millionenbereich liegt. Und: Gegen Stadler besteht laut Oberlandesgericht München, das den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt hat, weiterhin „dringender Tatverdacht“. Nach Recherchen unserer Redaktion gehen die bayerischen Justizbehörden davon aus, dass im späten Frühjahr 2019 eine Anklageschrift gegen Stadler fertig ist.

Nach Einschätzung von mit der Angelegenheit befassten Juristen wird diese Anklage alles andere als „wacklig“ sein. Stadler und sein Verteidiger bestreiten ja die Vorwürfe bislang. Das Hauptproblem für die Staatsanwaltschaft dürfte die genaue Bezifferung der Schadenssumme sein. Stadler und weitere Führungskräfte von Audi sollen Kunden betrogen haben, indem Dieselfahrzeuge mit hohen Schadstoffemissionen als sauber angepriesen und verkauft worden seien. Wie soll man diesen eher abstrakten Vorwurf strafrechtlich beziffern?

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Audi will 14 Milliarden Euro investieren

Audi indes sucht derzeit den Befreiungsschlag. Bis Ende 2023 will das Unternehmen rund 14 Milliarden Euro in Zukunftstechniken investieren. „Mit Modellen wie dem gerade vorgestellten Audi e-tron GT concept wollen wir die Menschen wieder für Audi elektrisieren“, sagt Interimschef Bram Schot. Aufzuholen gibt es tatsächlich viel.

Denn bei den Auslieferungen ist Audi deutlich hinter die Oberklasse-Konkurrenten Mercedes und BMW zurückgefallen, berichtet Frank Schwope, Analyst der Nord LB. Statt der Nummer zwei ist Audi nur noch Nummer drei. Bis Ende Oktober dieses Jahres lieferte Mercedes rund 1,9 Fahrzeuge aus, BMW 1,7 Millionen, Audi nur noch 1,5 Millionen. Dazu kommt: Die Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP lief bei Audi besonders holprig, viele Modelle standen zeitweise nicht zum Kauf bereit, da die Zulassung noch nicht vorlag. Das Problem dürfte vorübergehend sein, meint Schwope. Im November brachen trotzdem die Audi-Absatzzahlen auf dem deutschen Markt um 43 Prozent ein. Die Flaute macht sich in der Bilanz bemerkbar. Die Zahlen der ersten neun Monate sind schlechter als im Vorjahreszeitraum. Dies liegt auch an einer 800-Millionen-Euro-Zahlung, welche die Münchner Justiz in der Dieselaffäre gegen Audi verhängt hat. Der Spiegel zeichnet bereits das Bild „vom Absturz einer großen Marke“. Der Hauptvorwurf: Ingenieure bei Audi seien über Jahre damit beschäftigt gewesen, Zulassungstest in der Software abzubilden – mit dem Ziel, wie unterstellt wird, die Emissionen auf dem Prüfstand zu senken.

Dass Audi „in schwierigen Fahrwassern“ sei, sagt auch Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer. Zwar habe Audi eine recht gute Zeit bis 2015/16 gehabt. „Bereits unter Rupert Stadler ist Audi aber müde geworden und hat an Innovationskraft verloren – dann ist auch noch Dieselgate dazugekommen“, sagt der Professor. „Bis heute hat sich Audi nicht stabilisiert.“

Für die Instabilität gebe es mehrere Gründe: „Viele machen heute Audi, weniger VW für die Dieselaffäre verantwortlich“, sagt Dudenhöffer. Es sei zudem riskant gewesen, mitten im Dieselskandal weiter mit Stadler an der Spitze in die Zukunft fahren zu wollen. Die Strategie ist spätestens mit Stadlers Festnahme gescheitert. Auch der mutmaßliche Plan, BMW-Mann Markus Duesmann an die Audi-Spitze zu holen, sei nicht aufgegangen: BMW will den Manager nicht vorzeitig ziehen lassen. „Das alles hat das Unternehmen immer wieder zurückgeworfen.“ Mit Sorge beobachtet Dudenhöffer die häufigen Wechsel an der Spitze der Entwicklungsabteilung von Audi – also dort, wo die Innovationen entstehen. „Man muss nun sehen, dass Audi bald stabilisiert wird“, meint er. Ein E-Auto wie der Audi e-tron genüge dafür nicht. Seine Prognose: „Audi wird den Schwung verlieren, den sie früher hatten.“

Audi will Mercedes und BMW überholen

Ähnlich sieht es Analyst Schwope: „Der Dieselskandal belastet noch immer das Unternehmen“, sagt er. „Man weiß zum Beispiel nicht, ob auf Audi noch Regressforderungen von Porsche zukommen“, sagt er. Die VW-Tochter hat Audi-Motoren mit Schummelsoftware verbaut. Der Analyst hält es auch für möglich, dass Audi-Kunden nach dem Dieselskandal ihre Markentreue überdenken. „Dazu kommt, dass Audi derzeit Leuchtturm-Projekte fehlen – wie früher zum Beispiel die Aluminiumkarosserie.“ Letztlich litten die Ingolstädter unter der Hängepartie an der Audi-Spitze, sagt Schwope: Auch auf der letzten Aufsichtsratssitzung gab es keine Einigkeit, Bram Schot vom Interimschef zum festen Vorstandschef zu berufen. „Das ist einem Unternehmen natürlich nicht zuträglich“, sagt der Analyst.

Bei Audi selbst ist man überzeugt, der Konkurrenz nicht soweit hinterherzuhinken, wie Beobachter sagen. Audi habe neben dem Diesel andere Antriebskonzepte vorangetrieben, betont ein Audi-Sprecher – darunter Hybridmodelle und die E-Mobilität. „Wir haben vor einigen Jahren eine breit angelegte Elektrooffensive gestartet“, sagt er. Die Entwicklung eines grundlegend neuen Produktes dauere aber vier bis fünf Jahre. Trotz der häufigen Personalwechsel an der Spitze der technischen Entwicklung habe Audi es aber geschafft, „vor seinen Kernwettbewerbern“ mit einem rein elektrischen SUV – dem Audi e-tron – auf den Markt zu kommen. In den nächsten sechs Jahren sollen 20 weitere elektrische oder elektrifizierte Modelle folgen. Dazu habe man den Erdgasantrieb in Serie gebracht.

Auch wenn dies nicht kurzfristig zu verwirklichen sei, ein klares Ziel, sagt der Sprecher, habe man bei Audi: „Uns wieder an die Spitze zurückzuarbeiten“ – und BMW und Mercedes zu überholen.

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06.12.2018

Wer hoch steigt, fällt bekanntlich tief. Davon sind auch die Saubermänner in den Manageretagen nicht verschont. Er ist so ein Fall! Leider wird er nicht so schnell seinen geplanten Jakobs-Weg gehen können, dafür einen nach Canossa.

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