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Ukraine bestreitet Russlands Bericht über Einnahme von Lyssytschansk
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Erdgas-Reserven
27.06.2022

Interaktive Grafik zeigt: So viel Gas hat Deutschland gespeichert

In Rehden betreibt Astora, ein Tochterunternehmen von Gazprom Germania, Deutschlands größten Gasspeicher. Er war im Winter nahezu leer.
Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Um einen möglichen russischen Gasstopp verkraften zu können, kommt Gasspeichern eine wichtige Rolle zu. Wir zeigen, wie viel Gas Deutschland aktuell auf Vorrat hat.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat vor Augen geführt, wie abhängig Deutschland von Erdgas aus Russland ist. Der mit Abstand größte Teil des Gases wurde bisher aus Russland importiert.

Seit Beginn des Krieges stehen zwei Szenarien im Raum, die zu einem Gasengpass führen könnten:

  1. Russland könnte beschließen, kein Gas mehr an Deutschland zu liefern. Präsident Wladimir Putin hat bereits die Lieferungen an mehrere Länder der EU gestoppt und droht mit weiteren Lieferstopps. An Deutschland liefert Russland bisher noch Gas, doch die Liefermenge durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 wurde deutlich gedrosselt. Russland begründet das mit einer Ertüchtigung an Turbinen, das Bundeswirtschaftsministerium hält das aber für eine Lüge.
  2. Deutschland oder die gesamte EU könnten sich wegen Russlands Kriegsverbrechen für ein Gas-Embargo entscheiden. Schließlich lautet ein Vorwurf, dass die Gasgeschäfte Putins Kriegskasse füllen. Weil ein Gas-Embargo aber auch starke Einschnitte in Deutschland, insbesondere für die Wirtschaft, bedeuten würde, sträubt sich die Bundesregierung gegen dieses Mittel.

In Deutschland könnte etwa ein Viertel des Jahresbedarfs an Erdgas gespeichert werden

Deutschland bereitet sich daher auf einen möglichen Gas-Lieferstopp vor. Dabei kommt den Gasspeichern eine entscheidende Rolle zu. An vielen Orten im ganzen Land gibt es diese meist unterirdischen Tanks, die mit großen Mengen Gas gefüllt werden können. Laut der Initiative Energien Speichern (Ines), einem Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher, können in Deutschland an rund 40 Standorten rund 23 Milliarden Kubikmeter Erdgas gespeichert werden. Das entspreche etwa einem Viertel des deutschen Jahresbedarfes. Gut gefüllte Gasspeicher können im Ernstfall also helfen, die Zeit zu überbrücken, bis das russische Gas durch andere Quellen ersetzt werden kann.

Zu Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine waren die Gasspeicher in Deutschland für diese Jahreszeit leerer als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Am niedrigsten war der Füllstand am 18. März, damals waren die Speicher nur zu 24,2 Prozent gefüllt. Seitdem füllen sich die Speicher langsam wieder. Das geht aus den Daten des Gasinfrastrukturverbandes GIE hervor, der die Füllstände von etwa 90 Prozent aller Gasspeicher in Deutschland registriert.

Die Bundesnetzagentur erklärt in ihrem täglichen Lagebericht, die Lage sei angespannt und eine Verschlechterung der Situation könne nicht ausgeschlossen werden. Im Moment sei die Gasversorgung aber stabil, die Versorgungssicherheit sei derzeit weiter gewährleistet. Die Gasflüsse aus der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 liegen aber nur bei etwa 40 Prozent der Maximalleistung. Wenn die Lieferung auf diesem Niveau bleiben würde, sei ein Speicherstand von 90 % bis November kaum mehr ohne zusätzliche Maßnahmen erreichbar.

Deutschland schreibt den Betreibern jetzt vor, wie voll die Gasspeicher sein müssen

Der Füllstand der Gasspeicher schwankt stark, je nach Jahreszeit. Es ist normal, dass die Speicher in den Sommermonaten, in denen weniger Gas benötigt wird, befüllt werden und während der Heizperiode im Winter dann Gas entnommen wird. Im Frühling, gegen Ende der Heizperiode, sind die Speicher deshalb immer verhältnismäßig leer.

Bereits vor Kriegsbeginn hatten Expertinnen und Experten eine staatliche Reserve gefordert und auf Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas hingewiesen. Nach Kriegsbeginn hat Deutschland dann ein "Gesetz zur nationalen Gasreserve" beschlossen, um auf einen möglichen Engpass vorbereitet zu sein. Betreiber von Gasspeichern werden damit verpflichtet, ihre Gasspeicher zu bestimmten Zeitpunkten zu bestimmten Mindestmengen gefüllt zu haben. Folgende Vorgaben gelten jetzt:

  • zum 1. August: 65 Prozent
  • zum 1. Oktober: 80 Prozent
  • zum 1. Dezember: 90 Prozent
  • zum 1. Februar: 40 Prozent

Ein Grund dafür, dass der Füllstand der Gasspeicher im Winter 2021/22 unter dem Niveau der Vorjahre lag, ist der Betreiber Astora. Die Speicher dieses Unternehmens fassten in der Vergangenheit etwa ein Fünftel der Reserve in Deutschland. Auffällig ist, dass die Astora-Speicher im Sommer 2021 deutlich weniger befüllt wurden als in den vergangenen Jahren. Astora ist ein Tochterunternehmen des russischen Staatskonzerns Gazprom, beziehungsweise dessen deutscher Tochter Gazprom Germania. Deshalb vermuten einige Expertinnen und Experten hinter dem geringen Füllstand Interessen der russischen Regierung.

