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Start-up-Konferenz

01.10.2020

Bits & Pretzels 2020: Eine Talk-Show für die Start-up-Szene

Die Bits & Pretzels 2020 findet digital statt.
Bild: Matthias Balk, dpa

In wenigen Jahren ist die Konferenz Bits & Pretzels zu einem der wichtigsten Termine der Start-up-Szene geworden. 2020 findet sie digital statt. Das funktioniert - aber anders als bisher.

Max Wittrock ist eigentlich Frühstücks-Experte, mit seinem Unternehmen Mymüsli verkauft er Müsli-Portionen, die Kunden sich selbst zusammenstellen können. In dieser Woche ist er ein wenig zu Markus Lanz geworden.

Am Donnerstag war Wittrock Gastgeber einer Talk-Runde mit unter anderem Joko Winterscheidt und Oliver Kahn, dem designierten Vorstandschef des FC Bayern. Bekannt geworden war Winterscheidt als Entertainer, Kahn als Torhüter. Inzwischen sind beide Unternehmer und Manager, Winterscheidt hat eine Produktionsfirma und investiert in Start-ups. Im Rahmen der Konferenz Bits & Pretzels sprachen sie über ihr Leben als Geschäftsleute, für ein Publikum, das selbst nach Erfolg strebt.

Bits & Pretzels muss 2020 ohne Oktoberfest auskommen

Bits & Pretzels ist eine Konferenz, die sich selbst Festival nennt. Für die Start-up-Szene ist sie weltweit einer der wichtigsten Termine des Jahres. Schon ihr Name zeigt, was sie verbinden will: Ein Bit ist eine digitale Maßeinheit, Brezen repräsentieren die bayerische Tradition Münchens. Mit Bits & Pretzels will die Landeshaupstadt sich als modernen Standort für die Gründerszene präsentieren. Seit 2014 findet die Konferenz hier statt - jährlich zur Zeit des Oktoberfestes.

Die Corona-Pandemie führt heuer dazu, dass Bits & Pretzels sich neu aufstellen muss. Die Wiesn fällt aus, Millionen Gäste aus aller Welt bleiben München 2020 fern. Und auch zur Bits & Pretzels reist außer wenigen Studiogästen fast niemand in die Landeshauptstadt: Die Konferenz findet digital statt. Statt drei Tage dauert sie doppelt so lang, der obligatorische Oktoberfest-Besuch aller Teilnehmer erübrigt sich freilich.

Auch auch ganz so prominent wie im Vorjahr fällt die Teilnehmerliste heuer nicht aus - das Aufgebot aus 2019 wird jedoch auch nach Corona kaum zu schlagen sein: Zu Gast waren unter anderem Hollywood-Schauspielerin Jessica Alba und der frühere US-Präsident Barack Obama. Eine handvoll Weltstars nahm jedoch auch 2020 an der Konferenz teil. Zu Kahn gesellten sich im Laufe der Woche etwa Basketballer Dirk Nowitzki und der frühere Google-Chef Eric Schmidt. Technisch sei es kein Problem gewesen, die Veranstaltung ins Digitale zu übertragen, teilen die Macher mit. Die Konferenz erlebbar zu machen, sei die deutlich größere Herausforderung gewesen.

Oliver Kahn sagt bei Bits & Pretzels, dass er den "perfekten" Lebenslauf habe

Weil die Redner heuer nicht persönlich auf der Bühne, sondern auf dem Bildschirm zu sehen sind, präsentiert sich Bits & Pretzels 2020 mehr wie ein Pay-TV-Sender. Jeden Nachmittag noch bis Freitag läuft das Programm online, der Zugang kostet zwischen 169 und 259 Euro. Nicht all das, was die Konferenz sonst ausmacht, kann sie auch digital bieten. Spezielle Momente bleiben jedoch erhalten: Oliver Kahn sprach davon, dass er entgegen dem Klischee aus Niederlagen wenig lerne – mehr aus Erfolgen. Und er habe den „perfekten“ Lebenslauf, um Bayern-Boss zu sein.

