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Landkreis Augsburg

24.04.2015

Kreis plant mit vier Turnhallen als Notunterkunft

In der Turnhalle des Justus-von-Liebig Gymnasiums in Neusäß könnten bald Aslybewerber untergebracht werden.
Bild: Marcus Merk

In etwa drei Wochen sind alle Unterkünfte belegt. Das hat Auswirkungen auf die Schulen in Neusäß und das Jugendheim Dinkelscherben.

Im Landratsamt rechnet man nicht mehr damit, in den kommenden Wochen alle von der Regierung von Schwaben zugeteilten Asylbewerber in angemieteten Unterkünften aufnehmen zu können. Deshalb trifft das zuständige Amt für Ausländerwesen und Integration Vorbereitungen, um im Notfall Asylbewerber auch in Turnhallen des Landkreises unterzubringen. Entsprechende Planungen laufen für die Dreifachsporthallen der Gymnasien in Schwabmünchen, Königsbrunn und Neusäß sowie für die Sporthalle des Kreisjugendheims in Dinkelscherben, teilte am Donnerstag das Landratsamt auf Anfrage mit.

Landrat Martin Sailer ( CSU) sprach gegenüber unserer zeitung von einem, „Alarmsignal“. Wenn es dem Landkreis nicht gelinge, weitere Unterkünfte anzumieten, werde es ab Mitte Mai ernst. Sailer: „Wenn wir Objekte bekommen, würde das die Lage natürlich entschärfen.“ Sailer befürchtet, dass bisherige Schätzung von 2600 Asylbewerbern, die bis Jahresende im Landkreis leben sollen, von der Wirklichkeit überholt wird. „Bisher war es immer so, dass die Prognose übertroffen wurde.“

Dieser Schritt sei nicht als Druckmittel auf Kommunen zu verstehen, betont die Geschäftsbereichsleiterin im Landratsamt, Oberregierungsrätin Marion Koppe. Vielmehr stehe das Landratsamt „selbst unter einem massiven Zuweisungsdruck“ von 20 bis 30 Personen pro Woche. „Aktuell stehen noch Plätze für circa drei Wochen zur Verfügung“, so Koppe. Größere Neubauprojekte mit Wohnungen für Asylbewerber in Stadtbergen, Gersthofen und Neusäß (wir berichteten) werden erst im Sommer fertig. Königsbrunn lässt ebenfalls eine Wohnanlage mit einfachen Fertighäusern für etwa 120 Personen bauen, sie wird frühestens im November fertig.

Die Mitarbeiter im Landratsamt haben bereits vorbereitende Gespräche mit Feuerwehren, Rotem Kreuz, THW und dem Malteser-Hilfsdienst geführt. In die aktuellen Planungen sind Feuerwehr und BRK eingebunden. Ein gewisser Vorrat an Feldbetten sei durch den Katastrophenschutz eingelagert und kurzfristig verfügbar.

Auch wenn die dortige Turnhalle belegt werde, soll das Kreisjugendheim in Dinkelscherben bis Ende Juli wieder für Schulen und Gruppen nutzbar sein. Dort leben derzeit 88 Asylbewerber.

Stefan Düll, Direktor am Neusässer Justus-von-Liebig-Gymnasium, zeigte sich bereit mitzuhelfen: „Wenn es so weit ist, dann werden wir unseren Beitrag leisten.“ In Absprache mit den anderem Schulen im Neusässer Schulzentrum – also der Realschule und den Beruflichen Schulen – und deren Hallen werde man Ausweichmöglichkeiten schaffen. Düll hofft, dass dies nicht nötig wird. „Ich gehe davon aus, dass unsere Halle nicht gebraucht wird.“

Die Schulleiterin des Gymnasiums Königsbrunn, Eva Focht-Schmidt, wurde gestern vom Landkreis über die aktuellen Vorbereitungen informiert, diese Option kam für Sie jedoch nicht überraschend. Weil derzeit Duschen und Toiletten für den Schulsport nur in der neuen Dreifachturnhalle zur Verfügung stehen, würde dies den Schulsport „in höchstem Maße“ beeinträchtigen.

Gerhard Palme, der stellvertretende Schulleiter des Leonhard-Wagner-Gymnasiums Schwabmünchen, wurde am Donnerstag von der Nachricht überrascht. Die beiden Dreifachturnhallen des Schulzentrums – Mittel- und Realschule sowie Gymnasium mit zusammen über 2600 Schülern – seien von der ersten bis zur elften Schulstunde (von 7.45 bis 16.35 Uhr) fast lückenlos belegt. Dann trainieren dort bis in den späten Abend Vereinssportler. „Das ginge auf Kosten des Schul- und des Vereinssports“, so Palme.

Landrat Sailer setzt darauf, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung durch den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer in der Betreuung der Flüchtlinge hoch bleibt und betont: „Bisher hatten wir nicht einen einzigen Zwischenfall im Umfeld der Unterkünfte.“ Dass es innerhalb dieser Unterkünfte zwischen den Bewohnern zu Auseinadersetzungen kommen könne, sei klar, weil dort verschiedene Nationalitäten und Kulturen unter schwierigen Bedingungen aufeinandertreffen. Der Landrat rief zum Mitgefühl für die Flüchtlinge auf. „Diese Menschen haben Schicksale hinter sich.“

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