Astora betreut auch den größten Gasspeicher in Deutschland, dieser liegt im niedersächsichen Rehden. Der Speicher war im Winter mit einem Füllstand von zeitweise 0,5 Prozent nahezu leer. Da die Bundesnetzagentur inzwischen aber als Treuhänder die Geschäfte von Gazprom Germania übernommen hat, ist die Bundesbehörde seitdem auch für den Gasspeicher Rehden zuständig. Seit Mai wird dieser nun wieder befüllt.

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18.06.2022

Papier und Statistiken sind geduldig.

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11.06.2022

Die Zeit arbeitet für die Windmühlen. - Heinz Riesenhuber

Ich mag Leute , die verstehen was man sagt, und auch, was man ihnen nicht sagt. - Henry James 1843-1916

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11.06.2022

Hallo es ist Sommer!
Warum füllt sich der Speicher nicht schneller?
Auf was wartet man?
Bis jemand den Gashahn vorzeitig zudreht?

Wegen Suche der Schuldigen gilt immer wieder die einfache Regel: "Folgt der Spur des Geldes" - Parteispenden, Konten der irgendwie Beteiligten, Politiker, Lobbyisten etc.

Mensch, wenn es um Delikte der Bürger geht - da geht doch was? Angst vor der Russen-Mafia? Finger verbrennen oder Karrierebremse - blöd gell.
Wenn es halt um Erpressung eines ganzen Landes geht und um viele Milliarden (eben nur Bürgengeld oder Steuergeld) - da ist es halt sehr zäh .... gell?

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11.06.2022

Am 9.6.22 waren auch durch mehrere Eingriffe des Wirtschaftsministers unsere Erdgasspeicher zu 53,16 % gefüllt. Genau ein Jahr zuvor waren unsere Erdgasspeicher nur zu 34,74 % gefüllt. Den damalige Wirtschaftsminister Altmaier kümmerte dies nicht. Er bremste lieber weiter desn Ausbau von Solar und Wind und setzte auf Erdgas.

Doch dies spielte sich vor unseren Augen ab. Bevor man jetzt Altmaier juristisch belangen will, sollte man fragen, warum man ihn und seine CDU/CSU gewählt hat.

Zur Erinnerung: In den Jahren 2014 und 2015 stritten grüne Politiker wie Oliver Krischer aus Aachen, der jetzt parlamentarischer Staatssekretät im Bundeswirtschaftsministerium ist, und Marieluise Beck, die jetzt vehement für die angegriffenen Menschen in der Ukraine sich einsetzt und Annalena Baerbock gegen die Veräußerung der Gasspeicher an Putins Gazprom. Auch Bärbel Höhn aus Nordrhein-Westfalen stritt mit. Doch der damalige Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) wollte den Verkauf.
24.9.2014 https://www.deutschlandfunkkultur.de/energie-gruene-gegen-geschaefte-mit-gazprom-100.html
2.11.2015 https://dserver.bundestag.de/btd/18/065/1806526.pdf
25.3.2015 https://dserver.bundestag.de/btd/18/044/1804434.pdf

Allerdings kümmert auch heute unsere hiesigen Journalisten nicht, wie beispielsweise Gazprom auf Erdgas Schwaben Einfluss genommen hat.

Raimund Kamm

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29.05.2022

So lange russisches Erdgas - das von den Industriebrennern optimal verarbeitet werden kann - weiter in die Speicher fließt, wenn auch von anderen russischen Firmen und zu überhöhten Preisen geliefert wird, das der deutsche Verbraucher brav bezahlt, ist die deutsche Welt i.O.

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21.05.2022

Wer hat die Kontrolle über die Gasspeicher abgegebene?
Wer hat das in der vorigen Regierung zugelassen?
Können oder müssen die Verantwortlichen strafrechtlich belangt werden?

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21.05.2022

https://www.wiwo.de/unternehmen/energie/gefaehrliche-abhaengigkeit-warum-gehoert-deutschlands-groesster-gasspeicher-gazprom/28014654.html

Wenn Sie auf politische Justiz stehen, empfehle ich die Auswanderung nach Russland.

Ansonsten ist die Sache nur ein Beweis für die zunehmende ökonomische Naivität der deutschen Politik. Ein Hoch auf internationale Verflechtungen war das Leitbild 2015 - "nationale" Lösungen waren in dieser Zeit nicht gerne gesehen - man musste sich sonst schnell als Nazi bezeichnen lassen.

>> Die leeren Speicher seien bezeichnend für die derzeitige russische Weigerung, mehr Gas zu liefern als in langfristigen Verträgen vereinbart ist. „Russland und Gazprom erfüllen alle Verpflichtungen“, sagt Röttgen. „Aber sie könnten mehr Gas liefern. Das treibt die Preise kurzfristig hoch. <<

Im Grunde resultiert der geringe Speicherbestand überwiegend aus Rheden; die restlichen Speicher sind schon ordentlich gefüllt.

https://agsi.gie.eu/#/historical/DE

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21.05.2022

"Wenn Sie auf politische Justiz stehen, empfehle ich die Auswanderung nach Russland."

Bayern würde schon reichen . . .

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