Den Veranstaltungsort München nicht zur Beliebigkeit verkommen zu lassen, war für die Veranstalter eine Herausforderung. Dafür, die Teilnehmer sofort spüren zu lassen, wo die Konferenz stattfindet, sorgte München bislang von alleine. Zur Wiesn-Zeit zeigte sich die Stadt voll mit Trachtenträgern und Biertrinkern, Münchener Touristen-Klischees waren an keiner Ecke zu übersehen. Gründer, die sich in Lederhose oder Dirndl auf die Bühne stellten, besorgten den Rest. All das fällt 2020 aus. Immerhin: Eröffnet wurde Bits & Pretzels am Sonntag mit einem Bierfassanstisch, eines der Studios präsentiert sich in der Optik einer Almhütte, Lederhosen gibt es immer noch zu sehen.

Das nächste Problem für die etwas mehr als 5000 Teilnehmer: Lockerer Smalltalk mit den mal mehr oder weniger prominenten anderen Teilnehmern auf der Konferenz ist übers Netz auf teils 10.000 Kilometer Entfernung nicht drin. Vorträge und Workshops funktionieren digital auch 2020 - zum Networking dürfte Bits & Pretzels jedoch weit weniger taugen. Einen Versuch, diesen Ausfall zu beheben, ist das Business Lunch Roulette. Dabei werden die Teilnehmer in einem Videochat zufällig zusammengeschaltet.

Damit die TV-Sendungen funktionieren, setzen die Macher auf zwei Elemente: Persönlichkeiten - und besondere Geschichten. Eine davon, die auch im Talk am Donnerstag zu sehen war, ist die von Schüttflix. Das Start-up aus Gütersloh bietet Schüttgut-Lieferungen an. Weil bei den klassischen Anbietern die Lieferungen unpünktlich seien, die Preise intransparent und der Abladeort oft reine Willkür, habe man einen Markt mit viel Platz zu Verbesserung für sich entdeckt, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Und als sei Schüttgut in der Start-up-Szene nicht eh schon exotisch genug, hat das Unternehmen als Gallionsfigur eine Person gefunden, die man auf der Baustelle nicht zwingend erwarten würde: Sophia Thomalla.

Nico Rosberg wurde als Investor mit Visitenkarten beworfen

Die Schauspielerin ist vor allem als Werbegesicht erfolgreich, das auf Provokation setzt und sich für sexistische Werbung nicht zu schade ist. 2018 kritiserte der Werberat eine Media-Markt-Kampagne, auf der Thomalla mit tiefem Ausschnitt zu sehen war und mit dem Spruch "Männertage. An diesen Tagen streichelt er einfach alles, was Knöpfe hat" warb. In Schüttflix hat sie zudem investiert. Gemeinsam mit Gründer Christian Hülsewig war sie im Gespräch bei Bits & Pretzels. Als Investorin sei sie schwer zu gewinnen, sagt sie. Schüttflix aber habe sie überzeugt. Hülsewig und sie verbinde inzwischen eine Freundschaft, erzählt Thomalla.

Immer wieder vermittelte die Talk-Runde eine Atmosphäre, in der die Zuschauer sich wohlfühlen und den Eindruck bekommen konnten, die Start-up-Szene sei kein knallhartes Business, sondern ein großer Freundeskreis. Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg etwa strahlte während des gesamten Gesprächs in die Kamera. Er ist inzwischen Investor, hat sich auf Start-ups konzentriert, die im Bereich Mobilität arbeiten. Er erzählt Anekdoten, wie er beim Joggen mit Visitenkarten beworfen wurde und wie sein Versuch, Kontakt zu Leonardo DiCaprio aufzunehmen, es stets nicht weiter als bis zum Management des Hollywood-Stars schafft.

Und Winterscheidt ließ im Gespräch eine Blödelei auf die nächste folgen. Er saß gemeinsam mit Unternehmer Andy Weinzierl im Studio, in dessen Start-up Sushi-Bikes er investiert. Das verkauft E-Bikes, die deutlich günstiger sind als viele andere. Doch die Fahrräder interessierten nur am Rande. Eher ging es ein wenig um Weinzierl und die Freundschaft, die auch ihn und Winterscheidt nach eigener Aussage verbindet. Und noch mehr um den nächsten Gag des Fernseh-Entertainers: Wer ihm seine Idee anbieten wolle, könne ihn einfach anrufen: 0151 sei seine Nummer. Die weiteren Stellen verriet Winterscheidt nicht. Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

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