1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. WBV: Schlechte Aussichten für die Fichte

Waldbesitzer-Versammlung

07.12.2016

WBV: Schlechte Aussichten für die Fichte

IMG_1329a.jpg
2 Bilder
Fichten-Monokultur: Früher die Garantie für gut vermarktbares Bauschnittholz, heute in Zeiten des Klimawandels ein Problemfall für Waldbauern.
Bild: Matthias Becker

Ministerialrat Günter Biermayer warnt vor den Folgen des Klimawandels. Peter Erhard bleibt Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung WBV.

Wer künftig mit seinem Wald gutes Geld verdienen will, der sollte auf der Hut sein. Darauf wies Ministerialdirigent Günter Biermayer aus Kissing bei der Versammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Aichach in Untergriesbach hin. Er fand in seinem Gastvortrag deutliche Worte: „Wir werden durch den Klimawandel aus dem waldbaulichen Paradies vertrieben.“ Man sollte sich davor hüten, den Klimawandel als eine Zukunftsvision darzustellen, er sei bereits Realität. Dazu nannte der Redner Zahlen aus unserer Gegend. So habe man bei der Wetterstation in Mühlhausen (Gemeinde Affing) in Zeitraum von 1961 bis 1990 im Schnitt eine Temperatur von 8 Grad Celsius ermittelt, von 1981 bis 2010 seien es bereits 8,5 Grad gewesen. Noch markanter war der Anstieg der Temperatur in Altomünster von 7,5 auf 8,3 Grad. In Ainertshofen (Markt Inchenhofen) wurden von 1992 bis 2015 im Schnitt 9,3 Grad gemessen, vom 2011 bis 2015 waren es bereits 9,8 Grad, wobei der Niederschlag von 694 Millimetern pro Quadratmeter auf 733 anstieg.

Die Forderung von Biermayer: Die Waldbauern sollten ihre Bestände fit machen für den Klimawandel: „Die Gefahren haben bereits deutlich zugenommen, sie werden noch viel stärker zunehmen und sind nur zum Teil steuerbar.“ Die Fichtenwälder stufte er als angeschlagen ein. „Lassen Sie sich gezielt beraten“, rief er den Waldbesitzern zu und ermunterte sie dazu, etwa auf Mischwälder zu setzen. Als größten Feind für die Fichte stufte er den Borkenkäfer ein. Peter Erhard, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung, zeigte sich beeindruckt von dieser Argumentation: „Wir gehen durch den Klimawandel schweren Zeiten entgegen.“ Seiner Ansicht nach aber gebe es gute Alternativen, etwa in Form von Tannen, Douglasien oder Lärchen: „Wir müssen weg von der Fichte, wir müssen runter auf unter 50 Prozent. Die Buche gehört zur Mischung dazu.“

Gutes Jahr für die WBV

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zu Beginn der Versammlung hatte Erhard, der in Arnhofen in der Marktgemeinde Aindling lebt, von einem guten Jahr für die WBV berichtet: „Wir haben circa 50.000 Festmeter Holz verarbeitet.“ Dann kam er auf ein weniger erfreuliches Thema zu sprechen: „Trotz der guten Witterung machte ab August der Borkenkäfer Probleme. Wir mussten 11000 Festmeter Holz einschlagen wegen Borkenkäferbefall.“ Dann unterstrich er den Stellenwert der Waldbauern. So verliere die Welt alle drei Jahre eine Waldfläche in der Größe Deutschlands, die deutsche Waldfläche aber wachse. Erhard fuhr fort: „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass gerade die nachhaltige forstliche Nutzung der Wälder und die langfristige Speicherung von Kohlenstoffdioxid in Holzprodukten und im Holzbau große Potenziale zur Stärkung des Klimaschutzes bietet.“

Klaus Metzger erklärte in seinem Grußwort: „Die schönste Fabrik der Welt erhält nicht die Anerkennung, die sie bekommen muss.“ Der Landrat nannte die Waldbauern diejenigen, die sich um das „grüne Gold kümmern“. Peter Tomaschko (CSU), Abgeordneter im Bayerischen Landtag, deutete an, dass die Förderung für die Waldbauern um 15 Prozent ansteigen könnte. Pläne wie eine Stilllegung von Flächen würden von der bayerischen Seite „vehement verhindert“. Reinhard Herb, der Obmann des Bayerischen Bauernverbands, meinte angesichts von einer Waldfläche in Deutschland, die 2,6 Millionen Hektar umfasse: „Wir brauchen Leute, die sich um den Wald kümmern.“

„Ich verstehe die Welt nicht mehr„

Was den Borkenkäfer anbelange, so sei unsere Region mit einem blauen Auge davongekommen, erklärte Ralf Gang, Abteilungsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Er empfahl, klimatolerante Bäume anzupflanzen. Die Forderung nach einer Stilllegung von Flächen sei deutlich entschärft worden, sagte er weiter. Und bis entschieden werde, ob Bayern einen dritten Naturpark ausweist, werde es noch einige Zeit dauern.

Wiederholt gingen Redner an diesem Abend auf aktuelle politische Diskussionen ein. Darauf antwortete beispielsweise Erhard: „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Das können wir uns nicht gefallen lassen, dass man uns von unserem Eigentum was wegnehmen will.“ Überlegungen zu einer Stilllegung von Waldflächen erteilte er eine entschiedene Absage. Wolfgang Gutmann leitete die Wahlen, die schriftlich durchgeführt wurden. „Wir haben wirklich eine gute Mannschaft“, kommentierte Erhard das Ergebnis. Er wurde wie seine Kollegen von 118 Stimmberechtigten für fünf Jahre gewählt. Die Geschäftsführer Bernhard Breitsameter und Martin Hollfelder trugen mehrere Bericht vor. 2010 bis 2014 habe man es versäumt, bei guten Preisen mehr Holz zu schlagen. Nach drei milden Wintern sei nun die Brennholz-Nachfrage bescheiden. In den vergangenen drei Jahren sei der Papierabsatz jeweils um acht Prozent gesunken.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%201M4U0004.tif

Obere Vorstadt ist jetzt Baustelle

ad__starterpaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket