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Landkreis Augsburg

20.11.2019

Sein Unternehmen entwirft moderne Metzgereien und Bäckereien in ganz Europa

Michael Mayer ist Chef der Gersthofer Firma Aha 360. Er richtet in ganz Europa Metzgereien und Bäckereien ein.
Bild: Marcus Merk

Plus Bäckereien und Metzgereien werden immer schicker. Hinter der Einrichtung steckt oft die Firma von Michael Mayer. Dabei hatte er einen ganz anderen Plan für sein Leben.

Manchmal ist es von Vorteil, mit den Besten in seiner Sportart nicht mithalten zu können. Zunächst war es aber eine harte Erkenntnis für Michael Mayer, dass ihm die Profikarriere nach vielen Jahren bei seinem Eishockey-Verein, dem AEV, also den Augsburger Panthern, verwehrt blieb. Dann aber sollte sich doch für ihn alles zum Besten fügen. Denn während sein Halbbruder Klaus Merk als legendärer Torhüter des deutschen Eishockey-Nationalteams glänzte, machte Mayer seine zweite Leidenschaft neben dem Sport zum Beruf: Der heute 50-jährige Sohn eines Gastronomen aus Neusäß bei Augsburg entschloss sich, sein Leben dem Holz zu widmen und Schreiner zu werden.

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Aha aus Gersthofen hat sich auf Ladenbau und Lichtkonzepte spezialisiert

Er erwarb den Meistertitel und könnte dank der rasanten, anfänglich aber mit existenzgefährdenden Rückschlägen versehenen Unternehmer-Karriere Protagonist eines Werbefilms des deutschen Handwerks sein. Schließlich hat Mayer 1997 seinen Betrieb mit sechs Mitarbeitern aufgebaut und inzwischen eine europaweit tätige, auf Ladenbau und Lichtkonzepte spezialisierte Firma mit rund 100 Beschäftigten geschaffen. In dieser Branchenliga sieht sich das in Gersthofen bei Augsburg sitzende Unternehmen Aha GmbH mit seiner Marke Aha 360° als Nummer drei in Deutschland. Dabei waren die Anfänge holprig. Ehe die Firma im vergangenen Jahr unter 150.000 Betrieben nach einer Softwarefirma den zweiten Platz des bayerischen Gründerpreises in der Kategorie „Aufsteiger“ ergatterte, standen harte Anfangsjahre.

Mayer, ein durchtrainierter, großer Unternehmer, mit vollem blondem Haar und sanfter Stimme spricht offen über seine Lehrjahre als Firmeninhaber. Er hatte damals zwei Kunden an Bord, diePleite gingen und damit als Auftragsbringer für ihn ausfielen. Mayer erinnert sich: „Durch die Insolvenz der anderen Firmen haben wir schlagartig 100 Prozent an Umsatz verloren.“ Er wollte weiter machen, doch seine Bank gab sich zugeknöpft: „Beinahe hätten wir wegen einer Summe von 50.000 D-Mark zusammenpacken müssen.“

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Die Ladenbau- und Lichtgestaltungsfirma Aha hat ihren Sitz in Gersthofen bei Augsburg.
Bild: Marcus Merk

Dann bekam der junge Unternehmer von einer Leasingfirma eine Geldspritze von 100.000 D-Mark. Es ging wieder langsam aufwärts. Der Schreinermeister sagt im Rückblick: „Heute finden uns alle sexy. Doch es ist schade, dass damals zunächst keiner an uns geglaubt hat.“ Mayer, der eigentlich nicht gerne über sich und die Erfolge der Firma ein größeres Aufsehen macht, wird emotional, wenn es um seine Beschäftigten geht: „Ich habe damals alle Leute mit durchgezogen. Das macht mich glücklich.“ Von seinen Mitarbeitern schwärmt er ohnehin. Viele Freaks seien darunter, die sich um jedes Detail beim Innenausbau und bei der Beleuchtung von Bäckereien, Confiserien, Feinkostläden oder Kinos kümmern. Der Blick für die kleinen Dinge bei großen Projekten ist auch Mayer nicht fremd. Ein Kunde hat mal über ihn gesagt, er schaue einer Maus ins Ohr. Bei Schreinern kommt es eben auf jeden Zentimeter an.

Läden machen dank moderner Einrichtung mehr Umsatz

Mayer packt heute nicht mehr selbst in der Produktion an. Seine Tätigkeit ähnelt der eines ganz speziellen Unternehmensberaters. Er wirkt wie eine Art Handlungsreisender des guten Geschmacks, der sich, was ihm besonders wichtig ist, für Kunden auszahlen soll. Wenn sich also schwäbische Bäcker wie die Ihles und Balletshofers oder die Rischarts in München mit ihm Projekte ausdenken, zeigt Mayer den Kunden auf, welche wirtschaftlichen Auswirkungen solche hohen Investitionen in pfiffige Inneneinrichtungen und aufwendige Lichtkonzepte haben können. Individueller Schick kann sich rechnen.

Als Beleg dafür nennt Mayer das Beispiel der Bäckerei Schuhbeck im oberbayerischen Ruhpolding. In der Filiale dominieren nun reichlich Licht und Holz. Der Tagesumsatz liege nun mit gut 9000 Euro überproportional über dem üblichen Umsatz von 2500 Euro für solche Geschäfte. Das mag erklären, warum in den vergangenen Jahren auch in Industriegebieten immer mehr Bäcker große Summen investierten und wahre Paläste der Semmeln und des Brotes gebaut haben. Manch einer in der Branche sagt: „Bäcker sind die besseren Gastronomen.“ Mayer schätzt den Kundenkreis besonders, weil Bäcker für ihn „echte Entscheider sind, die nicht lange fackeln und etwas auf dem Weg bringen.“ Dabei ärgert er sich darüber, „dass manche Kommunen Bäcker mit dem Aufbau von Bürokratie-Hürden bei ihren Projekten bremsen“.

Wenn Mayer Einblicke in seine Welt gewährt, ist der Gesprächspartner irgendwann fällig für ein Aha-Erlebnis: Denn es verhält sich wie mit kommunizierenden Röhren. Dass vor etwa zehn Jahren gerade Bäckereien und Feinkostgeschäfte begannen, loungiger und stylischer zu werden, ist das Resultat von Überzeugungskünstlern wie Mayer und jungen, aufstrebenden Unternehmern, die in größeren Handwerks-Dimensionen als noch ihre Eltern denken. Begünstigt werden die Macher-Typen vom Trend zur Regionalität. Menschen, die anonym im Internet bestellen, verlieren nicht ihre Sehnsucht nach authentischen und damit regionalen Einkaufserlebnissen. So sieht etwa das vom Aha-Team in Rothenburg ob der Tauber gestaltete „BrotHaus“ nicht wie von der Lounge-Stange aus.

Wo früher in der großen Halle Fleisch verkauft wurde, werden heute Backwaren derart in Szene gesetzt, dass „Verkaufsdruck“ entsteht, wie es Mayer nennt: Ein Mehltrog wurde zur Servicestation umgebaut, eine schwere Holztüre hängt von der Decke. In der Front der Verkaufstheke stecken Bäckertische aus den 50er-Jahren. Leder, Holz und Stahl setzen klare Akzente. Fleischerwagen und -haken oder Hängeleuchten aus Einweckgläsern verleiten zum Hingucken und längeren Verweilen in der Mischung aus Bäckerei und Restaurant, eine Mixtur, die Menschen anzieht.

Die Gersthofer Firma Aha hat keine Probleme, Azubis zu finden

Firmenporträt AHA 360, Gersthofen / Michael Mayer / im Bild Sheridantower in Stadtbergen
Bild: Marcus Merk

Wer mittags Filialen der Gastro-Bäcker besucht, findet oft nur schwer einen Tisch. Die Gäste essen aufwendig belegte Semmeln, Salate oder Suppen, trinken einen Kaffee und nehmen sich für den Nachmittag einen Kuchen mit. Die Allianz aus Bäckern und Ladenbauern wie Aha entpuppt sich als regionale Umsatzmaschine.

Das Konzept lässt sich natürlich auf andere Branchen übertragen. Mayer spricht gerade auch mit Inhabern von Metzgereien. Deren Geschäfte dürften nach der Bäckerlogik also auch größer und heimeliger werden. Zu den von der Gersthofener Firma verwirklichten über 2500 Projekten sollten noch viele hinzukommen. Die Nachfrage ist enorm. Das Unternehmen vergrößert die Fertigungshalle und sucht Personal.

Mayer selbst sieht sich als „Spieler-Trainer“. Das hat der Unternehmer aus der Welt des Eishockeys mitgenommen. Der Betriebsinhaber kommt also aus den Reihen seiner Mannschaft und versucht, im Team Erfolge zu erzielen. Mayers Lieblingsvokabeln lauten „Wertschätzung“, „Loyalität“ und „Empathie“. Er ist überzeugt: „Der Mensch ist das Wichtigste. Ich gebe viel Geld aus, um Mitarbeiter weiter zu entwickeln.“

Entsprechend geringe Probleme hat die Firma, anders als andere Handwerksbetriebe, Auszubildende und Fachkräfte zu finden. Es zahlt sich für Mayer aus, dass er über viele Jahre nicht nur einen Betrieb, sondern auch eine Marke aufgebaut hat. Das würde er nie so offensiv seinem Gegenüber verkaufen „Ich bin nicht so wichtig. Ich will gar nicht, dass mich so viele Leute kennen“, meint er. Nicht nur im Raum Augsburg kennen seine Firma aber immer mehr Menschen, schließlich ist Aha Premium-Partner der Augsburger Panther. Mayer sieht das als „kluges Investment, das sich auszahlt“. Sein Traum ist es, einmal seinen Betrieb vernünftig zu übergeben. „Ich will hier anständig rausgehen, also die Arbeitsplätze meines Teams erhalten“, hat er sich fest vorgenommen. Noch ist unklar, ob eines der drei Kinder einmal Aha übernimmt. Seine Frau, eine Betriebswirtin, arbeitet mit im Familien-Unternehmen.

Zumindest auf Nachfragen lässt Mayer dann doch Stolz über seine Erfolge aufscheinen. Er lächelt und sagt: „Was so ein Schreinerle alles erreichen kann.“ Letztlich stellt er selbstbewusst fest: „Wir wollen nicht der Volkswagen, sondern der Porsche unserer Branche sein.“

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